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Legendäre Tour-Anstiege: Und plötzlich ist da eine Wand

Die Straße zum Col de la Croix de Fer: "Aufreibend, hierher zu kommen" Zur Großansicht
Delius Klasing Verlag

Die Straße zum Col de la Croix de Fer: "Aufreibend, hierher zu kommen"

Die Tour de France entscheidet sich meist in den Bergen, vor den Radprofis liegen etliche Pässe in den Pyrenäen und Alpen. Der Brite Simon Warren hat die 100 legendärsten Anstiege dokumentiert - eine Auswahl.

Es sind jene Bilder, die man vor Augen hat, wenn man an die Tour de France denkt: Starre Blicke, ausgezehrte Gesichter, rote Köpfe über mechanisch wackelnden Oberkörpern. Unter ihnen eine schmale Straße, die mit Namen übersät und von Tausenden Zuschauern gesäumt ist. Die Bergetappen mit ihren steilen Anstiegen sind die Höhepunkte der Frankreichrundfahrt, für die Radprofis sind sie Herausforderung und Qual zugleich.

Während der diesjährigen Tour, es ist die 102. Auflage, müssen die Fahrer mit Anstiegen in den Pyrenäen sowie in den nördlichen und südlichen Westalpen kämpfen, dabei gibt es fünf Bergankünfte (La Pierre-Saint-Martin, Plateau de Beille, Pra Loup, La Toussuire und Alpe-d'Huez). Die Entscheidung über den Gesamtsieg nach 22 Tagen und gut 3300 Kilometern wird, wie so oft, in den Alpen fallen; durch zwei nur sehr kurze Zeitfahren hat die Arbeit in den Bergen noch mehr Gewicht.

Der britische Autor Simon Warren hat sich auf den Weg in die Berge gemacht: Im Frühjahr 2013 fuhr er die 100 bekanntesten Anstiege der Tour de France nach, 30 Tage dauerte seine Reise. Jeden gemeisterten Berg dokumentierte Warren in seinem Buch, das in diesem Jahr in deutscher Sprache erschienen ist.

Im Vorwort schreibt Warren: "Im Jahre 1975 wurde das gepunktete Trikot eingeführt. Um dieses Trikot wird auf den Straßen, die in diesem Buch vorgestellt werden, gekämpft. Der Fahrer mit den jeweils meisten Punkten in der Bergwertung trägt es."

Einige dieser Berge müssen die Profis auch bei der diesjährigen Rundfahrt überwinden. Im Folgenden finden Sie eine Auswahl von zehn Anstiegen, beschrieben von Autor Warren.

Legendäre Tour-Anstiege

Col du Tourmalet I

Kein anderer Anstieg repräsentiert die Tour besser als der großartige Tourmalet, der höchste Pass der Pyrenäen. Seit die Tour auch Hochgebirgsetappen beinhaltet, war er schon 80-mal dabei. Der Anstieg ist aus beiden Richtungen beliebt. Ich entschied mich für die Westanfahrt von Luz-Saint-Sauveur. Bis zum Dorf Barèges ist die Strecke moderat, aber dann trifft man auf die unliebsam bekannte Neun-Prozent-Pyrenäen-Steigung. Hinter dem Dorf sieht man plötzlich eine blanke 500-Meter-Wand vor sich – Autsch! Man schaut voraus und sieht, dass sich die Straße im Zickzack auf ihr nach oben windet.

Col du Tourmalet II

Hinter einem großen Parkplatz verlässt man dann die Zivilisation und fährt in die Wildnis. Hier klettert man ganz für sich allein Kehre um Kehre bergauf und zu weiteren Kletterstrecken mit acht bis neun Prozent Steigung. Bei dem Anstieg geht es immer wieder zur Sache, und je spektakulärer die Szenerie wird, umso brutaler wird die Steigung. Auf dem letzten Kilometer beträgt die durchschnittliche Steigung strapaziöse zehn Prozent. Aber schließlich hat man die kleine Passhöhe erreicht, über der die Statue von Octave Lapize thront. Er war der Erste, der diesen legendären Tour-Berg bewältigte, aber noch bekannter wurde er dadurch, dass er die Organisatoren "Mörder" nannte, weil sie so eine Strecke ausgewählt hatten.

Col d'Aspin I

Am 21. Juli 1910 – dem wohl berüchtigtsten Tag in der Geschichte der Tour de France – führte das Rennen erstmalig über die hohen Pässe der Pyrenäen. Das war die Geburt des Spektakels. Die Tour verlief in Ost-West-Richtung auf Pisten in unaussprechlichem Zustand. Der erste Anstieg auf dem Plan war der Col de Peyresourde, gefolgt von diesem hier: dem Col d'Aspin. Ein Reiseführer beschreibt ihn als einen leichten Pyrenäen-Anstieg, aber dem muss ich widersprechen. "Leicht" und "Pyrenäen" kann man nicht im gleichen Atemzug sagen. Eines schließt das andere aus.

Col d'Aspin II

Allerdings beginnt der Aufstieg recht sanft: Die von adretten überwachsenen Steinmauern gesäumte Straße windet sich zunächst mit einer Steigung von drei bis fünf Prozent aufwärts. Aber so bleibt es nicht. Schon bald quält man sich eine siebenprozentige Steigung hinauf, und dann wird es ganz böse, denn die sieben Prozent werden zu neun Prozent. Auf dem Papier sieht der restliche Anstieg nicht so wild aus – alles unter acht Prozent –, aber in der Realität ist er brutal. Es muss für die Tour-Pioniere hier unglaublich hart gewesen sein, sich mit ihren schweren Rädern über Schotterpisten zur Passhöhe hinaus zu quälen. Und sie hatten noch drei weitere riesige Pässe vor sich.

Col de Portet d'Aspet I

In Anbetracht der offensichtlichen Gefahren ist es ein Wunder, dass in über 100 Jahren nur drei Fahrer während der Tour de France tödlich verunglückt sind: Francisco Cepeda 1935, Tom Simpson 1967 und schließlich Fabio Casartelli 1995 bei der Abfahrt von diesem Pass. Ich habe für den Aufstieg die Seite gewählt, auf der die Tour in jenem tragischen Jahr abfuhr. Von Aspet aus fährt man auf der D5 bei einer moderarten Steigung zur Kreuzung mit der Passstraße D618. Von hier schlängelt sich die Straße mit einigen Abfahrten ab und an durch den Wald. Schließlich erreichen Sie eine kleine Brücke und eine Straßengabelung. Halten Sie sich hier links.

Col de Portet d'Aspet II

Auf einem Schild steht, dass die durchschnittliche Steigung auf den nächsten 4,4 Kilometern höllische 9,7 Prozent beträgt. In der ersten Kurve muss man Gang um Gang herunterschalten und an ihrem Scheitel klettert die Steigung bis auf 20 Prozent. Wenn man aus der Kurve herausgefahren ist, sieht man das eindrucksvolle Casartelli-Denkmal. Der gleißend weiße Marmor mitten im Dunkel des Waldes ruft die Tragödie eindrucksvoll in Erinnerung. Man hat viel Zeit darüber nachzudenken, während man dank der strapaziösen Steigung langsam durch den Wald nach oben kriecht. Erst oberhalb der Bäume nimmt die Steigung etwas ab und ist auf den letzten hundert Metern zur Passhöhe etwas moderater, aber immer noch anstrengend.

Plateau du Beille I

In jüngerer Zeit war der Anstieg auf das Plateau du Beille bei der Tour oft vertreten. Er ist mit einer fast durchgängigen Steigung von acht bis neun Prozent ziemlich deftig. Startpunkt ist Les Cabannes. Vom Zentrum aus hält man sich rechts und schnallt sich besser an, denn die breite Straße führt steil nach oben aus der Stadt. Auf der konsequent nach Süden verlaufenen Route muss man einige größere Kehrenfolgen bewältigen. Nach neun Kilometern begegnet man plötzlich der ersten Strecke mit einer Zehn-Prozent-Steigung. Diese Steigerung um einen einzigen Prozentpunkt genügt, um Sie in Schwierigkeiten zu bringen, also sehen Sie zu, dass Sie so gut wie möglich durchkommen und zur Neun-Prozent-Normalität zurückkehren.

