Tour-Sieger unter Dopingverdacht: Experten bezweifeln Contadors Fleisch-Theorie

Namhafte Anti-Doping-Experten halten die Verteidigungsstrategie des unter Verdacht stehenden Tour-Siegers Alberto Contador für unglaubwürdig. Und gegen den Spanier gibt es weitere belastende Indizien. Nur in seiner Heimat genießt er noch uneingeschränkte Solidarität. 

Radstar Contador: Durch Plastikspuren belastet? Zur Großansicht
AFP

Radstar Contador: Durch Plastikspuren belastet?

Hamburg - Anti-Doping-Experte Werner Franke hat im Dopingfall Alberto Contador die Verteidigungsstrategie des Spaniers scharf kritisiert. "Das ist ja fast schon eine Komödie", sagte der Heidelberger Molekularbiologe. Es sei, so Franke, ohnehin schon ein Skandal, dass der dreimalige Tour-Sieger nicht schon im Zuge der Operación Puerto um den spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes gesperrt worden sei: "Die Unterlagen aus der Operación Puerto liegen mir vor. Auf Blatt Nummer 32 steht alles drauf, was Alberto Contador genommen hat. Das waren hauptsächlich Insulin- und Wachstumspräparate."

Die Möglichkeit, dass das bei Contador festgestellte Kälbermastmittel Clenbuterol aus einer alten Blutabnahme stammt, die Contador dann während der Tour wieder verabreicht wurde, sei laut Franke durchaus gegeben. "Das hat es früher schon bei chinesischen Langstreckenschwimmern gegeben. Das Zeug bleibt im Blut drin und wenn es zugeführt wird, ist es auch nachweisbar", sagte Franke.

Gegen Contador liegen womöglich weitere belastende Indizien vor. Wie die französische Sporttageszeitung "L'Equipe" am Freitag berichtete, sollen die Wissenschaftler in Köln bei der Analyse von Contadors Dopingprobe auch Spuren von kunststoffähnlichen Resten gefunden haben, wie sie nach Bluttransfusionen häufig zu finden sind. Diese Rückstände, auch Weichmacher oder Diethylhexylphthalat genannt, könnten demnach aus einem Plastikbeutel mit Eigenblut stammen. Dies wäre eine mögliche Erklärung für Contadors positiven Dopingbefund. Contadors Sprecher Jacinto Vidarte sagte der Nachrichtenagentur AP, der dreimalige Tour-de-France-Sieger "bestreitet kategorisch, eine Bluttransfusion erhalten zu haben". Vidarte sprach in diesem Zusammenhang von "Science Fiction".

"Womöglich beim Eigenblut-Doping unvorsichtig gewesen"

Contador hatte am Donnerstag den positiven Dopingtest, der vom zweiten Ruhetag (21. Juli) der Tour de France in Pau stammt, mit verunreinigtem Fleisch zu erklären versucht. Er habe ein Stück Kalbsfilet gegessen, das ein Bekannter des Teamkochs aus dem spanischen Irun mitgebracht habe. Dieses sei mit dem Kälbermastmittel Clenbuterol verunreinigt gewesen. Nach spanischen Behördenangaben vom Freitag habe es dort allerdings schon seit Jahren keine Verunreinigung mit Clenbuterol bei Menschen gegeben. Seit 1999 sei dort auch kein Rind mit Clenbuterol mehr festgestellt worden.

Die meisten Experten halten die Version des Spaniers denn auch für wenig überzeugend. "Verunreinigtes Essen? Wenn das Datum stimmt, ist es wahrscheinlicher, dass Alberto Contador den Landis gemacht hat und womöglich beim Eigenblut-Doping unvorsichtig gewesen ist", sagte der dänische Anti-Doping-Fachmann Rasmus Damsgaard. Der frühere US-Radstar Floyd Landis hatte jüngst in seinem Dopinggeständnis ausführlich von Eigenblut-Transfusionen während der Tour de France berichtet. Dass das Kölner Labor bei A- und B-Probe Fehler gemacht habe, sei aus Damsgaards Sicht "unmöglich".

