Bergetappen der Tour de France: Dicke Luft in der Höhe

Von Steffen Müller

Für die Zuschauer sind sie ein Genuss, für die Fahrer eine Qual: Bergetappen bei der Tour de France. In den Alpen und den Pyrenäen wurde Tour-Geschichte geschrieben. SPIEGEL ONLINE erinnert an außergewöhnliche Rennen im Gebirge bei der Frankreich-Rundfahrt.

Bergetappen der Tour de France: Einbrüche, Defekte und Fair Play Fotos
AP

Die 15. Etappe der Tour de France 2003 war eine der saubersten Stunden des Doping-geplagten Radsports. Lance Armstrongs Teamchef Johan Bruyneel attestierte Jan Ullrich die Einstellung eines Champions, von der Deutschen Olympischen Gesellschaft wurde er mit der Fairplay-Plakette ausgezeichnet, die Sportwelt verneigte sich vor Ullrich.

Im Schlussanstieg nach Luz-Ardiden verfing sich Armstrong mit seinem Lenker in der Plastiktüte eines Zuschauers und kam zu Fall. Ullrich, der in der Gesamtwertung nur 15 Sekunden hinter dem US-Amerikaner lag, wartete, bis Armstrong den Anschluss wieder hergestellt hatte. Angestachelt von seinem Missgeschick startete Armstrong, nachdem er wieder aufgeschlossen hatte, seine stärkste Attacke bei der Tour 2003. Ullrich konnte nicht mithalten und verlor viel Zeit im Kampf um das Gelbe Trikot. Im Ziel hatte der Deutsche 40 Sekunden Rückstand.

"Armstrong hat nach einer großen Vorführung seiner Kraft den Sieg errungen. Der wahre Held ist aber Ullrich, der stehenblieb, als der Amerikaner stürzte. Ullrich hat keine Sekunde gezweifelt und wie ein großer Sportler reagiert," schrieb die spanische Zeitung "El Mundo".

Contador als Gegenpart zu Ullrich

Ein zweites großes Duell am Berg verlief weniger fair: Auf der 15. Etappe der Tour de France 2010 attackierte Alberto Contador beim Anstieg auf den Port de Balès just in dem Moment, als sein Kontrahent Andy Schleck mit einem technischen Defekt zurückfiel. Auf der 20 Kilometer langen Abfahrt nach Bagnères-de-Luchon konnte der Spanier 39 Sekunden Vorsprung herausfahren. Zwar entschuldigte Contador sich bei Schleck, den Ausgang der Tour hatte er mit seinem unsportlichen Angriff jedoch zu seinen Gunsten vorentschieden.

Contadors Vorsprung im Ziel reichte, um in das Gelbe Trikot zu schlüpfen und es bis nach Paris zu verteidigen - vorerst. Im Blut des Toursiegers wurde das Dopingmittel Clenbuterol nachgewiesen, Schleck der Titel im Nachhinein zugesprochen.

Armstrong gegen Ullrich, Contador gegen Schleck: Nur zwei von vielen großen Duellen in den Bergen. Der Zweikampf zwischen Jacques Anquetil und Raymond Poulidor am Puy de Dôme, Luis Ocañas beeindruckende Solofahrt, das Ende der Ära Induráin - SPIEGEL ONLINE blickt auf außergewöhnliche Bergetappen zurück.

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1. Naja...
jimp 12.07.2012
...die Situationen sind nicht wirklich vergleichbar. Armstrong ist mehr oder weniger unverschuldet gestürzt, während Schleck attackiert und sich dabei verschalten hat. Wie hat Ryder Hesjedal zu dieser Situation so treffend gesagt: "If you draw your sword and you drop it, you die."
2. wie ist das eigentlich?
surfer200 12.07.2012
Wenn Amstrong alle Titel aberkannt werden, wird Ullrich zum vierfachen Toursiger, denn er war dreimal Zweiter hinter Armstrong.
3. Richtig.
chico 76 12.07.2012
Zitat von jimp...die Situationen sind nicht wirklich vergleichbar. Armstrong ist mehr oder weniger unverschuldet gestürzt, während Schleck attackiert und sich dabei verschalten hat. Wie hat Ryder Hesjedal zu dieser Situation so treffend gesagt: "If you draw your sword and you drop it, you die."
Bergetappen sind das Salz in der Suppe, bei der TdF ohnehin. Die besten Radfahrer der Welt liefern sich unvergessliche Duelle, mit selten vorhersehbarem Ergebnis. Spannender und härter kann Sport kaum sein, trotz der oft unsportlichen Begleiterscheinungen ( Doping ). Mein Eindruck, es hat sich schon reduziert, die Kontrollmechanismen greifen.Ausnahmen bestätigen die Regel.
4. Sehe ich auch so
Ostwestfale 12.07.2012
Zitat von chico 76Bergetappen sind das Salz in der Suppe, bei der TdF ohnehin. Die besten Radfahrer der Welt liefern sich unvergessliche Duelle, mit selten vorhersehbarem Ergebnis. Spannender und härter kann Sport kaum sein, trotz der oft unsportlichen Begleiterscheinungen ( Doping ). Mein Eindruck, es hat sich schon reduziert, die Kontrollmechanismen greifen.Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ich stimme Ihnen zu. Die letzte Tour de France ließ jedem radsportfan das Herz aufgehen: Die Topfahrer sind wieder wie Menschen gefahren und jeder hatte beispielsweise einen schwachen Tag, was in drei Wochen normal ist. Die Maximalleistungen (Wattzahlen, Zeiten in den Zeitfahren, in den Anstiegen) sind in den letzten 3-4 Jahren deutlich zurückgegangen.Das zeigt, dass das Kontrollsystem funktioniert. Mann kann das Peloton endlich wieder in reine Bergfahrer, Zeitfahrer, Klassementfahrer, Sprinter etc einteilen. Sorge macht mir allerdins die aktuelle Tour. Ich hoffe sehr, dass Fahrer wie Nibali oder Schleck Wiggins in den ganz hohen Bergen abhängen, denn wenn er sich nicht abhängen lassen sollte würde das für einen deutlichen Vorsprung beim Doping für Wiggins sprechen. Denn er ist mit 1,90 und ca 75 Kilo eigentlich viel zu schwer und zu groß für einen guten Gebirgsfahrer.
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Tour-Sieger der Bergwertung
Jahr Sieger Land
2011 Samuel Sánchez Spanien
2010 Anthony Charteau Frankreich
2009 Franco Pellizotti Italien
2008 Bernhard Kohl Österreich
2007 Maurice Soler Kolumbien
2006 Michael Rasmussen Dänemark
2005 Michael Rasmussen Dänemark
2004 Richard Virenque Frankreich
2003 Richard Virenque Frankreich
2002 Laurent Jalabert Frankreich
2001 Laurent Jalabert Frankreich
2000 Santiago Botero Kolumbien

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