Dopingverdächtiger Schleck: Getestet - und vergiftet?
Die Tour de France hat ihre erste große Story - allerdings keine sportliche. Mit Fränk Schleck hat die Frankreich-Rundfahrt womöglich einen prominenten Dopingfall. Es ist nicht das erste Mal, dass der Luxemburger verdächtigt wird. Sollte ihn die B-Probe entlarven, hat er schon eine Erklärung parat.
Ruhetag ist bei der diesjährigen Tour de France der Tag der Dopingmeldungen. Und nach dem Franzosen Rémy Di Gregorio steht dieses Mal ein besonders prominenter Name im Rampenlicht: Fränk Schleck. Der Radsportweltverband UCI ließ am Dienstagabend mitteilen: Schleck sei auf eine verbotene Substanz getestet worden. Eine Urinprobe vom 14. Juli beinhaltete das Diuretikum Xipamid. Dieses könne auch als Maskierungsmittel verwendet werden - andere Dopingsubstanzen seien dann möglicherweise nicht mehr nachweisbar.
Mehr als 100 Journalisten versammelten sich nach Bekanntwerden des Falls noch am Abend vor dem Eingangstor des Hotels "Villa Navarre", der Unterkunft von Schlecks RadioShack-Mannschaft. Das Team saß noch beim Abendessen, ließ sich in seiner Vorbereitung auf die kommenden Pyrenäen-Etappen scheinbar nicht stören. Für Schleck hingegen war die Tour zu diesem Zeitpunkt bereits beendet.
Auf einer Polizeistation in Pau musste der Luxemburger Fragen beantworten, die ihm sicher nicht gefielen. Gegen 19 Uhr sollen UCI-Offizielle ihn über die positive A-Probe informiert haben. Da in Frankreich ein staatliches Anti-Doping-Gesetz existiert, stellte sich Schleck anschließend der französischen Polizei zum Verhör, parallel dazu wurde sein Zimmer im Hotel durchsucht.
Fall Schleck erinnert an den Fall Kolobnev im vergangenen Jahr
Kurz nach 22 Uhr trat dann der Pressesprecher von RadioShack, Philipp Maertens, vor die Journalisten und teilte mit: Fränk Schleck würde die Tour de France verlassen. Er sei nicht suspendiert, da ohne ein positive B-Probe noch nicht von einem Dopingfall gesprochen werden könne. Maertens zog noch den Vergleich zum einzigen Dopingfall der Tour de France 2011: Alexander Kolobnev. Auch der Russe war positiv auf ein Diuretikum getestet worden.
"Diuretika werden im Radsport dazu benutzt, andere Präparate aus dem Körper zu spülen", sagte Helge Riepenhof, Teamarzt bei Omega Pharma-Quick Step, am Abend der Deutschen Presseagentur: "Die Gabe ist ansonsten kontraproduktiv, weil Diuretika dem Körper Flüssigkeiten entziehen und damit Minerale."
Name Schleck stand einst auf der Fuentes-Liste
Auch die UCI schien sich an den Fall Kolobnev erinnert zu haben. Die UCI-Pressemitteilung vom ersten Ruhetag der Tour de France 2011 glich bis aufs Haar der Schleck-Meldung am Dienstag, allein die Namen wurden angepasst. Der Fall Kolobnev beschäftigte den Radsportweltverband noch lange nach der Tour. Der russische Verband akzeptierte damals keine Sperre. Der Fall ging vor den Internationalen Sportgerichtshof Cas, wo Kolobnev nur zu einer Geldstrafe verurteilt wurde.
Ob sich die Fälle wirklich gleichen, muss jetzt geprüft werden. Zunächst bleiben Schleck vier Tage Zeit, um die Öffnung der B-Probe zu beantragen - und das wird er nach eigener Aussage tun. Ist diese ebenfalls positiv, kann von einem Dopingfall gesprochen werden. Dann wird der Fall an den luxemburgischen Verband übergeben, der über das Strafmaß urteilen muss.
Es ist nicht die erste Dopingverdächtigung, die Schleck betrifft. Auch er soll unter dem Namen "Amigo de Birillo" auf der Liste des Madrider Arztes Eufemiano Fuentes gestanden haben. Sein damaliger CSC-Kapitän Ivan Basso bestätigte seinen eigenen Decknamen "Birillo" und wurde Ende 2007 für zwei Jahre gesperrt. Schleck gab damals lediglich bekannt, dass er eine Überweisung an den spanischen Sportmediziner getätigt hätte - für eine Trainingsberatung.
Für das Team RadioShack wird diese 99. Tour de France langsam zum Fiasko. Vor Tourbeginn zog sich bereits Teammanager Johan Bruyneel zurück, nachdem er von der amerikanische Anti-Doping Behörde Usada gemeinsam mit Tour-Rekordsieger Lance Armstrong und vier weiteren Personen wegen Dopinghandels angeklagt wurde. Anschließend wurden Meldungen um finanzielle Schwierigkeiten und ausstehende Gehälter publik. Nachdem Fabian Cancellara für sieben Tage das Gelbe Trikot erobern konnte, läuft es sportlich ebenfalls nicht mehr rund. Und nun auch noch der Fall Schleck.
Der kehrte am Abend nicht mehr ins Mannschaftshotel zurück, war auch telefonisch für ein Statement nicht erreichbar. Erst am Mittwochmorgen teilte der Radprofi mit, dass er kategorisch ausschließen könne, die Substanz genommen zu haben und keine Erklärung für das Testergebnis habe. "Falls die B-Probe positiv sein sollte, werde ich argumentieren, dass ich vergiftet wurde", so Schleck.
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| Die Sieger der Tour de France | ||
| Jahr | Sieger | Land |
| 2012 | Bradley Wiggins | Großbritannien |
| 2011 | Cadel Evans | Australien |
| 2010 | Andy Schleck | Luxemburg |
| 2009 | Alberto Contador | Spanien |
| 2008 | Carlos Sastre | Spanien |
| 2007 | Alberto Contador | Spanien |
| 2006 | Óscar Pereiro | Spanien |
| 2005 | Lance Armstrong* | USA |
| 2004 | Lance Armstrong* | USA |
| 2003 | Lance Armstrong* | USA |
| 2002 | Lance Armstrong* | USA |
| 2001 | Lance Armstrong* | USA |
| 2000 | Lance Armstrong * | USA |
| *Aberkannt | ||
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