Tour-de-France-Strecke 2019 Und am Ende lacht wieder Sky

Sieben Bergetappen, fünf Bergankünfte: Die Tour 2019 wird so anspruchsvoll wie lange nicht. Profitieren dürfte am Ende das Team Sky. Weil die größten Konkurrenten ihrer Stärke beraubt werden.

Die elfte Etappe der Tour 2018
AFP

Die elfte Etappe der Tour 2018

Von Eike Hagen Hoppmann


"Es wird die höchste Tour der Geschichte", sagte Tourdirektor Christian Prudhomme bei der Präsentation. In der Tat: Die 106. Tour de France (6. bis 28. Juli 2019) wird so anspruchsvoll wie lange nicht. Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Wie sieht die Tour de France 2019 aus?

Es wird eine Tour für Kletterer. Sieben schwere und gleichzeitig sehr kurze Bergetappen stehen auf dem Programm, es gibt insgesamt fünf Bergankünfte. In diesem Jahr waren es drei. Unter anderem geht es über den Col d'Izoard, Col du Galibier und den Col d'Iseran. Erst zum dritten Mal in der Geschichte der Rundfahrt endet eine Etappe auf dem legendären Col du Tourmalet in den Pyrenäen.

Zu Ehren des Belgiers Eddy Merckx beginnt die Tour 2019 in Brüssel, 50 Jahre nach seinem ersten Sieg bei der Tour. Dann geht es durch den Osten Frankreichs und durch das Zentralmassiv in die Pyrenäen, bevor in der dritten Woche in den Alpen die Entscheidung fällt. Nach 3460 Kilometern endet die Tour de France traditionell in Paris.

Die Strecke 2019
ASO/HANDOUT/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Die Strecke 2019

Wer profitiert von der Strecke?

Auf den ersten Blick könnte man denken, dass die Organisatoren der Tour im kommenden Jahr mit den kurzen, schweren Etappen hauptsächlich die Dominanz von Team Sky brechen wollen. Die Spannung soll möglichst lange hochgehalten werden. Deshalb haben die Planer auf der letzten Etappe vor dem Finale in Paris auch noch eine Bergankunft eingebaut. Außerdem kündigten die Organisatoren an, die Wattmesser an den Rädern abschaffen zu wollen, die gerade für Sky eine enorme Bedeutung haben. Fahrer wie Froome verlassen sich im Rennen stets mehr auf Wattzahlen, während andere Fahrer auf ihr Gefühl vertrauen.

Endet die Sky-Dominanz im kommenden Jahr?

Eher nicht. Tatsächlich kommt die Strecke Sky wohl sogar entgegen. Auf der zweiten Etappe gibt es ein 27 Kilometer langes Mannschaftszeitfahren. Hier schneiden die großen Teams deutlich besser ab. Auch in diesem Jahr gab es bei der Tour ein Teamzeitfahren. Hier ging zwar zuletzt nicht Sky sondern BMC als Sieger hervor. Allerdings stand das BMC-Team in dieser Saison ohne Hauptsponsor lange vor einer ungewissen Zukunft und verliert nach der Saison zahlreiche gute Fahrer, unter anderen den Australier Richie Porte, den Mann für das Gesamtklassement.

Daher könnte Sky im kommenden Jahr das Gelbe Trikot bereits nach der zweiten Etappe übernehmen, damit früh vom Angriffs- in den Reaktionsmodus schalten und das Rennen von vorne kontrollieren. Das beherrscht Sky mittlerweile fast in Perfektion.

Dazu kommt, dass Sky auch den vielleicht besten Kletterer des Pelotons in den eigenen Reihen hat: Der 21 Jahre alte Kolumbianer Egan Bernal war in diesem Jahr im Hochgebirge bereits der wichtigste Helfer seiner Kapitäne Christopher Froome und Tour-Sieger Geraint Thomas. Teilweise fuhr er sogar besser als Froome. Wenn den Sieg am Ende also tatsächlich die kleinen, leichten Kletterer unter sich ausmachen, hätte Sky auch hier gute Karten. In jedem Fall hat das Team 2019 noch einen dritten Siegkandidaten.

Wer freut sich noch?

