Erste Bergankunft bei der Tour: Zweikampf ums Gelbe Trikot

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Die siebte Etappe der 99. Tour de France war der Tag der Top-Favoriten: Bradley Wiggins hat das Gelbe Trikot knapp vor Titelverteidiger Cadel Evans erobert. Das Rennen um den Gesamtsieg wird damit zum Zweikampf.

99. Tour de France: Zweikampf durch Frankreich Fotos
AFP

Hamburg - Die Zeit des Verstecksspiels bei der diesjährigen Tour de France ist vorbei: Erstmals bei der Rundfahrt mussten die Favoriten zeigen, in welcher Form sie wirklich sind. Auf der siebten Etappe stand eine Bergankunft der ersten Kategorie auf dem Programm. Aus dem Kräftemessen sind vor allem zwei Fahrer gestärkt hervorgegangen: Der Brite Bradley Wiggins und Vorjahressieger Cadel Evans.

Das dürfte besonders Marcus Ljungqvist, dem sportlichen Leiter des Sky-Teams, gefallen haben. Sein Fahrer Wiggins und die Mannschaft boten eine Demonstration der eigenen Stärke. Nach 199 Kilometern rollte zudem Sky-Profi Christopher Froome als Erster über die Ziellinie in La Planche des Belles Filles und eroberte so das gepunktete Bergtrikot.

Der Erfolg des Edelhelfers dürfte für Ljungqvist aber nur ein Bonus gewesen sein. Kurz hinter dem Tagessieger kam Wiggins ins Ziel. Der Brite hat seine Favoritenrolle, die ihm schon vor dem Prolog von vielen Experten zugesprochen worden war, eindrucksvoll bestätigt. Locker fuhr der frühere Bahnspezialist in der Spitze mit. Da machte es auch nichts, dass sein größter Konkurrent, der australische Vorjahresieger Cadel Evans vom BMC-Team, als Zweiter knapp vor Wiggins ins Ziel kam.

"Ich wollte im Sattel sitzen bleiben"

Das Gelbe Trikot des Gesamtführenden fiel dem 32-Jährigen zu, obwohl es ihm und seiner Mannschaft ausreichte, das Feld von der Spitze aus zu kontrollieren. Der bisherige Träger Fabian Cancellara konnte nicht mithalten, galt aber ohnehin nicht als Anwärter auf den Gesamtsieg.

"Ich wollte im Sattel sitzen bleiben und keine Zeit auf Cadel verlieren. Es war nicht notwendig, heute etwas Außergewöhnliches zu produzieren", sagte Wiggins nach der Etappe selbstbewusst. Er führt das Klassement nun mit zehn Sekunden Vorsprung auf Evans und 16 Sekunden auf den Italiener Vincenzo Nibali von Liquigas an.

Vieles spricht dafür, dass Wiggins das Gelbe Trikot bis Paris nicht mehr abgeben könnte. Vor allem seine starke Sky-Mannschaft ist ein Rückhalt für den Kapitän - vielleicht der entscheidende im Vergleich mit Evans`BMC-Team. Denn im Finale hinauf nach La Planche des Belles Filles war der Australier fast auf sich alleine gestellt. Wiggins wurde dagegen bis zum Schluss von Froome unterstützt.

Andreas Klöden verliert Zeit

Die restliche Konkurrenz zeigte, dass sie derzeit offenbar nicht in der Lage ist, Wiggins und Evans im Kampf um den Gesamtsieg die Stirn zu bieten. Radioshack-Profi Andreas Klöden, der bislang zumindest zum erweiterten Kreis der Favoriten gezählt hatte, musste auf dem 5,9-Kilometer langen Schlussanstieg genauso abreißen lassen wie Alejandro Valverde (Movistar) und der russische Routinier Denis Mentschow. Klöden hat nun als 16. knapp zweieinhalb Minuten Rückstand im Gesamtklassement, Katjusha-Fahrer Mentschow liegt als Fünfter 54 Sekunden zurück.

Das Streckenprofil der 99. Tour de France kommt Wiggns entgegen. Als Zeitfahrspezialist wird er sich über die wenigen harten Bergetappen der diesjährigen Rundfahrt freuen.

