Trikotnummern im Handball Die Glückszahlen

Profi-Handballer haben meist ein ganz besonderes Verhältnis zu den Nummern auf ihren Trikots. Die Zahlen geben Selbstvertrauen und beflügeln Aberglauben. Das "Handball-Magazin" berichtet über einige skurille Geschichten, wie die Spieler zu ihren Nummern gekommen sind.

THW-Profi Jicha: Nummer zu Ehren von Eishockey-Legende Dominik Hašek
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THW-Profi Jicha: Nummer zu Ehren von Eishockey-Legende Dominik Hašek

Von Stefan Boysen


Im Fußball stehen Trikotnummern für ganz bestimmte Rollen. Die 1 ist der Torwart, die 4 ein Abwehrspieler, die 9 ein Mittelstürmer, die 10 hat der kluge Lenker des Spiels. So einfach ist das im Handball nicht. Sicherlich: Die 1, 12 und 16 sind meist den Torleuten vorbehalten, aber sonst dürfen sich Männer und Frauen jede Nummer bis 99 aussuchen. Und selbst die Torleute sind nicht immer nummerntreu. Jahrestage, Aberglaube und Vorlieben sind die treibenden Kräfte der Nummernwahl.

"Die Nummer 1", sagt Lyn Byl, "ist klassisch schön". Die Leverkusenerin findet die 1 sogar so formvollendet, dass sie mit einem ehernen Gesetz gebrochen hat - nämlich dem, dass die 1 der Frau zwischen den Pfosten vorbehalten ist. Als nach der Rückkehr zu Bayer ihre frühere Stammnummer 11 vergeben war, versuchte sie es ein Jahr lang mit der 22. "Aber die hat mir irgendwie nicht zugesagt." Also schnappte sich Byl die 1, weil aus der Riege der Torhüterinnen keine ihren Anspruch geltend machen wollte - auch in den Jahren danach nicht, da Nationaltorfrau Clara Woltering fest mit der 16 liiert ist.

Byl will nicht verhehlen, dass zumindest die Nachwuchstorhüterinnen immer mal wieder scharf waren auf ihre Nummer. Eingefordert hat die Nummer der 31-Jährigen jedoch noch niemand. "Sie haben sich nicht getraut, sich zu beschweren." Das würde Byl auch niemandem raten. "Solange ich in Leverkusen spiele", sagt sie, "behalte ich meine Nummer".

Der Eishockey-Crack und seine 39

Die gesamte Jugendzeit hatte Filip Jicha die 9 getragen. Dann war sie plötzlich besetzt, vergeben an jemand anderen. "Ich musste mir also eine neue Nummer suchen, wollte die 9 aber unbedingt behalten", erzählt der Tscheche, der mit dem THW Kiel die Champions League gewann. Sein erster Gedanke: Die 99 muss es sein. Doch bei näherem Überlegen wurde dem begeisterten Eishockey-Fan bewusst, dass diese Nummer nur einem gehören darf: The Great One. Seit dem Ende von Wayne Gretzkys Karriere gilt die 99 in der nordamerikanischen Profiliga NHL als Inbegriff großer Kufenkunst.

Also kürte Jicha die Nummer eines anderen Stars zu der Seinen, die eines "großen Helden", wie er sagt: die 39 des Stanley-Cup- und Olympischen Goldmedaillen-Gewinners Dominik Hašek. Der tschechische Eishockey-Torwart als Vorbild - für Jicha eine perfekte Wahl: "Zumal 3 mal 3 auch 9 ist." Und die 9 trägt er noch immer in Tschechiens Diensten. Für eine Referenz zu einer anderen Sportart entschied sich auf der Zielgeraden seiner Karriere auch Christian Schwarzer: Der Kreisläufer wurde 2007 mit der von NBA-Star Dirk Nowitzki "geliehenen" 41 Weltmeister.

Der innig Verbundene und seine 46

Das Gedenken an seinen Opa hat Kari Kristjan Kristjansson dazu bewogen, die 46 auf seinem Trikot zu verewigen. "Seitdem er tot ist, spiele ich zu seinen Ehren", sagt der Isländer in Diensten der HSG Wetzlar. "Mein Großvater hat diese Nummer geliebt." Sowohl dessen erstes Bankkonto als auch sein Autokennzeichen waren mit ihr identisch. Und die Hausnummer des Großvaters, man ahnt es schon: die 46.

Da passt es ins Bild, dass selbst die Telefonnummern von Kristjanssons engsten Familienangehörigen mit diesen beiden Ziffern enden. Als Kristjansson beim isländischen Club Haukar Hafnarfjörður das Trikot mit der 46 beflocken ließ, gewann er gleich im ersten Jahr die nationale Meisterschaft, die er in der Saison darauf erfolgreich verteidigte. "Danach", sagt der Kreisläufer, "gab es kein Zurück mehr".

Die Unvergessenen und ihre Nummern für die Ewigkeit

Magnus Wislander ist zwar längst nach Schweden zurückgekehrt, doch eigentlich ist er irgendwie immer noch in Deutschland. Unter dem Dach der Kieler Arena hängt ein Trikot mit der Nummer 2. Sein Trikot. Der THW hat sich entschlossen, ihm zu Ehren die Nummer keinem anderen mehr zu geben - so groß sind die Verdienste des Welthandballers des Jahrhunderts für die Kieler.

Ein paar Kilometer weiter nördlich haben sie einen ihrer ehemaligen Spieler genauso fest ins Herz geschlossen. Bei der SG Flensburg-Handewitt soll die 15 auf ewig untrennbar mit dem Namen Lars Christiansen verbunden bleiben, der in 14 Jahren 2725 Tore für den Club erzielte. Auch der HSV Handball und der DHC Rheinland aus Dormagen bewahren zwei Spielern ein besonderes Andenken: Die 10 des an Hautkrebs gestorbenen Oleg Velyky und die 22 des während eines Spieles der deutschen Junioren-Nationalmannschaft nach einem Herzversagen verstorbenen Sebastian Faißt sollen nie mehr vergeben werden.



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