Die Sprinter. Die erste Etappe verläuft überwiegend flach, am Ende dürfte es nach 192 Kilometern in Brüssel zu einem Massensprint kommen. Ein Sprinter wird also wahrscheinlich nach dem ersten Tag das Gelbe Trikot tragen. 2013 und 2014 konnte Marcel Kittel nach einer jeweils ähnlich flachen Auftaktetappe ins "Maillot jaune" schlüpfen. Er kann sich 2019 ebenso Hoffnungen auf einen Tag in Gelb machen wie John Degenkolb oder André Greipel. Insgesamt gibt es 2019 sieben potenzielle Etappen für die Sprinter.

Wen benachteiligt die Strecke?

Besonders ärgern dürfte sich Tom Dumoulin. Der Niederländer, Zweiter hinter Thomas, ist der beste Zeitfahrer im Peloton und gewann auch das Einzelzeitfahren bei der Tour in diesem Jahr. 2019 gibt es nur ein sehr kurzes, 27 Kilometer langes Einzelzeitfahren. "Es ist eine sehr harte Strecke. Natürlich wären mehr Zeitfahrkilometer besser für mich gewesen, deshalb ist der Kurs nicht ideal", sagte Dumoulin. Auch Froome und Thomas sind zwar sehr gute Zeitfahrer. Der Kampf gegen die Uhr ist für die Konkurrenten aber die einzige Gelegenheit, gegen die Sky-Fahrer ohne ihr übermächtiges Team Zeit herausfahren zu können.

Tom Dumoulin bei der Tour 2018
DPA

Tom Dumoulin bei der Tour 2018

Die Tour-Verantwortlichen wissen, dass sie Dumoulin mit dem Kurs keinen Gefallen getan haben, und lobten ihn daher explizit. "Dumoulin braucht kein Zeitfahren, um die Tour gewinnen zu können. Er hat schon bewiesen, dass er auch ein sehr starker Kletterer ist", sagte Streckenplaner Thierry Gouvenou. Vielleicht fürchten die Veranstalter auch, dass der 27-Jährige nun stattdessen beim Giro d'Italia an den Start gehen könnte. Dumoulin hatte bereits durchklingen lassen, dass er gerne die Tour fahren würde. Möglicherweise überlegt er es sich jetzt noch mal.

Da auch der Viertplatzierte der diesjährigen Tour, der Slowene Primoz Roglic, im Zeitfahren besonders stark ist, haben die Tour-Planer bei der Strecke für 2019 also ausgerechnet die wohl größten Konkurrenten von Thomas und Froome benachteiligt. Tatsächlich kann also vor allem Sky mit dem Kurs zufrieden sein.



insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
dickerulle 25.10.2018
1. Stimmt nicht.
Gerade beim Mannschaftszeitfahren werden die anderen Teams nächstes Jahr besser abschneiden wollen. Deswegen hat Lotto unter anderem auch Martin geholt. Außerdem wird Quickstep da richtig gut fahren und auf den vielen Bergkilometern wird dann Alaphilippe angreifen können. Die 3 Wochen wird er nächsten Jahr gut verkraften können.
Gianni Morandi 25.10.2018
2. Kaum Einzelzeitfahren
Sehr bedauerlich. 27 km Einzelzeitfahren auf einer drei-wöchigen Rundfahrt. Viel zu wenig für meinen Geschmack. Aber der Zuschauer will halt scheinbar hauptsächlich das sich-gegenseitig-kapputfahren am Berg sehen. Roller sind nicht mehr gefragt. Schade.
Pedronini 25.10.2018
3.
Freue mich schon!
tollesSpiel 25.10.2018
4.
"Fahrer wie Froome verlassen sich im Rennen stets mehr auf Wattzahlen, während andere Fahrer auf ihr Gefühl vertrauen." Was soll denn heissen Fahrer wie Fromme.UNer wer sind andere? Ein Powermeter hat heuie jeder Hobbyfahrer. Die Dinger kosten ca 1000 Euro. Bei den Profis fahren doch wohl nur die ewig Gestrigen ohne Powermeter. Wer diesen Vorteil nicht mit nimmt ist es selber schuld.
dolfi 25.10.2018
5. Schade!
Beim lesen der Überschrift hatte ich gehofft, dass dieser TDF-Quatsch nur auf Sky TV zu sehen sei. Jetzt werden wohl wieder die ÖR Sendezeiten für die Doping-Rundfahrt verschwenden. Egal, mein Netflix-Abo ist bezahlt, ich muss mir diesen Nonsens nicht antun.
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