Auch der deutsche Dopingexperte Fritz Sörgel traut der Version Contadors nicht. "Man sollte meinen: So dumm kann man gar nicht sein, sich mit Clenbuterol zu dopen. Es hat eine Halbwertszeit von etwa 35 Stunden - und ist also mit den heutigen Methoden noch mindestens eine Woche nach der Einnahme nachweisbar", sagte Sörgel der "Süddeutschen Zeitung". "Ich denke ganz einfach, dass die Dopingszene weniger professionell ist, als die meisten Leute annehmen. Denn die meisten Dopingskandale haben eines gezeigt: Die Sportler testen alles an sich aus. Was ihnen hilft, nehmen sie. Bei den Sportlern auf Intelligenz und Rationalität zu setzen - das mache ich schon lange nicht mehr."

Kein Kommentar vom Weltverband

Unterstützung erhält der Fahrer lediglich von dem niederländischen Biochemiker und Dopingfachmann Douwe de Boer. "Die Kenntnis von kontaminierten Lebensmitteln in Spanien und die Tatsache, dass heutzutage Clenbuterol in äußerst geringen Mengen nachgewiesen werden kann, macht offensichtlich, dass in diesem besonderen Fall das Szenario einer versehentlichen Einnahme von Clenbuterol durch den Verzehr von Fleisch sehr wahrscheinlich ist", heißt es in einem Bericht de Boers, den der Wissenschaftler in einer Expertise erstellt hat. Contador hatte sich bereits bei seiner Pressekonferenz am Donnerstag auf de Boer berufen.

Der Präsident des Radweltverbands UCI, Pat McQuaid, hat jeden Kommentar zum Fall Contador abgelehnt. "Ich bin sehr eingeschränkt in dem, was ich sagen kann, also sage ich nichts", sagte der Ire am Rande der zurzeit in Australien stattfindenden Rad-WM und verwies auf weitere wissenschaftliche Untersuchungen des Falles. Die UCI steht massiv in der Kritik, weil sie die Ergebnisse der Dopingprobe Contadors erst jetzt öffentlich machte. Der Fahrer selbst wusste nach eigenen Angaben bereits am 24. August von den Vorwürfen.

Razzia auch in Italien

In Contadors Heimat zumindest genießt der dreifache Tour-Sieger noch Rückendeckung. Bei einer Internetumfrage der spanischen Sporttageszeitung "Marca" hielten 78,5 Prozent der rund 30.000 Befragten Contador für unschuldig.

In Italien steht der Radsport ebenfalls erneut im Visier von Ermittlern. Wie die "Gazzetta dello Sport" am Freitag berichtete, durchsuchte die Gesundheitspolizei (NAS) am Donnerstag in den norditalienischen Provinzen Ferrara und Reggio Emilia die Wohnungen von sechs Radsportlern.

Neben fünf Radamateuren sei auch der Sieger des Dolomiten-Marathons, Michele Maccanti, Ziel der Aktion gewesen. Der Profi ist wegen einer positiven Dopingprobe zur Zeit vom italienischen Radsportverband gesperrt. Bei der Razzia seien beachtliche Mengen EPO, Nandrolon, Ephedrin und Anabolika gefunden worden.

Die Doping-Razzia steht nach Angaben der "Gazzetta" in Zusammenhang mit den Doping-Ermittlungen der Staatsanwaltschaften Padua und Perugia, in deren Zentrum Radprofi Riccardo Ricco steht. Der Italiener war 2008 bei der Tour de France des EPO-Dopings mit dem Präparat CERA überführt und daraufhin gesperrt worden.