Plateau du Beille II

Ab und zu gibt es flachere Abschnitte, und die Beine können sich vor der nächsten heftigen Steigung etwas erholen. Diese Abschnitte sind so erfrischend wie ein kalter Drink für einen Verdurstenden in der Wüste. Danach ist der Körper wieder fit fürs Weiterklettern. Ein Stück weiter begrüßt Sie ein großes Schild auf dem Plateau, aber Sie sind noch gar nicht oben. Rollen Sie über die große Lichtung, und dann geht es weiter bergauf. Das Finale zieht sich endlos hin. Die Steigung nimmt zwar ab, aber Sie müssen noch kämpfen, bis Sie das riesige Plateau – eine verborgene Welt im Schatten der Berggipfel, den Blicken des Tals unten entzogen – erreicht haben.

Col du Glandon I

Die Abfahrt auf dieser Seite des Glandon hatte ich zuvor schon dreimal gemacht, und ich fand sie jedes Mal schrecklich. Diese gnadenlosen Kurven hinein in Waldgebiete und wieder hinaus sind zermürbend. Ich hoffte, dass ich den Anstieg mehr genießen könnte. Aber weit gefehlt. Bis nach oben sind es gewaltige 20 Kilometer, die auf den ersten vier Kilometern eine mäßige Steigung von unter sieben Prozent haben. Danach geht es auf acht Prozent hoch. Auf halber Strecke kommt eine erholsame Flachstrecke, die 1500 Meter lang ist, und man fragt sich wieder einmal: Hochschalten oder nicht?

Col du Glandon II

Danach klettert die Steigung streckenweise auf neun Prozent. Ich hatte den Anstieg in leichtem Nieselregen begonnen, aber recht bald kam ich in ein Gewitter und sah nichts mehr von der Umgebung. Blitze beleuchteten die Wolkenmasse, die mich umgab, der Donner hallte von den Bergen wider und es regnete immer heftiger. Ich wusste zwar nicht, wie viele Radfahrer jährlich vom Blitz getroffen werden, aber ich wollte keinesfalls dazugehören. Zugleich wollte ich auch nach oben. Und so fuhr ich weiter. Ich hatte noch eine zwei Kilometer lange Strecke mit einer Steigung von zehn Prozent vor mir. 700 Meter vor dem Ziel warf ich das Handtuch. Ich drehte um und floh. Es war die ungemütlichste Abfahrt, die ich jemals erlebt habe.

Col de la Croix de Fer I

Der monströse Anstieg auf den Croix de Fer kann auf drei verschiedenen Strecken in Angriff genommen werden: nach Süden von Saint-Étienne-de-Cuines aus, nach Norden von Rochetaillée aus und noch einmal nach Süden von Saint-Jean-de-Maurienne aus, wobei ich letztere meinem ärgsten Feind nicht zumuten würde. Ich habe die Route nach Norden gewählt. Zu Beginn fährt man im Zickzack am Damm des Lac du Verney entlang. Die zunächst moderate Steigung klettert, sobald man in den Wald kommt, zeitweise auf zehn Prozent. Allerdings ist einem hier auch eine der beiden größeren Zwischenabfahrten der Route gegönnt.

Col de la Croix de Fer II

Auf dem Weg nach oben durchfährt man mehrere Kehrenfolgen. Die letzte ist besonders spektakulär, denn sie führt aus dem Wald hinaus und an die Spitze des atemberaubenden Lac de Grand Maison. Man ist eine Zeit lang so fasziniert von der Schönheit dieses von schneebedeckten Gipfeln umgebenen Sees, dass man Mühe hat, geradeaus zu fahren. Aber fahren Sie nur weiter an dem See entlang, und Sie werden die zweite Zwischenabfahrt erreichen. Danach fährt man durch die ungeschützte Tundra hinauf und an der Abzweigung zum Col de Glandon vorbei und folgt der Straße nach rechts. Dann sehen Sie schon das eiserne Kreuz am Ziel. Es ist zwar aufreibend, hierher zu kommen, aber Sie werden mit dem atemberaubendsten und fantastischsten Blick in den ganzen Alpen belohnt.

