Tour de France: Voigt fährt mit angeknackster Rippe, Bruyneel räumt Rad-Verkauf ein

Jens Voigt beißt bei der Tour de France wieder mal auf die Zähne und fährt auch nach seinem schweren Sturz vom Dienstag weiter. Armstrong-Intimus Johan Bruyneel hat den Verkauf von Rädern über Ebay eingeräumt. Der Erlös sei aber nicht für Dopingmittel verwendet worden.

Saxo-Bank-Profi Voigt: Tour-Fortsetzung unter Schmerzen Zur Großansicht
dpa

Saxo-Bank-Profi Voigt: Tour-Fortsetzung unter Schmerzen

Hamburg - Der Deutsche Jens Voigt setzt die 97. Tour de France trotz des Verdachts auf Rippenbruch fort. "Ich weiß nicht, ob meine Rippen gebrochen oder geprellt sind. Man kann das sowieso nicht behandeln. Ich bin gegen Röntgen, das ist Radioaktivität", erklärte der 38-Jährige am zweiten Tour-Ruhetag in Pau, nachdem er am Vortag bei der 16. Etappe bereits nach elf Kilometern bei der Abfahrt vom Peyresourde gestürzt war.

Dabei zog sich der Andy-Schleck-Helfer Schürfwunden am gesamten Körper zu: "Ich habe 30 Verletzungen gezählt." Im Hotel nach Ende der 16. Etappe wurde eine tiefe Fleischwunde am linken Unterarm mit fünf Stichen genäht. "Es sind nur noch ein paar Tage - ich halte bis Paris durch", sagte Voigt am Mittwoch.

Im Vorjahr hatte er noch schlimmere Sturz-Erfahrungen machen müssen, als er sich schwere Gesichtsverletzungen zugezogen hatte und vor dem Karriereende stand. "Natürlich habe ich gleich an meinen Sturz von 2009 denken müssen. Aber diesmal habe ich mich verbessert: Ich kann weiterfahren", sagte Voigt, der als deutscher Rekordhalter in dieser Beziehung seine 13. Tour bestreitet.

Johan Bruyneel hat zugegeben, als Teamchef von Discovery Channel Räder der Mannschaft verkauft zu haben. Der jahrzehntelange Lance-Armstrong-Vertraute wisse aber nicht, wohin der Erlös der über Ebay verkauften Räder geflossen sei. Bruyneel reagierte damit auf die Vorwürfe seines ehemaligen Fahrers Floyd Landis, der bei seinem Dopinggeständnis behauptet hatte, dass mit dem Verkauf von mehr als 60 US-Postal-Rennmaschinen das Dopingprogramm des von Steuergeldern lebenden Teams finanziert worden sei.

Der jetzige RadioShack-Teamchef Bruyneel sagte dagegen, dass die Räder verkauft worden seien, nachdem der Nachfolgesponsor von US-Postal, der TV-Sender Discovery Channel, sein Engagement nach der Saison 2007 beendet habe. "Wenn Floyd von 60 verschwundenen Rädern berichtet, dann habe ich absolut keine Ahnung, wo er das her hat." Die Räder mit einem Einzelwert von rund 7000 Euro seien Team-Eigentum gewesen. Der Hersteller Trek sei über die Weitergabe informiert worden. Der Radproduzent aus den USA hat jede Kenntnis über die von Landis erwähnten angeblichen Dopingprogramme bestritten.

Der Dopingskandal, in den unter anderem der italienische Radprofi Alessandro Petacchi geraten ist, zieht Kreise. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Zusammenhang gegen zwei weitere Radprofis, Lorenzo Bernucci und Marco Velo. Letzterer hat bereits jegliche Verwicklung in die Affäre bestritten. Das berichtete die italienische "Gazzetta dello Sport" am Mittwoch. Im April hatte die Polizei die Wohnung des Lampre-Profis Bernucci in der Toskana durchsucht. Bei dem ehemaligen T-Mobile-Fahrer wurden verschiedene Medikamente sichergestellt, darunter Blutverdünner und Appetitzügler. Nach Mitteilung von Lampre-Teamarzt Carlo Guardascione seien die Präparate für Bernuccis Bruder und seine Ehefrau bestimmt gewesen.

Obwohl die italienische Justiz bereits Ermittlungen gegen Petacchi eingeleitet hat, bleibt das Team Lampre seinem Star treu. "Wir beteuern unser Vertrauen in Petacchi, der seinen vollen Willen zur Klärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe bewiesen hat", heißt es in einem offiziellen Statement. Lampre hatte über die Medien von den Ermittlungen gegen Petacchi erfahren, der beschuldigt wird, verbotene Substanzen eingenommen zu haben. Das Team habe sich daraufhin mit dem Fahrer in Verbindung gesetzt, der zurzeit an der Tour de France teilnimmt.