So scheint die Auseinandersetzung um das Gelbe Trikot schon nach der ersten Bergankunft zu einem Zweikampf geworden zu sein. Außer Evans kann derzeit offenbar niemand Wiggins gefährlich werden. Dabei könnte sich der BMC-Profi immerhin über einen Umstand freuen. Das Heft des Handelns hat nun Wiggins Sky-Team in der Hand. Als Träger des Gelben Trikots muss er zusammen mit seiner Mannschaft das Feld kontrollieren und die Führung verteidigen. Aber so wie es sich auf der siebten Etappe präsentierte, dürfte das für Wiggins und sein Team kein Problem sein.

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Forum - Die Tour de France - wer macht 2012 das Rennen?
insgesamt 406 Beiträge
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    Seite 1    
1. Vorfreude
spon-facebook-10000298787 30.06.2012
Ich freue mich schon riesieg auf die Tour. Aber ihr habt leider einige Favoriten außen vorgelassen wie z.B Samuel Sanchez, Robert Gesink oder Ivan Basso
2. Tour der Pharmazie
hahewo 30.06.2012
Diese Tour kann nur der gewinnen, der den besten Vertrag mit der Pharmaindustrie und deren Logistik hat. Das diesem Dopingspektakel immer noch soviel Raum in den Medien gegeben wird, ist schon verwunderlich.
3. Zu einer Rummelveranstaltung verkommen
Pollowitzer 30.06.2012
Dieser Sport ist leider schon lange nicht mehr ernst zu nehmen und er ist unglaubwürdig wie Rummelboxen - Wenn man sich das Alter einiger deutscher Teilnehmer ansieht dann geht automatisch die Dopingwarnlampe an - die pedalierenden Velogreise kommen doch ohne entsprechende Hilfsmittel weder über die Berge noch nach Paris. Die Aufmerksamkeit der Presse haben die nicht verdient - Ich glaube es wird garnichtmehr ernsthaft der Gebrauch von Doping kontrolliert - Brot und Spiele auf unterstem Niveau - leider!!!
4. Zustimmung
Ostwestfale 30.06.2012
Zitat von spon-facebook-10000298787Ich freue mich schon riesieg auf die Tour. Aber ihr habt leider einige Favoriten außen vorgelassen wie z.B Samuel Sanchez, Robert Gesink oder Ivan Basso
Ich freue mich auch, die drei Genannten zähle ich allerdings nicht zu den Favoriten, da diese Tour recht zeitfahrlastig ist und da sind Wiggins und Evans einfach zu stark, als dass ein Basso oder Sanchez das in den Bergen kompensieren könnte.Ich könnte mir deshalb sogar vorstellen, dass Klöden aufs Podium fährt. Wer die letzte Tour verfolgt hat, dem werden auch die tollen Entwicklungen nicht entgangen sein. Die Fahrer fahren endlich wieder wie "Menschen". Jeder Topfahrer hatte bei der letzten Tour einen schwachen Tag, was in einer dreiwöchigen Rundfahrt normal ist. Die Maximalwattzahlen, die die Fahrer in den Anstiegen treten sind stark zurückgegangen.Dass Jean-Christophe Peraud, Tourzehnter des vergangenen Jahres absolut sauber war gilt als ziemlich warscheinlich. Sein Blutbild war während der gesamten Tour öffentlich zugänglich und es gab keinerlei Auffälligkeiten.Aber so was ist natürlich keine Schlagzeile wert, denn Deutschland war noch nie ein Radsport-Land. Auch nicht zu Ullrichs Zeiten.Hier hat man sich noch nie für Details des interessiert. Völlig absurd finde ich, wenn in der Zusammenhang mit der Tour davon gesprochen sind, die Leistungen wören "übermenschlich" oder sonstwas. So nach dem Motto: Alles was ich nicht kann, kann auch kein Anderer. Da hat ein quasi nie im Training kontrollierter Usain Bolt nur 100 Meter läuft. Das kann ja jeder...
5.
LuisCortez 30.06.2012
Zitat von hahewoDiese Tour kann nur der gewinnen, der den besten Vertrag mit der Pharmaindustrie und deren Logistik hat. Das diesem Dopingspektakel immer noch soviel Raum in den Medien gegeben wird, ist schon verwunderlich.
So ist es. Sie haben die Situation erkannt. Ich als ehemaliger Roche Mitarbeiter kann bestätigen dass Roche um die 70 Mitarbeiter beschäftigt die sich um die besten Verträge und Logistik mit den "Sportlern" kümmert. Interessanterweise handelt es sich bei den Kunden nur um Radsportler. Was für ein Blödsinn!
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