Tour-de-France-Führender Geraint Thomas Heute ein König

Geraint Thomas hat auch die Königsetappe nach Alpe d'Huez gewonnen. Trotzdem schwört er seinem Kapitän Chris Froome weiter die Treue. Nur ein Mann könnte die beiden noch stoppen.

Von Eike Hagen Hoppmann


Das Finale: Die Königsetappe bekam ihr erwartet furioses Finale. Am Ende der 175,5 Kilometer mit drei Bergen der höchsten Kategorie hatten die Spitzenfahrer in den legendären 21 Kehren hinauf nach Alpe d'Huez noch ausreichend Kraft für wechselseitige Attacken. Vincenzo Nibali und Nairo Quintana versuchten es zuerst - ohne Erfolg. Romain Bardet konnte sich zwischenzeitlich zwar absetzen, wurde aber wieder eingeholt. Auch Chris Froome zog das Tempo an, kam aber ebenfalls nicht weg. Nibali kollidierte vier Kilometer vor dem Ziel mit einem Polizeimotorrad und verlor Zeit. Am Ende bogen fünf Fahrer gemeinsam auf die Zielgerade ein: Froome, Teamkollege Geraint Thomas im Gelben Trikot, Bardet, Mikel Landa und Tom Dumoulin. Dort hatte wie schon auf der elften Etappe Thomas den stärksten Punch.

Das Ergebnis: Thomas gewinnt auch die zwölfte Etappe der 105. Tour de France, baut seinen Vorsprung in der Gesamtwertung leicht aus - und schafft sogar noch eine Premiere. Sein eigentlicher Kapitän Froome wird hinter Dumoulin und Bardet dagegen nur Vierter. Hier geht es zum Rennbericht.

Die Attacke des Tages: Das Feld fuhr zu Beginn ein hohes Tempo, es dauerte lange, bis sich eine Ausreißergruppe formieren konnte. Die war dann mit Alejandro Valverde und Steven Kruijswijk allerdings prominent besetzt. Kruijswijk war vor der Etappe Sechster im Gesamtklassement mit 2:40 Minuten Rückstand auf Thomas. Am zweiten Anstieg des Tages attackierte der Niederländer aus der Fluchtgruppe heraus, fuhr einen Vorsprung von sechs Minuten auf das Hauptfeld heraus und damit zwischenzeitlich im virtuellen Gelben Trikot. Dann erhöhte Sky das Tempo, und Kruijswijk wurde nach einer Solofahrt über 70 Kilometer kurz vor dem Ziel eingeholt. Immerhin durfte er noch als Erster durch die berüchtigte Holländerkurve fahren.

Verlierer der Etappe: Es gibt einige Kandidaten: Quintana zum Beispiel, der am Schlussanstieg abreißen lassen musste und seine letzte Chance auf den Toursieg wohl verspielt hat. Oder Pechvogel Nibali, der nach der Etappe ins Krankenhaus gebracht werden und die Tour aufgrund eines Wirbelbruchs beenden musste. Am Ende fällt die Wahl aber auf Froome. Der Brite hatte in Alpe d'Huez noch nie gewonnen und wollte das unbedingt ändern. Außerdem muss er langsam damit beginnen, den Rückstand auf seinen "Helfer" Thomas zu verkürzen. Doch seine Attacke vier Kilometer vor dem Ziel blieb wirkungslos. Stattdessen triumphierte erneut Thomas. "Ich werde versuchen, das Gelbe Trikot noch für ein paar Tage zu behalten. Aber ich fahre immer noch für Froome", sagte Thomas im Ziel. Es fällt immer schwerer, ihm das zu glauben.

Gewinner der Etappe: Tom Dumoulin. Auch auf den steilsten Bergpassagen kann der Niederländer inzwischen mit den besten Fahrern mithalten. Das ist beeindruckend, denn seine stärkste Disziplin ist das Zeitfahren. Hier ist er mindestens so stark einzuschätzen wie Froome und Thomas. Und beim Zeitfahren wird sich die Tour de France in diesem Jahr auf der vorletzten Etappe entscheiden. Wenn jemand einen Sky-Sieg von Thomas oder Froome noch verhindern kann, dann ist es Dumoulin. Der Rest scheint zu weit entfernt oder zu schwach im Zeitfahren. Der Giro-Sieger von 2017 ist in der Gesamtwertung aktuell Dritter.

Der heimliche Star: Die 21 Kehren von Alpe d'Huez sind die berühmteste Passage der Frankreich-Rundfahrt, die schönste ist allerdings der Anstieg zum Lacets de Montvernier. 18 schmale Haarnadelkurven führen hinauf, es sind keine Zuschauer am Straßenrand erlaubt. So kommt die Schönheit dieses Anstiegs noch besser zur Geltung. 2015 war der Berg zum allerersten Mal im Programm der Tour. Nun folgte die Rückkehr. Sportlich passierte auf dem Abschnitt zwar nicht viel, bei diesem Panorama war das allerdings nicht schlimm. Möge der Lacets de Montvernier noch oft befahren werden.

