Tour-de-France-Fahrer appelliert an Fans "Bitte respektiert unsere Anstrengungen"

Vincenzo Nibali hatte auf der Königsetappe der Tour de France Siegchancen, ehe er schwer stürzte. Schuld an dem Unfall waren rücksichtslose Zuschauer. Nun solidarisiert sich ein Konkurrent.

Der Niederländer Steven Kruijswijk fährt durch die Menschenmenge
AFP

Der Niederländer Steven Kruijswijk fährt durch die Menschenmenge


Es war der Aufreger auf der Königsetappe der diesjährigen Tour de France: Vincenzo Nibali gehörte wenige Kilometer vor dem Ziel in Alpe d'Huez zu den Sieganwärtern, der Italiener lag aussichtsreich in der Verfolgergruppe um Geraint Thomas, Chris Froome und Tom Dumoulin. Doch seine Hoffnungen auf einen Erfolg wurden zunichte gemacht. Nibali stürzte, weil er nach einer Berührung mit dem Kameragurt eines Zuschauers das Gleichgewicht verlor. Er brach sich einen Wirbel und schleppte sich anschließend unter großen Schmerzen den Berg hinauf. Die Tour ist für ihn beendet.

Doch wie konnte es überhaupt zu dem Unfall kommen? Die Stimmung auf dem Weg hinauf nach Alpe d'Huez war - wie immer in der Vergangenheit - extrem aufgeputscht. Tausende Zuschauer verengten den Weg, manche zündeten Rauchfackeln. Den Fahrern wurde die Sicht erschwert, womöglich sogar das Atmen. Die Motorradfahrer, die eigentlich für den Schutz der Profis zuständig sind, wurden immer weiter in Richtung von Nibali und Co. gedrängt. Es kam zu chaotischen Szenen und letztlich zur folgenschweren Kollision.

"Die Straße wurde immer schmaler und es gab keine Absperrungen. Da waren zwei Polizeimotorräder. Als Froome beschleunigte, folgte ich ihm, ich fühlte mich gut. Dann wurden wir langsamer und ich knallte auf den Boden", sagte Nibali anschließend.

Ein Konkurrent solidarisiert sich nun mit dem 33-Jährigen. Romain Bardet, zweifacher Etappensieger bei der Frankreich-Rundfahrt (2016, 2017), schrieb auf Twitter: "Habe soeben von dem Unfall von Vincenzo Nibali gehört. Es tut mir wirklich leid, was passiert ist. Es ist absolut nicht meine Absicht, von so etwas zu profitieren. Bitte respektiert unsere Anstrengungen. Wir teilen alle dieselbe Leidenschaft. Lasst es uns fair tun", so der Franzose.

Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen, bei denen Radsport-Fans negativ in die Schlagzeilen geraten. 2015 wurde Froome auf der 19. Etappe der Tour de France von einem Zuschauer bespuckt. "Wir sind zuallererst Menschen und dann Sportler. Wir wollen auch als solche behandelt werden. Sowas gehört sich nicht", hatte der Brite damals kurz vor seinem zweiten Tour-Triumph gesagt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, ein Motorradfahrer sei für den Sturz Nibalis verantwortlich gewesen. Tatsächlich war es die Berührung mit einem Kameragurt eines Zuschauers, die zu dem Unfall führte. Wir haben den Fehler inzwischen korrigiert.

bam



insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
w.moritz 20.07.2018
1. Es ist schon verheerend wie sich
so selbsternannte Fans als Richter der Sportlichkeit aufführen, angestachelt von Pressemitteilungen, die weder bewiesen noch erwiesen sind und den Sportler in ein schlechtes Licht rücken. Und diese Fannarren mit einem Niveau jenseits einer Bordsteinkante greifen dann die Sportler an. Dazu müsste die Polizei sofort tätig werden und den Verursacher eines solchen Unfalles sofort in Gewahrsam nehmen, seine Daten und Personalien veröffentlichen und aburteilen, damit es auch der doofste unter den Zuschauern mitkriegt. Und die Presse sollte nur bewiesene Tatsachen veröffentlichen, ansonsten sollte der Journalist in Regress genommen werden können für den Schaden den sein Bericht angerichtet hat. W.Moritz, Worms
Weltbürger-EU 20.07.2018
2. Dann seid ehrlich
Und hört auf mit den nutzlosen Doping Tests. Ein ehrlicher Feind ist mir lieber als verlogenen Freund.
taglöhner 20.07.2018
3. Spray
Zitat von w.moritzso selbsternannte Fans als Richter der Sportlichkeit aufführen, angestachelt von Pressemitteilungen, die weder bewiesen noch erwiesen sind und den Sportler in ein schlechtes Licht rücken. Und diese Fannarren mit einem Niveau jenseits einer Bordsteinkante greifen dann die Sportler an. Dazu müsste die Polizei sofort tätig werden und den Verursacher eines solchen Unfalles sofort in Gewahrsam nehmen, seine Daten und Personalien veröffentlichen und aburteilen, damit es auch der doofste unter den Zuschauern mitkriegt. Und die Presse sollte nur bewiesene Tatsachen veröffentlichen, ansonsten sollte der Journalist in Regress genommen werden können für den Schaden den sein Bericht angerichtet hat. W.Moritz, Worms
Zustimmung. Im Falle Nibali waren es aber wohl einfach die üblichen hirnlosen Selbstdarsteller, keine Angreifer wie kurz zuvor gegenüber Froome. Ich habe mich gestern gefragt, noch vor Nibalis Sturz, dass es doch Fanfaren geben müsste für die Motorräder, die "eindrucksvoll" genug sind, respektvollen Abstand zu schaffen.
skeptikerjörg 20.07.2018
4.
Zitat von w.moritzso selbsternannte Fans als Richter der Sportlichkeit aufführen, angestachelt von Pressemitteilungen, die weder bewiesen noch erwiesen sind und den Sportler in ein schlechtes Licht rücken. Und diese Fannarren mit einem Niveau jenseits einer Bordsteinkante greifen dann die Sportler an. Dazu müsste die Polizei sofort tätig werden und den Verursacher eines solchen Unfalles sofort in Gewahrsam nehmen, seine Daten und Personalien veröffentlichen und aburteilen, damit es auch der doofste unter den Zuschauern mitkriegt. Und die Presse sollte nur bewiesene Tatsachen veröffentlichen, ansonsten sollte der Journalist in Regress genommen werden können für den Schaden den sein Bericht angerichtet hat. W.Moritz, Worms
Eigenartiger Post! Erstens sind Sie für die Abschaffung der Pressefreiheit. Zweitens fordern Sie den öffentlichen Pranger für ausrastende Radsportfans. Drittens hat das mit dem Nibali-Sturz aber auch gar nichts zu tun. Wer die Bilder gesehen hat von den Turmulten an der Strecke, von völlig ausgerasteten, wahrscheinlich zum Teil besoffenen Fans, die ungehindert den Fahrern auf die Pelle rücken können, der wundert sich, dass nicht mehr passiert.
Sibylle1969 20.07.2018
5.
Anscheinend braucht es bei den großen Bergankünften auch Absperrungen.
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