Alpe d'Huez I

Alpe d'Huez ist DER Berg für Radfahrer. Obwohl der Anstieg weder der längste noch der steilste noch der schwierigste ist, will ihn jeder machen. In den berühmten 21 Kehren steckt mehr Radsportgeschichte, als ganze Länder vorweisen können. Deshalb sind hier bei Tag und Nacht, bei Regen und Sonnenschein Radfahrer unterwegs. Sobald man Bourg-d'Oisans im flachen und ebenen Tal verlässt, steht einem gleich eine gemeine Kletterpartie bevor. Diese Strecke geht in die Beine, aber noch schlimmer ist, dass Sie auf den nächsten vier hammerharten Kilometern nicht zu Atem kommen werden. Wenn Sie diesen nicht enden wollenden kräftezehrenden Eröffnungsangriff bewältigt haben, werden Ihre Beine um Gnade betteln.

Alpe d'Huez II

Zum Glück werden diese Schreie erhört und die Steigung nimmt ab – zumindest so weit, dass Sie beim Befahren der Kehren in einen angenehmen Rhythmus kommen können. An jeder Kehre steht eine Tafel mit dem Namen eines Siegers dieser Etappe. Diese Tafeln informieren nicht nur über die Tour-Geschichte, sondern wirken auch wie die sprichwörtliche Karotte, der man nachjagt. Sie motivieren dazu, die persönliche Bestzeit herauszufahren. Die Rampe nach der letzten Kehre wird Sie auslaugen, aber Sie müssen noch einen Kilometer weiterfahren. Folgen Sie den Wegweisern durch die Stadt, um über die offizielle Ziellinie zu fahren.

Col de Manse I

Auf diesen kleinen Pass nördlich von Gap führen viele Wege. Die hier beschriebene Route verläuft zunächst auf der N85 Richtung Norden. Das ist übrigens auch die erste Hälfte der Strecke zum Col Bayard. Anfangs muss man eine anstrengende Rampe bewältigen, aber danach ist man auch schon aus der Stadt heraus und gelangt nach einer 90-Grad-Linkskurve in die herrliche provençalische Landschaft. Auf der anschließenden Strecke mit einer Folge von fünf Kehren beträgt die Steigung zumeist moderate sechs Prozent, allerdings unterbrochen von einem einen Kilometer langen Stück mit acht Prozent. Die Straße mit ihren weit ausladenden Kurven bietet Radfahrern exzellente Bedingungen.

Col de Manse II

An der Abzweigung der D944 biegt man rechts ab. Die Steigung lässt sofort nach, es wird sogar kurz eben, bevor sie wieder anzieht und sich sie Straße gemächlich durch die stille Umgebung schlängelt. Auf den letzten drei Kilometern schwankt die Steigung um die Sieben-Prozent-Marke. Etwas steiler wird es kurz vor dem Scheitel, wenn man die letzte Kurve umrundet und das Refuge Napoléon passiert. Wenn Sie den Anstieg geschafft haben, müssen Sie eigentlich noch einen Abstecher zu der Kehre machen, wo Joseba Beloki stürzte und Lance Armstrong "mogelte" und die Straße verließ. Die Kurve liegt am unteren Ende der D314 und ist auf der Karte mit einem "X" markiert.

Pra Loup I

Eine weitere Station auf meiner Tour durch französische Skigebiete in der Nebensaison war das hoch über Barcelonnette gelegene Pra Loup. Da ich kein Skifahrer bin, kenne ich den Saisonbetrieb in den Wintersportorten nicht. Im Sommer sind viele einfach verwaist – Geisterstädte in den Wolken. Aber einige haben sich auch auf die schneefreie Zeit eingestellt und beherbergen dann Mountainbiker, Bergsteiger und andere Abenteurer. So auch Pra Loup. Austragungsort für diesen Anstieg, wie auch für den Col d'Allos und den Col de la Cayolle, ist Barcelonnette. Vom Zentrum fährt man auf der D902 stadtauswärts. Hinter dem Ortsende biegt man rechts auf die D908 ab und etwas später auf die ausgeschilderte D109.