aha/sid/dpa

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Forum - Geißel Doping - ist der Radsport noch zu retten?
insgesamt 336 Beiträge
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1. Lasst sie halt endlich dopen!
FastFertig, 30.09.2010
Wenn alle Dopen sind die Chancen letzlich ja wieder gleich. Das ist wie bei der Formel 1. Da zählt auch nicht nur das fahrerische Können, da braucht man auch einen guten Ingenieur. Radfahrer brauchen dann eben einen guten Arzt der das letzte aus einem rausholt. Dann gibt es auch wieder neue Rekorde! Und die medizinische Wissenschaft gewinnt auch neue Erkenntnisse die vielleicht der Allgemeinheit zu gute kommen. Sagt man ja auch von der Formel 1. Das was da entwickelt wird kann später in normalen Strassenautos den Verbrauch optimieren. Also so wie uns die Raumfahrt das Teflon spendiert hat. Gut, das stimmt so nicht ganz genau, ist aber doch egal. Es gehört doch auch zur Freiheit, dass man sich reinpfeiffen kann was man will. Vielleicht sehen wir dann bald Radfahrer mit 4 Lungenflügeln und einer Figur wie ein Kängaruh. Das wäre immer noch interessanter, als einen wimmernden Radfahrer zu sehen der laufend seine Unschuld beteuert. Das ist kein Sport, das ist Soap.
2. .
Maschinchen, 30.09.2010
Zitat von sysopDer Radsport kommt nicht aus den negativen Schlagzeilen. Trotz aller Beteuerungen wird offenbar noch immer massiv gedopt. Nun steht der aktuelle Tour-Sieger Alberto Contador unter Verdacht. Hat der Radsport noch eine Zukunft?
Man lehnt sich m.E. nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man behauptet, dass bislang jeder Tour-de-France-Sieger gedopt war.
3. muhaha
K1llaH 30.09.2010
Eine völlig unerwartete und nicht abzusehende Meldung ! Die Sensation schlechthin !! Geilste Ausrede 2010 :"Verunreinigte Nahrung"!!!! Na logisdch, ist schließlich überall drin !!!!
4. .
diddldaddl 30.09.2010
Zitat von FastFertigWenn alle Dopen sind die Chancen letzlich ja wieder gleich. Das ist wie bei der Formel 1. Da zählt auch nicht nur das fahrerische Können, da braucht man auch einen guten Ingenieur. Radfahrer brauchen dann eben einen guten Arzt der das letzte aus einem rausholt. Dann gibt es auch wieder neue Rekorde! Und die medizinische Wissenschaft gewinnt auch neue Erkenntnisse die vielleicht der Allgemeinheit zu gute kommen. Sagt man ja auch von der Formel 1. Das was da entwickelt wird kann später in normalen Strassenautos den Verbrauch optimieren. Also so wie uns die Raumfahrt das Teflon spendiert hat. Gut, das stimmt so nicht ganz genau, ist aber doch egal. Es gehört doch auch zur Freiheit, dass man sich reinpfeiffen kann was man will. Vielleicht sehen wir dann bald Radfahrer mit 4 Lungenflügeln und einer Figur wie ein Kängaruh. Das wäre immer noch interessanter, als einen wimmernden Radfahrer zu sehen der laufend seine Unschuld beteuert. Das ist kein Sport, das ist Soap.
Das ist doch zynisch. Man muß endlich den Mut aufbringen, aus diesem Zombiezirkus auszusteigen, man = die öff.-rechtl. Medien mit den Konsequenzen für die Sponsoren. Und dann sog. Argument, es gäbe Verträge! Dann werden eben die UCI und Akteure wie Contador schadensersatzpflichtig gemacht. Die ehrlichen Sportler und Funktionäre können einem Leid tun.
5. nichts neues...
a.maniac 30.09.2010
ich bin schon lange der Meinung das grundsätzlich der Profisport jeglicher Disziplin durch Lug, Trug und Trickserei verseucht ist. (meines Erachtens gilt das nicht nur für den Sport, sondern für jeglicher Sache wo es um richtig viel Geld geht...) Nun hat er sich der Contador sich erwischen lassen. nichts neues...
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Radstar Contador: Der nächste Sünder?

Dopingsubstanzen und ihre Wirkung
Epo/HGH
Die Ausdauerleistung ist wesentlich davon abhängig, wie gut der Körper Sauerstoff aufnehmen kann. Das Hormon Erythropoetin (Epo) stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl der im Organismus zirkulierenden Erythrozyten verbessert die Kapazität des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen und steigert damit Ausdauerleistungsfähigkeit.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet den Gebrauch von Epo seit langem. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, die an Blutarmut leiden.

Das Wachstumshormon HGH wird bei Kleinwüchsigkeit eingesetzt. HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, das führt zu langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. (mit dpa)
Anabolika
Anabolika sind künstlich hergestellte Verwandte des männlichen Sexualhormons Testosteron. Diese Steroid- oder Wachstumshormone haben sowohl eine den Muskelaufbau fördernde (anabole) als auch eine vermännlichende (androgene) Wirkung. Anabolika können als Tabletten als auch injiziert werden. In Deutschland sind sie rezeptflichtig, werden aber nur selten zur Therapie beispielsweise von Schwächezuständen eingesetzt.