Das Sprintersterben: Am Mittwoch schafften es Marcel Kittel und Mark Cavendish nicht innerhalb des Zeitlimits ins Ziel und mussten die Tour verlassen. Dieses Mal hatten Fernando Gaviria, Dylan Groenewegen (beide bereits zweifache Etappensieger) und André Greipel große Probleme und gaben das Rennen noch während der Etappe auf. Damit ist das Sprinterfeld vor der nächsten Flachetappe am Freitag (Liveticker SPIEGEL ONLINE) arg ausgedünnt. Vor einer Woche hatte auch schon Michael Matthews krankheitsbedingt aufgegeben. Ist die Karenzzeit für die Sprinter zu eng bemessen? Die Tour-Organisatoren haben sich in jedem Fall ins eigene Fleisch geschnitten.

Deutsche Ausfälle: Neben Greipel gaben auch noch sein Anfahrer Marcel Sieberg und Rick Zabel das Rennen auf. Damit sind von den elf gestarteten deutschen Fahrern nur noch sechs übrig. Tony Martin stieg schon in der ersten Woche nach einem Sturz von Rad. Abgesehen vom Etappensieg von John Degenkolb verläuft die Tour de France in diesem Jahr aus deutscher Sicht enttäuschend. 2017 hatte Marcel Kittel noch für fünf deutsche Etappensiege gesorgt, 2015 gab es sogar sechs deutsche Erfolge. Von diesen Marken ist man in diesem Jahr weit entfernt. Ein Lichtblick war Simon Geschke, der bis zehn Kilometer vor dem Ziel in der Favoritengruppe mitfahren konnte.

Anmerkung der Redaktion: Dass Vincenzo Nibali aufgrund einer Rückenverletzung aus der Tour aussteigt, gab der Italiener erst bekannt, nachdem dieser Text schon geschrieben war. Wir haben die Information ergänzt.



insgesamt 8 Beiträge
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Rebierhcs 19.07.2018
1. Sprinter
Gaviria war bei seiner ersten Tour wohl sowieso ein Wackelkandidat, er hatte schon nach seinen Siegen wohl gelitten und konnte nicht mehr so schnell sprinten. Cavendish ist wohl zu alt, hatte ja auch kaum eine Rolle gespielt. Groenewegen und Greipel sind dann doch eher überraschend. Mal sehen was dann noch für Degenkolb rausspringt...aber eher hat Sagan freie Bahn, sofern die Mannschaften ein Interesse haben Massensprints zu organisieren, wenn alle ihre Sprinter los sind. Man sollte Sagan jedenfalls besser nicht in Fluchtgruppen lassen, wenn man gewinnen will...oder muss ihn müde fahren.
dr.koepi 19.07.2018
2. Naja...
im Vorfeld der diesjährigen Tour de Hustensaft scheint Gerraint Thomas am geschicktestens gefrühstückt zu haben. Hat der eigentlich auch Asthma ?
stefan.p1 20.07.2018
3. Eigentlich schade,aber
dieour ist gelaufen. Froome oder Thomas sonst keiner. Doumolin ist in einem viel zu schwachen Team - von daher kriegt er keine Unterstüzung,die er braucht um ernsthaft Sky angreifen zu können. Die Tour ist langweilig geworden weil das Team Sky einfach konkurenzlos stark ist. Mehr Entertainment und Spannung gab es da doch wirklich zu Armstrong/Ulrich Zeiten
braindead0815 20.07.2018
4. viel eher sollten
Zitat von dr.koepiim Vorfeld der diesjährigen Tour de Hustensaft scheint Gerraint Thomas am geschicktestens gefrühstückt zu haben. Hat der eigentlich auch Asthma ?
sie sich fragen, warum sie nicht zum thema etwas schreiben. konnte in dem artikel nichts über doping lesen. die tourleitung hat wohl gerade wegen der dominanz von froome die tour etwas anspruchsvoller gestaltet. ob kopfsteinpflaster oder nicht asphaltierte straßen etc. am ende hatten aber nur seine gegner probleme (bisher) und am ende scheint nur noch sky dabei zu sein und wenn sagan ausfällt, können sie auch noch um das sprinter trikot kämpfen. vielleicht kann thomas das trikot behalten - zumindest wäre das kein froome sieg. die tour leidet unter langeweile. selbst die sprinter sind mittlerweile zu bequem sich über die berge zu quälen. gerade kittel hätte hier punkten können -am ende zeigt er nur wirklich, das er nur für ein team gemacht ist, der ihn 100m vor die ziellinie bringt. vielleicht passiert noch was in den pyrenäen. wäre wünschenswert. das die verbliebenen gegner nochmal alles versuchen um sky zu gefährden. am ende das einzelzeitfahren ? wahrscheinlich wird sky dieses jahr sogar platz 1und 2 besetzen.
doppelnass 20.07.2018
5. Schade
Schade, dass in keinem Artikel erwähnt wird, dass das eigentlich spektakuläre an der Zielankunft die lauten Buh-Rufe des fast gesamten Publikums waren. Ich finde, man sollte etwas kritischer über das Team Sky berichten. Sky tut sich da aus Marketing Sicht wohl eh keinen gefallen mehr
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