aha/dpa/sid

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Tour de France 2010 - wer setzt sich durch?
insgesamt 397 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. ..
wielkizbigniew 15.07.2010
Leider wird sich Contador wohl wieder durchsetzen. Die Zeitfahrqualitäten seines einzigen Konkurrenten Schleck sind leider zu schlecht. Zudem ist das Team um Contador sehr gut besetzt. Ich hatte ja auch wieder auf Evans gehofft, aber mit gebrochenem Arm kann sogar der tapfere Evans nicht dagegenhalten. Tipp: 1.Contador 2.Schleck 3.Mentschow
2. ...
MadMad 16.07.2010
Zitat von sysopHerausforderer Andy Schleck und Titelverteidiger Alberto Contador scheinen den Sieg bei der 97. Tour de France unter sich auszumachen. Oder gibt es andere Fahrer, die noch in den Kampf um das Gelbe Trikot eingreifen können? Was ist noch von Rekordsieger Lance Armstrong zu erwarten?
Die Frage ist doch nicht "Wer setzt sich durch", sondern "Wen interessiert es" ? Wer sich nicht explizit informiert bekommt doch fast gar nichts mehr mit. Die Gründe dafür sind natürlich klar und werden die Tour noch mehrere Jahre begleiten.
3.
Brettschneider 16.07.2010
Zitat von wielkizbigniewLeider wird sich Contador wohl wieder durchsetzen. Die Zeitfahrqualitäten seines einzigen Konkurrenten Schleck sind leider zu schlecht. Zudem ist das Team um Contador sehr gut besetzt. Ich hatte ja auch wieder auf Evans gehofft, aber mit gebrochenem Arm kann sogar der tapfere Evans nicht dagegenhalten. Tipp: 1.Contador 2.Schleck 3.Mentschow
Mich erinnert das große Duell bei dieser Tour stark an den Zweikampf zwischen Contador und Rasmussen bei der Tour 2007. Hoffentlich dürfen wir das Spektakel diesmal zuende sehen. Wirklich schade, dass Evans aus dem Rennen um die Gesamtwertung ist. Zwar hätte ich nicht unbedingt den Sieg von ihm erwartet, aber sein unaufholbarer Rückstand macht es Contador viel leichter, sich auf die restlichen Mitfavoriten zu konzentrieren. Eigentlich sind es außer Contador nur noch 3 Fahrer, die sich mehr oder weniger ernsthafte Chancen auf den Tour-Sieg ausrechnen können. Neben Schleck noch Mentschow und S. Sanchez. Leipheimer stellt zumindest in den Bergen keine echte Gefahr mehr dar. Und bei fast 4 Minuten Rückstand reicht sein beachtliches Zeitfahr-Können nicht. Von den Broeck ist bisher für mich die Überraschung bei der diesjährigen Tour. Zeitfahren kann er auch - immerhin war er Juniorenweltmeister. Aber wie fit er in der 3. Tour-Woche noch ist, dahinter steht ein großes Fragezeichen. Normalerweise muss sich Contador nur noch an Schlecks Hinterrad klemmen, dann kann ihm nichts mehr passieren. Als die Meute noch unübersichtlicher war, konnte es schon passieren, dass der Spanier mal ein paar Sekunden von Schleck aufgebrummt kriegt. Bleibt es aber bei den 41 Sekunden Rückstand vor dem Zeitfahren, dann müsste er sich aller Voraussicht nach dort das Gelbe Trikot holen. Am Rande erwähnt: Dann hätte es seit der Operation Puerto nur noch spanische Tour-Sieger gegeben. Welch ein dreister Coup..... Vor allem, wenn man die unheimliche Dominanz der Sportnation Spanien in den populärsten Sportarten betrachtet: Fußball, Tennis, Radsport, Motorsport. Aber erstmal muss Contador seinen dritten Tour-Sieg schaffen. Auch er galt vor seinem ersten Sieg als schwacher Zeitfahrer, weshalb damals von Evans erwartet wurde, sich im ZF am vorletzten Tag das Gelbe Trikot zu holen. Contador wuchs über sich hinaus und ließ etliche ZF-Spezialisten hinter sich. Inzwischen gehört er in dieser Disziplin beständig zu den Weltbesten. Warum sollte Schleck nicht Ähnliches gelingen? Immerhin heißt sein Sportlicher Leiter Bjarne Riis. Hat er noch einen Trumpf im Ärmel?
4. Sport - Tour de France - wer setzt sich durch?
Helidorst 16.07.2010
Die Euro-Sport-Moderatoren haben es geschafft, mit ihren Live-Übertragungen viele Tour-Fans wieder für den härtesten Sport zu begeistern. Dagegen sind die Sendungen von ZDF und ARD total lahm.--Trotz der Hitzerekorde, die in den französischen Hochalpen bis GAP und weiter darüber hinaus den Fahrern fast Unmenschliches abverlangten, sind es gerade die neu hinzugekommenen Radsportler, die zeigen, wieviel Durchhaltungswillen in diesem Sport vorhanden ist. Da keine Sportart auch nur annähernd so intensiv nach Dopingvergehen überprüft wird, kann man davon ausgehen, dass solch zähe Arbeiter wie Sebastian Fischer, der schuftet für fünf und auch die jungen Franzosen weiterhin zum Zuge kommen.--Trotzdem verstehe ich nach wie vor nicht, dass Dopingsünder wie Winokurow und auch der Team-Manager Rolf Aldag und noch viele der älteren Dopingsünder mitfahren, so, als sei nichts gewesen.--Die Hubschrauberaufnahmen der wilden Berglandschaften allerdings sind unübertrefflich schön. So lernt man die Landschaften intensiv kennen.--Helidorst
5. .
raka 16.07.2010
Zitat von HelidorstTour de France 2010 - wer setzt sich durch?
Natürlich der, der am besten gedopt hat, wie immer. Jetzt wird die Tour wieder gefeiert, demnächst, nach dem nächsten Doping-Skandal, wird sie wieder verdammt. Und der nächste Doping-Skandal kommt, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles zum Thema Tour de France 2010
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Tour-Etappensieger: Von Cancellara bis Cavendish

Tour-de-France-Quiz
AFP
Ab aufs Rad: Die Tour de France läuft. Wissen Sie noch, wer die meisten Siege verbuchen konnte, wo die brutalsten Bergetappen lauern, und wer "Mr. 60 Prozent" ist? Testen Sie Ihr Tour-Wissen im SPIEGEL-ONLINE-Quiz!