Illegal werden Anabolika parallel zu entsprechendem Training eingenommen, um den Aufbau von Muskelmasse zu fördern – also als Dopingmittel missbraucht. Bekannte Anabolika-Präparate sind unter anderen Nandrolon, Metandienon und Stanozolol.
Stimulanzien
Als Stimulanzien (lat. stimulare = "anregen") werden Substanzen bezeichnet, die anregend auf den Organismus wirken. Sie stimulieren die Aktivität des Zentralnervensystems. Als Aufputschmittel werden sie kurz vor oder während des Wettkampfs eingenommen. Sie steigern die motorische Aktivität, erhöhen die Risikobereitschaft und vertreiben die Müdigkeit, aber auch das Gespür für die natürliche Leistungsgrenze. Bekannteste Stimulanzien sind Amphetamine, Kokain, Ephedrin und Koffein (nur in hohen Mengen verboten).

Viele Stimulanzien können bei regelmäßigem Konsum abhängig machen. Bei Überdosierung drohen je nach Substanz Bluthochdruck, Herzrasen, Schweißausbrüche und Übelkeit. Nach mehreren Todesfällen im Sport, die auf die Einnahme von Stimulanzien zurückzuführen waren, wurden sie 1967 auf die Dopingliste gesetzt.
Narkotika
Betäubungs- und Schmerzmittel wie Morphine werden eingesetzt, um bei Höchstleistungen auftretende Schmerzen zu unterdrücken - beispielsweise bei einem Marathon. Die Medikamente machen abhängig, weitere Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und Kreislauflähmungen. Von Radsportlern werde berichtet, dass diese auf den letzten Kilometern gerne Alkohol trinken, sagt Patrick Diel vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. "Das dämpft den Schmerz, liefert Energie und hebt die Stimmung."

Ebenso wie Amphetamine seien auch die meisten Narkotika leicht nachweisbar und würden deshalb eher selten im Spitzensport verwendet. Zudem handle es sich auch hierbei um eine "Wettkampf-Droge", die direkt beim jeweiligen Sportereignis eingenommen werden müsse. Entsprechend hoch sei die Gefahr der Entdeckung. (mit dpa)
Fotostrecke
Tour-Bilanz: Armstrongs Abgang, Fragezeichen bei Contador

Kampf gegen Doping
Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada)
Am 10. November 1999 wurde auf Initiative des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) die unabhängige Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in Lausanne gegründet. Zusammen mit den nationalen NOKs und staatlichen Organisationen will die Wada die internationale Dopingbekämpfung fördern und einheitliche Standards für Kontrollen in allen Ländern schaffen. Das Anti-Doping-Programm der Wada wurde im März 2003 von allen Delegierten der internationalen Sportverbände, der Regierungen und dem IOC auf der Welt-Anti-Doping-Konferenz in Kopenhagen angenommen. Der Welt-Anti-Doping-Codex löste im darauffolgenden Jahr den Anti-Doping-Code der Olympischen Bewegung ab und gilt seit den Spielen in Athen 2004 auch für die Olympischen Spiele.
Welt-Anti-Doping-Programm
Der Welt-Anti-Doping-Codex löste 2004 den Anti-Doping-Code der Olympischen Bewegung ab und gilt seit den Spielen in Athen im selben Jahr auch für die Olympischen Spiele. Das Programm besteht aus drei Ebenen: 1. Welt-Anti-Doping-Code (WADC), 2. Vier Internationale Standards, 3. Erarbeitungen von Empfehlungen für die bestmögliche praktische Umsetzung durch Anti-Doping-Organisationen und Verbände.
Welt-Anti-Doping-Code (WADC)
Der Welt-Anti-Doping-Code wurde erstmalig im Jahre 2003 verabschiedet und ist das Basisdokument des Welt-Anti-Doping-Programms. 2004 traten das Programm und der Codex in Kraft. Der überarbeitete Welt-Anti-Doping-Code ist seit dem 1. Januar 2009 gültig. Er vereinheitlicht Regeln und Verfahren, die bisher von Land zu Land und von Sportart zu Sportart verschieden waren und regelt die Verantwortlichkeiten der einzelnen Interessengruppen. Der Code stellt keine Definition des Dopings mehr auf, sondern bezeichnet Doping als einen Verstoß gegen nachfolgende Bestimmungen: Nachweis oder Gebrauch einer verbotenen Substanz oder Methode, Verweigerung einer Dopingkontrolle und Verletzung der Informationspflicht über den Aufenthaltsort sowie Verfälschung einer Dopingkontrolle und Besitz oder Handel von Substanzen durch einen Athleten oder sein Umfeld.
Internationale Standards
Sie ergänzen die Anforderungen des Codes durch nähere Beschreibungen und sollen dazu beitragen, national übergreifend einheitliche Formen für die Anti-Doping-Arbeit zu schaffen. Dies betrifft insbesondere die Dopingliste, die Dopingkontrolle Dopinglabors und Ausnahmebewilligungen für Medikamente.
Verbotene Substanzen
Die Dopingliste gilt weltweit und wird durch eine spezielle Kommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) erstellt. Sie wird jedes Jahr erneuert und tritt jeweils am 1. Januar in Kraft. Auf der Liste werden nur Wirkstoffe und Methoden veröffentlicht, die mindestens zwei von drei Kriterien entsprechen: Gemäß medizinischen oder anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen hat der Wirkstoff oder die Methode das Potential zur Leistungssteigerung im Sport. Gemäß medizinischen oder anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen besitzt der Wirkstoff oder die Methode ein aktuelles oder potentielles Gesundheitsrisiko. Gemäß Wada verstößt die Anwendung des Wirkstoffs oder der Methode gegen die Ethik im Sport. Zu den verbotenen Substanzklassen, die teilweise ganz oder nur im Wettkampf verboten sind, gehören: 1. Alkohol, 2. Anabolika , 3. Antiöstrogene , 4. Beta-2-Agonisten , 5. Betablocker , 6. Cannabinoide (Cannabis, Haschisch, Marihuana) , 7. Glucocorticoide , 8. Hormone , 9. Maskierende Substanzen und Diuretika , 10. Narkotika , 11. Stimulanzien . Für Alkohol und Betablocker gibt es in einigen Sportarten Ausnahmen, sie werden nicht von allen internationalen Sportverbänden verboten.
Verbotene Methoden
Seit dem 1. Januar 2003 werden die verbotenen Dopingmethoden genauer beschrieben und in drei Kategorien unterteilt: 1. Erhöhung der Transportkapazität für Sauerstoff ( Blutdoping ), 2. chemische und physikalische Manipulation, 3. Gendoping . Die Anwendung verbotener Methoden ist innnerhalb als auch außerhalb des Wettkampfs verboten.
Kontrollregularien

