Tour de France Blutdoping bei Winokurow - Astana steigt aus

Neuer Skandal bei der Tour de France: Alexander Winokurow ist bei einer Dopingkontrolle positiv getestet worden. Dem Fahrer wurde eine Fremdbluttransfusion nachgewiesen. Das Astana-Team zieht sich ab sofort von der Tour zurück - das Aus auch für Andreas Klöden.


Hamburg - Winokurow ist bei einer Dopingprobe während der laufenden Tour de France am 21. Juli eine Fremdbluttransfusion nachgewiesen worden. Das bestätigte sein Astana-Team am Abend. Zudem erklärte die Mannschaft mit sofortiger Wirkung den Rückzug von der 94. Frankreichrundfahrt. Damit ist die Tour auch für den Deutschen Andreas Klöden beendet.

Die auffälligen Werte Winokurows wurden nach dessen Sieg im Einzelzeitfahren in Albi festgestellt. Dort hatte der Kasache die Konkurrenz nach Belieben beherrscht und mit 1:14 Minuten Vorsprung auf den Australier Cadel Evans gesiegt. "Ich wollte es mir und allen zeigen, dass ich noch nicht geschlagen bin. Ich habe alles aus mir rausgeholt", hatte Winokurow im Ziel gesagt.

Auf der ersten Pyrenäen-Etappe am Sonntag erlitt er einen totalen Einbruch und verlor dabei 28:50 Minuten auf den dänischen Spitzenreiter Michael Rasmussen. Gestern feierte er dann in Loudenvielle-Le Louron seinen zweiten Etappensieg. Bei einem Sturz während der 5. Etappe hatte sich Winokurow eine Knieverletzung zugezogen und musste an beiden Knien genäht werden.

Winokurow fuhr von 2000 bis 2005 für das T-Mobile-Team und war nach einem halben Jahr bei Liberty Seguros zu Astana gewechselt. Um beide Rennställe gibt es seit längerem Dopinggerüchte. Der geständige Dopingsünder Jörg Jaksche hatte unlängst in einem SPIEGEL-Interview über systematisches Blutdoping beim Astana-Vorgängerteam Liberty Seguros berichtet.Laut Jaksche hatte der Rennstall und dessen Chef Manolo Saiz über viele Jahre mit dem umstrittenen Mediziner Eufemiano Fuentes zusammengearbeitet.

Am 13. Juli hatte Astana, das unter anderem vom kasachischen Staat finanziert wird, den früheren T-Mobile-Fahrer Matthias Kessler wegen Testosteron-Dopings entlassen. Kessler droht eine zweijährige Sperre. Der 28-Jährige war bei einer unangemeldeten Trainingskontrolle vor dem Klassiker " Fleche Wallonne" Ende April mit einem extrem überhöhten Testosteron-Wert aufgefallen.

Zudem laufen Ermittlungen gegen den Italiener Eddy Mazzoleni. Bei drei Dopingfällen innerhalb eines Jahres wird eine Radsport-Mannschaft laut Reglement des Weltverbandes UCI für vier Wochen gesperrt.

Winokurow ist der erste Fahrer, der bei der laufenden Tour überführt wurde. Am vergangenen Mittwoch war eine positive Dopingkontrolle (Testosteron) beim verletzt ausgefallenen T-Mobile-Fahrer Patrik Sinkewitz vom 8. Juni bekanntgeworden.

Durch Blutdoping wird die Erythrozytenzahl im Blut erhöht, so dass eine Verbesserung der Sauerstofftransportkapazität erreicht werden kann. Gesundheitliche Risiken bestehen vor allem bei einer Fremdbluttransfusion - wie im Falle Winokurows. Die Folgen können von allergischen Reaktionen bis hin zu Nierenschädigungen oder auch anderem Infektionen, etwa mit Hepatitis-Erregern reichen.

Blutdoping lässt sich erst seit den Olympischen Spielen 2004 in Athen nachweisen. Damals war Olympiasieger Tyler Hamilton aus den USA als erster Radprofi überführt worden.

pav/sid



Forum - Die Tour - eine einzige Farce?
insgesamt 615 Beiträge
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DJ Doena 24.07.2007
1.
Und Rasmussen kommt wegen Verfahrensfehlern "frei". Aber war das nicht von vornherein klar?
Kummibaer, 24.07.2007
2.
Was soll man dazu noch sagen? Für wie dumm will man die Radbegeisterten noch verkaufen? Es sollte endlich reiner Tisch gemacht werden, denn so gut wie jeder Radprofi wird auch Dreck am Stecken haben. Aus Protest interessiere ich mich auch gar nicht mehr für die Tour, sondern warte nur wieder auf "neue Enthüllungen".
maxxboersi, 24.07.2007
3.
JA JA JA scheinbar ist der reiz des geldes doch so stark, daß die sanktionen nicht ausreichen. es gibt wohl noch genug dumme radprofis, die ihre gesundheit für geld ruinieren. schade.
TommIT, 24.07.2007
4.
Zitat von DJ DoenaUnd Rasmussen kommt wegen Verfahrensfehlern "frei". Aber war das nicht von vornherein klar?
UIrgendwer muss ja gewinnen Für mich ist damit die Tour für die nächsten drei Jahre - mediale Dunkelheit Sch....laden
dbraaker 24.07.2007
5.
Wieso geworden? Wann gab es denn den letzten Sieger, den man guten Gewissens als unbelastet bezeichnen könnte? Doping ist doch nichts neues im Radsport! Genausowenig ist es etwas neues, dass die Veranstalter bei der Doping-Bekämpfung nicht über Lippenbekenntnisse hinauskommen, das Fremdblutdoping von Wino war eine reine Verzweiflungstat (genau wie Landis im letzten Jahr), man kann sich nur an den Kopf packen wie dumm das war, denn seit 2004 ist Fremdblut-Doping bekanntermaßen nachweisbar. Das systematische Doping wird doch garnicht erfasst, Leute wie Rasmussen und der Rest der Top Fahrer werden fast jeden Tag getestet und nichts ist auffällig, abgesehen von der präsentierten Leistung natürlich..
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