Team Sky und die Moscon-Disqualifikation Na und?

Es herrscht Unruhe im Team Sky: Die Kapitänsfrage scheint offen, und vor der ersten Pyrenäen-Etappe der Tour hat die Jury auch noch einen Helfer disqualifiziert. Einfacher wird es für die Konkurrenz trotzdem nicht.

Gianni Moscon
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Gianni Moscon

Von Eike Hagen Hoppmann


Es ist nicht einmal klar, ob er ihn überhaupt getroffen hat. Klar ist aber: Es gab während der 15. Etappe der Tour de France erst diese Ausholbewegung und dann den Schlag von Sky-Profi Gianni Moscon in Richtung von Elie Gesbert, einem Fahrer aus dem Team Fortuneo-Samsic. Gesbert setzte seine Fahrt anschließend zwar unbeeindruckt fort, aber die Aktion hatte für Moscon ein Nachspiel. Denn TV-Kameras hatten die Szene eingefangen.

Der Video-Kommissar (gibt es in diesem Jahr erstmals bei der Tour) sah sich die Bilder an und die Rennjury kam zu dem Urteil: Moscon wird von der Tour de France ausgeschlossen. Bei der 16. Etappe der Frankreich-Rundfahrt am Dienstag (11.40 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD/Eurosport) darf der 24 Jahre alte Italiener nicht mehr an den Start gehen.

Sein Team Sky gab sich auch gar keine Mühe mehr, diese Maßnahme irgendwie anzuzweifeln oder sogar anzufechten. "Wir unterstützen und akzeptieren die Entscheidung", hieß es in einem Statement. Auch Moscon selbst blieb nicht viel mehr als eine Entschuldigung, die über die sozialen Kanäle seines Rennstalls verbreitet wurde. Es war die letzte Szene von ihm bei dieser Tour.

Was bedeutet das nun für das Team Sky und ihre Siegkandidaten Geraint Thomas und Chris Froome vor den Etappen in den Pyrenäen am Dienstag, Mittwoch und Freitag? Die ehrliche Antwort ist wohl: nicht viel.

Die größten Konsequenzen könnte der Vorfall für Moscon selbst haben. Im schlimmsten Fall droht ihm der Rauswurf. Im Statement von Sky heißt es dazu: "Wir werden den Vorfall nach der Tour mit Gianni besprechen und entscheiden, ob weitere Schritte unternommen werden sollten." Moscon ist zwar ein großes Talent und für sein junges Alter schon sehr stark. Trotzdem ist es gut möglich, dass ihn Sky vor die Tür setzt. Denn er ist schon öfter unangenehm aufgefallen: Im vergangenen Jahr soll Moscon FDJ-Fahrer Sebastien Reichenbach mit einem Stoß absichtlich zu Fall gebracht haben. Außerdem erhielt er eine eine sechswöchige teaminterne Sperre, nachdem er den dunkelhäutigen Franzosen Kevin Reza rassistisch beleidigt hatte.

Warum Moscons Ausfall nicht entscheidend ist

Für Sky ist die Disqualifikation zwar ärgerlich, für die verbleibende letzte Tour-Woche aber wohl nicht entscheidend. Im Hochgebirge sind der Pole Michal Kwiatkowski und der Kolumbianer Egan Bernal die wichtigsten Helfer für Thomas und Froome. Beide präsentierten sich bislang in so starker Verfassung, dass sie Moscons Ausfall kompensieren können. Und wenn es bislang auf den Etappen in die entscheidende Phase ging, war Moscon auch schon gar nicht mehr vorne mit dabei.

Falls es auf den kommenden Etappen zu einer Attacke von Tom Dumoulin, dem größten Konkurrenten von Thomas und Froome, kommen sollte, müssten beide sowieso selbst reagieren. Der Niederländer hat in der Gesamtwertung nur elf Sekunden Rückstand auf den Zweitplatzierten Froome. Auf Thomas sind es zwar 1:50 Minuten, aber auch das ist zu wenig, um ihn ziehen lassen zu können.

Die größte Chance für eine Attacke bietet sich für Dumoulin und Primoz Roglic, der als Viertplatzierter (+ 2:28) ebenfalls noch Außenseiterchancen auf den Sieg hat, wohl am Mittwoch. Dort steht die dritte und letzte Bergankunft auf dem Plan. Das besondere an der Etappe ist allerdings nicht die Bergankunft, sondern die außergewöhnlich kurze Distanz von nur 65 Kilometern. Deshalb ist auch der Start besonders: Gestartet wird aufgrund der kurzen Distanz in mehreren Gruppen, die ersten zehn im Klassement vorneweg. Ab dem ersten Meter könnte es somit Attacken geben - so stellen sich das zumindest die Organisatoren vor.

Entscheidung beim Zeitfahren

Auch für Froome bieten die drei Pyrenäen-Etappen noch einmal die Chance, in der Gesamtwertung an seinen eigentlichen Helfer Thomas heranzurücken oder sogar vorbeizuziehen. Wenngleich es in den vergangenen Tagen auch erste offizielle Indizien gab, dass es am Ende auf einen Sieg von Thomas hinauslaufen könnte. Froome sagte am Ruhetag: "Solange ein Sky-Fahrer gewinnt, bin ich glücklich."

Die Entscheidung dürfte aber ohnehin erst auf der vorletzten Etappe am Samstag beim Einzelzeitfahren fallen. An einem guten Tag könnte Dumoulin hier Zeit auf Thomas und Froome gutmachen. Auch Roglic zählt beim Kampf gegen die Uhr zur Weltspitze. Auch die beiden Sky-Fahrer sind im Zeitfahren stark, allerdings sind sie dann erstmals komplett auf sich allein gestellt. Ohne jeden Helfer.

Das Startprozedere der Etappe hatten wir in einer ersten Version des Texts falsch beschrieben. Wir haben diesen Teil nachträglich aktualisiert.



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luvschot 24.07.2018
1. Keine umgekehrte Reihenfolge!
Hier stimmt was nicht. Der Start der 19.Etappe über 65 km erfolgt nicht in umgekehrter Reihenfolge. Es gibt lediglich ein "Starting Grid" wie im Motorsport. Die ersten 10 des Gesamtklassements werden aus versetzten Startboxen losfahren. Die restlichen Fahrer werden entsprechend ihrer Platzierung in vier Gruppen aufgeteilt (auf ca. 70 m Länge) und fahren im besten Fall etwas geordneter los. Es gibt aber keinen "depart fictif". Mit dieser Variante will man erreichen, dass gleich zu Anfang "losgeballert" wird. Ach ja, noch zu Moscon. Da troll ich mal badisch. Des isch än Seggl!
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