Für Athletinnen und Athleten bestehen je nach Leistungsniveau unterschiedliche Bestimmungen zu der obligatorischen Meldepflicht. Die Ein-Stunden-Regelung verpflichtet bestimmte Athleten für jeden Tag eine Stunde zu benennen, in der sie für eine mögliche Dopingkontrolle zur Verfügung stehen. Die genaue Stunde muss jeweils am Ende eines Quartals für die nächsten drei Monate im Voraus benannt werden, darf aber innerhalb von 24 Stunden verändert und aktualisiert werden. Wird der Athlet in dieser Stunde vom Kontrolleur nicht am benannten Ort angetroffen, wird ein sogenannter Strike für das Kontrollversäumnis ausgesprochen. Wenn ein Sportler innerhalb von 18 Monaten drei Verwarnungen kassiert hat, muss er mit einer Sperre von bis zu zwei Jahren rechnen. Strikes von verschiedenen Organisationen ( Wada , Nada sowie zuständigem internationalem Verband) werden addiert.

Die Ein-Stunden-Regelung wird durch die Angabe von Aufenthaltsdaten zum Ende eines Quartals für jeden Tag der darauffolgenden drei Monate ergänzt. Wird ein Athlet bei einer Stichprobe nicht am angegebenen Ort angetroffen, kann ebenfalls ein Strike erteilt werden. Mannschaftssportler aus gering gefährdeten Sportarten werden in Mannschafts-Whereabouts getestet. Dafür melden die Vereine der Nada die Trainingspläne der Mannschaft.

Aufgrund des seit Beginn 2009 gültigen neuen Nada-Codes werden Athleten je nach Risikobewertung der Agentur für Doping in drei unterschiedliche Testpools eingeordnet und unterliegen verschiedenen Meldepflichten: Im International Registered Testing Pool (RTP) sind rund 1400 Athleten zusammengefasst, zu denen A-Kader und A-Nationalteams der Sportarten der Gefährdungsstufe I gehören. Sie müssen nicht nur bis zum 25. des Vormonats Angaben über Aufenthaltsort und Erreichbarkeit für ein Quartal machen, sondern auch die Ein-Stunden-Regelung beachten. Im Nationalen Testpool (NTP) für Kader-Athleten der Gefährdungsstufe II und III gilt diese Regel nicht. Alle anderen Athleten werden im Allgemeinen Testpool (ATP) zusammengefasst.