Trennung Diestel nicht mehr Ullrich-Verteidiger

Jan Ullrich und sein bekanntester Strafverteidiger haben sich getrennt. Auslöser war offenbar ein Fernseh-Auftritt Peter Michael Diestels am Morgen. Eine Frage muss nur noch geklärt werden: Von wem ging die Initiative aus?


Hamburg - Es war schon eine Menge passiert an diesem Tag, die Trennung der Uniklinik Freiburg von ihren Sportmedizinern Heinrich und Schmid, die herzergreifenden Doping-Beichten der ehemaligen Radsport-Lieblinge Aldag und Zabel. Nur einer hatte in diesem Zusammenhang wieder gefehlt: Jan Ullrich. Und dann tauchte er doch noch auf. "Wir haben Diestel das Mandat entzogen. Er darf nicht mehr für uns sprechen", übermittelte Ullrich-Manager Wolfgang Strohband via "Bild"-Zeitung. Aber das war noch nicht alles. Denn Diestels Erwiderung hatte es in sich. Dem Anwalt war es sehr wichtig, zu erklären, dass er es gewesen sei, der das Mandat niedergelegt hat. "Alle, die etwas anderes behaupten, werde ich verklagen", so Diestel.

Ehemaliger Ullrich-Verteidiger Diestel: Bärendienst?
DPA

Ehemaliger Ullrich-Verteidiger Diestel: Bärendienst?

Da Strohband SPIEGEL ONLINE bestätigte, dass "Jan Ullrich aufgrund eines Auftritts von Diestel im ZDF-Morgenmagazin" dem Anwalt das Mandat entzogen habe, kann es nun zur paradoxen Situation kommen, dass Ullrichs Ex-Anwalt Ullrich verklagt. Diestel war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Dem Fernsehsender RTL gegenüber wollte er die in der "Bild" als Grund für die Trennung genannten "Meinungsverschiedenheiten" nicht konkretisieren.

Dass es um Diestels Auftritt im Morgenmagazin geht, scheint festzustehen. Dort hatte der Anwalt noch für Ullrich gesprochen und erklärt: "Er tut nur das, was in der jetzigen Verfahrenssituation zweckmäßig ist." Diestel stellte in dem Interview jedoch auch heraus, dass ihn die jüngsten Geständnisse der ehemaligen Ullrich-Kollegen nachdenklich gemacht und bei ihm größte Befürchtungen geweckt hätten. "Was mein Mandant zu diesem Zeitpunkt dort wusste und was er eingenommen hat, ist nach meinen Dafürhalten ganz anders zu bewerten", so Diestel. Ullrich hat bisher immer bestritten, jemals illegale Mittel zur Leistungssteigerung genommen zu haben.

Womöglich sah Ullrich in seinem Schweizer Domizil Scherzingen ebenfalls die Sendung - und interpretierte die Aussagen seines Rechtsbeistandes als Bärendienst. Immerhin erklärte Diestel auch: "Wir müssen begreifen, dass man nicht mit 40 Kilometern pro Stunde über die Pyrenäen fahren kann, dass man 250 Kilo ohne Stimulanzen nicht hochheben kann. Wir müssen uns vom Rekorddenken verabschieden." Ein Hochleistungssport ohne Stimulanz-Mittel? Das erscheine gar nicht möglich. "Das sage ich, das sagen alle Trainer, das wissen auch alle in der Sportpolitik Tätigen, das wissen auch alle Funktionäre."

goe/dpa



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