Von Steffen Müller
Hamburg - Andy Schleck war zuversichtlich. Der Luxemburger hatte bei der letztjährigen Tour de France gerade das Gelbe Trikot übernommen, er hatte sich auf der schweren Bergetappe hinauf nach Alpe d'Huez behauptet. Zwei Etappen vor dem Ende der Frankreich-Rundfahrt glaubte Schleck, der Gesamtsieg sei ihm nicht mehr zu nehmen. "Meine Beine sind gut, meine Motivation ist super. Ich bin zuversichtlich, das Trikot bis Paris zu behalten", sagte er.
53 Sekunden lag er vor seinem Bruder Fränk, 57 vor Cadel Evans. Andy Schleck fühlte sich sicher - doch es sollte anders kommen. Am folgenden Tag stand das 42,5 Kilometer lange Einzelzeitfahren in Grenoble auf dem Programm. Und Evans trumpfte in seiner Paradedisziplin auf, fuhr in 58:13 Minuten die zweitschnellste Tageszeit. Vor allem fuhr er aber 2:33 Minuten schneller als Andy Schleck. Evans hatte die Tour de France gewonnen - im Zeitfahren.
Und der Australier war nicht der erste Fahrer, der dank seiner Qualitäten im Kampf gegen die Uhr die Frankreich-Rundfahrt für sich entschied. Miguel Induráin triumphierte in Paris fünfmal in Folge, ohne eine einzige Bergetappe für sich entschieden zu haben. Den Vorsprung, den sich der Spanier in den Einzelzeitfahren herausfuhr, konnte er von 1991 bis 1995 stets bis nach Paris retten.
Wiggins ist 2012 der Zeitfahr-Favorit
2012 gilt Bradley Wiggins als Favorit auf den Gesamtsieg. Nicht weil er der beste Bergfahrer ist, sondern aufgrund seiner Stärke im Zeitfahren. Am Samstag eroberte der Brite nach einer starken Leistung seines Sky-Teams bereits das Gelbe Trikot.
Am Montag auf der 41,5 Kilometer langen Strecke von Arc-et-Senans nach Besançon (9.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) muss der 32-Jährige, der in der Gesamtwertung zehn Sekunden vor Titelverteidiger Evans liegt, nun dem Druck und den Erwartungen standhalten. Nur so kann Wiggins das "Maillot Jaune" verteidigen.
Sollte Wiggins die Tour gewinnen, hätte sich ein starker Zeitfahrer durchgesetzt. Nicht zum ersten Mal. Das Acht-Sekunden-Drama 1989, der "Kannibale" Eddy Merckx und ein Führungswechsel auf der letzten Etappe sind unvergessen: Die außergewöhnlichsten Zeitfahren und Zeitfahrer finden Sie hier.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Sport | Twitter | RSS |
| alles zum Thema Tour de France | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH