Geraint Thomas vor Tour-Sieg Ein Mann sieht Gelb

Alle Angriffe abgewehrt: Geraint Thomas ist der Gesamtsieg bei der Tour de France kaum noch zu nehmen. Sprint-Star Peter Sagan erlebte auf der letzten Bergetappe den härtesten Tag seiner Karriere.

Geraint Thomas
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Geraint Thomas

Von Eike Hagen Hoppmann


Die Tagesthemen: Tom Dumoulin versuchte es noch einmal mit Attacken - aber Geraint Thomas hing wie ein Magnet an seinem Hinterrad. Der Träger des Gelben Trikots konnte die Angriffe seines größten Konkurrenten im Kampf um den Gesamtsieg bei der 105. Tour de France abwehren und geht mit einem Vorsprung von über zwei Minuten ins Einzelzeitfahren am Samstag. Anders ist die Lage bei seinem Teamkollegen: Chris Froome hatte erneut Probleme und verlor seinen dritten Platz in der Gesamtwertung an den Slowenen Primoz Roglic. Froome muss beim Zeitfahren angreifen - sonst könnte er nach drei Gesamtsiegen in Folge sogar das Podium verpassen.

Das Ergebnis: Der engste Favoritenkreis machte sich gemeinsam auf die Schlussabfahrt. Hier konnte Roglic einen 19-sekündigen Vorsprung auf die Konkurrenz herausfahren und die Etappe gewinnen. Hier geht es zum Rennbericht.

Die Etappe: Zum letzten Mal ging es bei dieser Tour ins Hochgebirge - und mit dem Tourmalet mussten die Fahrer einen der berühmtesten und anspruchsvollsten Berge in der Geschichte der Rundfahrt überqueren.

Der Co-Kommentator: Normalerweise hört und sieht man ihn abends um 22.15 Uhr in der ARD, nun war er schon ein paar Stunden früher im Einsatz. Wie bereits am Vortag saß "Tagesthemen"-Moderator Ingo Zamperoni neben Florian Naß als Co-Kommentator am Mikrofon - und erfüllte sich damit einen Traum. Wenn die ARD für ihr Nachrichtenmagazin in Zukunft lieber auf Pinar Atalay setzt, kann man sich Zamperoni am Tour-Mikrofon ganz gut vorstellen.

Die letzte Chance: Die Etappe bot noch einmal die Gelegenheit für die Fahrer, sich im Gesamtklassement zu verbessern. Das wollten viele nutzen: Am Anstieg zum Tourmalet attackierte Mikel Landa gemeinsam mit Romain Bardet und Ilnur Zakarin. Zwischenzeitlich fuhren sie einen Vorsprung von über zwei Minuten auf die anderen Klassementfahrer heraus. Virtuell hatte Landa in der Gesamtwertung Froome und Dumoulin überholt und war als Zweiter auf Podiumskurs. Die Gruppe der Favoriten um Thomas fuhr die Lücke am letzten Anstieg allerdings wieder zu.

Wie gewonnen, so zerronnen: Am Mittwoch hatte Nairo Quintana in den Pyrenäen noch geglänzt und den Etappensieg geholt. Zwei Tage später erlebte der Kolumbianer einen Einbruch und kam mit über sieben Minuten Rückstand auf Tagessieger Roglic ins Ziel. Damit fiel er in der Gesamtwertung wieder auf Rang neun zurück. Beim Zeitfahrern dürfte Quintana weiter an Boden verlieren. Der eigentliche Siegeskandidat könnte sogar noch einen Platz unter den besten zehn verpassen.

Der Bergkönig: Er war vor der Tour nicht der allererste Kandidat auf das gepunktete Trikot des besten Bergfahrers, aber Julian Alaphilippe hat sich die Auszeichnung über drei Wochen verdient. Zwei Etappen gewann er im Hochgebirge, fast jeden Tag war er (zumindest für ein paar Kilometer) in der Ausreißergruppe zu finden. So baute Alaphilippe den Vorsprung auf seinen größten Konkurrenten Warren Barguil Punkt um Punkt aus. Auch während der 19. Etappe fuhr er zeitweise an der Spitze des Feldes, sammelte weitere Punkte und hat das Bergtrikot nun auch rechnerisch sicher. Alaphilippe war der wohl aktivste Fahrer des Pelotons - und ist eins der Gesichter dieser Tour.

Sein härtester Tag: Schon beim gestrigen Massensprint war Peter Sagan anzumerken, dass ihn der Sturz auf der Etappe am Mittwoch schwer zugesetzt hat. In den Bergen hatte er nun noch einmal deutlich größere Probleme und fiel früh aus dem Hauptfeld zurück. Aber Sagan hat ja noch ein Ziel: In Paris ankommen, um das Grüne Trikot zu bekommen. Also kämpfte er. "Er hat mir erzählt, dass er sehr leidet", sagte Boras Sportdirektor Patxi Villa dem französischen Fernsehen. "Für Peter ist es der härteste Tag seiner bisherigen Radsportkarriere." Aber Sagan schafft es mit dem Grupetto im Zeitlimit ins Ziel. Der Gang war anschließend aber ziemlich unsicher:

Der (vor)letzte Akt: Die Entscheidung über den Toursieg fällt nun beim 31 Kilometer langen Einzelzeitfahren. Disziplin-Weltmeister Dumoulin könnte hier noch ein paar Sekunden auf Thomas gutmachen - um zwei Minuten aufzuholen, müsste Thomas aber schon einen gewaltigen Einbruch erleben. Auf der abschließenden Flachetappe in Richtung Paris ändert sich in der Gesamtwertung dann traditionell nichts mehr. So konnte Thomas bei der Siegerehrung am Freitag schon ein recht gesamtsiegessicheres Lächeln präsentieren.



insgesamt 2 Beiträge
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fatal.justice 28.07.2018
1. Und!
Der Märchenonkeltitel geht dieses Jahr an Geraint Thomas! Radeln kann er - das wars auch schon. Bislang lernte ich keine andere Sportart kennen, die dermaßen tot ist. Gewichtheben ist dagegen blütenweiß.
gurkentruppe 28.07.2018
2. Gääähn...
die ewige Dopinglitanei nervt. Wenn die Sportart so tot wäre, stünden nicht bei jeder Etappe Hunderttausende am Rand. Aber Kollege fatal.justice kann ja Fußball gucken - da wird ja bestimmt nicht gedopt...
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