Pra Loup II

Es macht einfach Spaß, die folgende fünf Kilometer lange Strecke hochzuklettern. Die breite Straße hat einen glatten Straßenbelag und vier eindrucksvolle Kurven. Es ist eine ideale Trainingsstrecke, denn die Steigung, die bis auf zehn Prozent klettert, verlangt den Beinmuskeln zwar einiges ab, aber diese steilen Strecken sind nur kurz, sodass man die Reserven nicht zu sehr angreifen muss. Fahren Sie durch den Vorort, Pra Loup 1500, hindurch und im immer dichter werdenden Verkehr ins Zentrum der Stadt bis zur Spitze am hinteren Ende der Einbahn-Ringstraße.

Col d'Allos I

Von Barcelonnette führen zwei Passstraßen über diesen Teil der Alpen: der Col de la Cayolle und der Col d'Allos. Beide Anstiege haben in der Tour eine Rolle gespielt, beide sind 17,5 Kilometer lang. Aber ich musste mich für einen entscheiden. Sobald man die Stadt verlassen hat und an der Abzweigung nach Pra Loup vorbei ist, verengt sich die Straße unvermittelt und führt mitten in die Wildnis. Der gesamte Anstieg ist nicht allzu anstrengend. Die Steigung beträgt überwiegend gemäßigte fünf bis sechs Prozent.

Col d'Allos II

Diese Straße ist ein echtes Wunderwerk des Straßenbaus, und man fragt sich, wie die Erbauer das gemacht haben. Sie schraubt sich eng an den Berghang geschmiegt und stets über dem Abgrund balancierend bergauf. Zuweilen wirkt der schmale Asphaltstreifen, der sich seinen Weg nach oben um Schluchten herum und durch verschlungene Kurven bahnt, als sei er direkt aus dem Felsen herausgehauen. Diese Straße ist nichts für zarte Gemüter! Man hat das Gefühlt, auf dieser stillen Straße durch ein verborgenes, ursprüngliches, von der Zeit vergessenes Land zu fahren. Weiter oben öffnet sich der Blick. Die Passhöhe liegt auf weitem, hügeligem Grasland unterhalt schroffer Felsengipfel.

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insgesamt 13 Beiträge
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1.
dont_think 04.07.2015
Kein empfehlenswertes Buch, was man so sieht. Wenig aussagefähige Bilder, ein britischer Autor, der seine Etappen vermutlich im Auto zurückgelegt hat (bei 100 Anstiegen in 30 Tagen kommen mir Zweifel), der jammert, wenn der Steigungsgradient 10% statt 9% beträgt (erfahrene Toureros wissen: richtig weh tut es erst ab 15%) und eine grobe Grafik (wurde die mit dem C64 erstellt?) der einzelnen Anstiege lassen den Schluss zu, dieses Machwerk ist ein must-have für die Eisdielen-Campa-Fraktion. Da gibt es weit besseres zum Ausdrucken im Netz, zumal sich wohl nur die angesprochene Gruppe BÜCHER in die Taschen Ihrer Merino-Vintage-Trikots steckt.
2.
Sibylle1969 04.07.2015
Ich bin selbst schon einige wenige Tour-de-France-Anstiege mit dem Fahrrad hochgefahren, worauf ich sehr stolz bin. In den Pyrenäen den Col du Tourmalet Westseite von Luz Saint-Sauveur, den Col du Portet d'Aspet Ostseite von Saint-Girons, in den Alpen den Col d'Allos Südseite von Colmars sowie mein ganzer Stolz, den Mont Ventoux Ostseite von Sault. Bei mir ist Ankommen das Ziel, nicht eine bestimmte Geschwindigkeit zu schaffen. Ist man endlich oben, dann ist es ein total tolles Gefühl, es geschafft zu haben.
3. Puy de Dôme
exekias 04.07.2015
Wird aus logistischen und ökologischen Gründen seit 1988 nicht mehr in der TdF gefahren, für mich als Kind und Jugendlicher einer der "mythischen" Berge der Tour, landschaftlich wie die Pyrenäenberge grandios gelegen...Legendär 1964 das Duell Poulidor-Anquetil am Puy de Dôme...
4. Alles relativ!
suplesse 04.07.2015
Auch wenn es eigentlich jeder wissen müsste. Es gibt so viele Faktoren, die eine Rolle spielen, wenn man Berge fährt. Voran die eigen körperliche Konstitution , dann die Geschwindigkeit, Wetterverhältnisse, Material. Ist natürlich leichter mit einem 6kg Rad, anstelle mit einem 30 kg Touringrad incl. Gepäck. Dann kommt es drauf an, was man schon in den Beinen hat. Nochmal extra erwähnt, obwohl es zu den körperlichen Faktoren zählt. Und nicht zuletzt die eigene Psyche. Mal abgesehen von allem hier geschriebenen. Es ist einfach nur geil diese Tourpässe zu fahren, sowohl hoch, als auch runter. Beim Downhill kann ich nur warnen, sich selbst und das Material zu überschätzen. Lieber etwas vorsichtiger, als vielleicht nötig erscheint.
5. Les Alpes d´Huez ist die Krönung
cafe_kehse 04.07.2015
Dieser Anstieg ist das Härteste im Radsport. Die Serpentinen holen alles raus aus einem Sportler, selbst wenn er nicht gedopt ist. Doping ist immer zu berücksichtigen. Der Mensch ist eben nicht dazu gemacht, stundenlang einen Berg hinauf zu fahren. Lassen wir mal die Doping-Problematik außer acht. Den legendärsten Sieg feierte Hennie Kuiper 1977 aus meiner Sicht. Ich habe mir damals als Schüler in Süddeutschland das Rennen live im TV angesehen. Damals hatte das deutsche TV kaum von der Tour de France berichtet, das Schweizer SRG, das wir empfangen konnten, übertrug die Tour de France stundenlang. Es war ein Tag, als Lucien van Impe, der Vorjahressieger der Tour de France, seinen Angriff auf das Gelbe Trikot fuhr. Im Verfolgerfeld waren Thevenet, Zoetemelk, Johanssen und eben Kuiper. van Impe hatte seine Kräfte überschätzt und stürzte in den Straßengraben, rappelte sich wieder auf und wurde von Kuiper, der sich aus der Verfolgergruppe absetzte, überholt, später auch noch von Thevenet. Nach den Serpentinen zeigen sich dann endlich die exclusiven Häuser des Wintersportortes Les Alpes d´Huez mit unübersehbarer Menschenmassen, die am Straßenrand stehen. Kuiper fuhr in einem Spalier von Zuschauern, die ihn anfeuerten. Ich weiß noch, wie er die Ziellinie als Sieger mit einem Kusshandgruß überschritt. Dietrich Thurau im weißen Trikot des besten Neulings, damals blutjunge 22 Jahre alt, stürzte in der letzten Kurve und wurde dennoch in überragender Form damals ca. Zehnter. Der Niederländer Hennie Kuiper war seit damals immer mein Lieblingsradfahrer. Das ist nun 38 Jahre her. Ob damals gedopt wurde? Man kann nur vermuten. Heute kann ich allerdings der Tour de France nichts mehr abgewinnen, es wird einfach zu viel gedopt. Les Alpes d´Huez ist und bleibt aber die Königsetappe.
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Degenkolb und Co.: Die deutschen Tour-Teilnehmer

Die Sieger der Tour de France
Jahr Sieger Land
2014 Vincenzo Nibali Italien
2013 Chris Froome Großbritannien
2012 Bradley Wiggins Großbritannien
2011 Cadel Evans Australien
2010 Andy Schleck Luxemburg
2009 Alberto Contador Spanien
2008 Carlos Sastre Spanien
2007 Alberto Contador Spanien
2006 Óscar Pereiro Spanien
2005 Lance Armstrong* USA
2004 Lance Armstrong* USA
2003 Lance Armstrong* USA
2002 Lance Armstrong* USA
2001 Lance Armstrong* USA
2000 Lance Armstrong * USA
*Aberkannt
Rekordsieger der Tour de France
Sieger Land Titel Zeitraum
Lance Armstrong USA 7* 1999-2005
Miguel Indurain Spanien 5 1991-1995
Bernard Hinault Frankreich 5 1978-1985
Eddy Merckx Belgien 5 1969-1974
Jacques Anquetil Frankreich 5 1957-1964
Greg LeMond USA 3 1986-1990
Louison Bobet Frankreich 3 1953-1955
Philippe Thys Belgien 3 1913-1920
*alle Titel wegen Dopings aberkannt


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