Trotz Doping-Vergangenheit: Pechstein könnte bei Olympia starten

Der Sportgerichtshof Cas hat ein wegweisendes Urteil gefällt - und gegen das Internationale Olympische Komitee entschieden. Künftig dürfen schwere Dopingsünder nach Ablauf ihrer Sperre ohne längere Pause an Olympia teilnehmen. Auch Claudia Pechstein könnte von dem Beschluss profitieren.

Pechstein: Sie könnte davon profitieren, dass die "Osaka-Regel" gekippt wurde Zur Großansicht
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Pechstein: Sie könnte davon profitieren, dass die "Osaka-Regel" gekippt wurde

Hamburg - Einspruch stattgegeben: Der Internationale Sportgerichtshof (Cas) in Lausanne hat entschieden, dass der ehemalige Dopingsünder LaShawn Merritt bei den Olympischen Spielen 2012 in London starten darf. Das Nationale Olympische Komitee der USA hatte gegen die sogenannte Osaka-Regel des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) geklagt, weil sie eine unzulässige Doppelbestrafung von Athleten darstellt. Der Cas stellte fest, dass die Osaka-Regel den Bestimmungen des Wada-Codes widerspräche und somit auch den IOC-Statuten.

Diese 2007 in Osaka beschlossene Regel - offiziell "Vorschrift Nummer 45 zur Olympia-Teilnahme" der Olympischen Charta - besagt, dass ein Athlet, der mehr als sechs Monate wegen Dopings gesperrt war, nicht an den folgenden Olympischen Sommer und -Winterspielen teilnehmen darf. Das wäre bei Merritt der Fall gewesen. Bis Sommer 2011 war der 400-Meter-Läufer insgesamt 21 Monate lang gesperrt. Im April 2010 war Merritt positiv auf das verbotene Prohormon Dehydroepiandrosteron getestet worden. Der Amerikaner sagte, er habe die Substanz durch ein Mittel zur Penisvergrößerung eingenommen.

Von dem Urteil könnten auch die Deutschen Claudia Pechstein und Christian Ahlmann profitieren. "Ich bin total glücklich. Jetzt ist der Weg frei für meine zehnte Olympia-Medaille", sagte Pechstein. Die Eisschnellläuferin war im Februar 2009 für zwei Jahre gesperrt worden, Anfang dieses Jahres gab sie ihr Comeback. Ahlmanns Hengst Cöster war bei den Olympischen Spielen 2008 positiv auf die Substanz Capsaicin getestet worden. Der Reiter wurde daraufhin vom Weltverband FEI für acht Monate und vom nationalen Verband FN für zwei Jahre gesperrt. Beide wären, sofern sie sich qualifizieren, für die kommenden Sommerspiele in London 2012 und die Winterspiele 2014 in Sotschi startberechtigt.

Bereits am Mittwoch hatte IOC-Präsident Jacques Rogge die Osaka-Regel verteidigt. "Bei allen, die länger als sechs Monate gesperrt werden - zumeist wegen anaboler Steroide, Epo oder anderer schwerer Vergehen wie Bluttransfusionen - fanden wir es angebrachter, sie nicht bei den nächsten Spielen dabeizuhaben", so der Belgier, der bereits Konsequenzen für den Fall angekündigt hatte, dass die Osaka-Regel gekippt wird: "Hält der Cas sie für nicht zulässig, werden wir für den neuen Anti-Doping-Code, der ab 2013 eintritt, Druck machen, dass längere Sperren eingeführt werden für diese schwereren Vergehen." Bei geringeren Verstößen soll sich nichts ändern.

max/dapd/sid

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insgesamt 31 Beiträge
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1. Seltsam...
lapje 06.10.2011
Seltsam das im Text nichts davon steht das CP niemals (!) Doping wirklich nachgewiesen wurde sondern nur aufgrund von Inditien "verteilt" wurde...und Grund einer Blutanomalie, welche sie nachweislich von ihrem Vater geerbt hatte.
2. lebenslang
Munku 06.10.2011
Warum keine lebenslange Sperre ? Mal im Ernst, warum bekommt ein Sportler, der seine Geldgeber (Preisgelder und Sponsoren) betrügt, nicht eine lebenslange Sperre ? Zumindest moralisch wäre das doch gerechtfertigt.
3. Warum nicht...
Robert Rostock 06.10.2011
Zitat von MunkuWarum keine lebenslange Sperre ? Mal im Ernst, warum bekommt ein Sportler, der seine Geldgeber (Preisgelder und Sponsoren) betrügt, nicht eine lebenslange Sperre ? Zumindest moralisch wäre das doch gerechtfertigt.
Warum sollte man Dopingtäter nicht vierteilen, pfählen und köpfen und die Köpfe der Delinquenten dann zur Abschreckung in den Stadien auf Spießen präsentieren? Möglicherweise, weil wir einen Rechtsstaat haben und sich auch der Sport daran halten muss? Daher begrüße ich dieses Urteil. Genau wie die zunehmenden Proteste der Datenschützer gegen das unfassbare Überwachungs- und Kontrollsystem, das die Dopingfahndung errichtet hat. Vielleicht gelingt es ja doch noch, die Doping-Inquisition auf die Mittel des Rechtsstaates zurechtzustutzen. Diese Grenzen muss schließlich auch die Verfolgung von Mord, Totschlag, Kindesmissbrauch einhalten.
4. Was ist denn das für eine Überschrift?
DTADW 06.10.2011
"Trotz Doping-Vergangenheit Pechstein könnte bei Olympia starten" Welche Doping-Vergangenheit? Sie meinen die vom Gericht mit mit fadenscheiniger Begründung abgelehnten, entlastenden Gutachten sind Grund so einen "Opener" zu setzen? Wer bei klarem Verstand ist erkennt sofort, das in diesem Fall aufgezogene Theater um eine Karriere zu sabotieren. Beschämend ist, wie SPON schon mit der Überschrift in die selbe Kerbe haut, welche bald wiederlegte "Tatsachen" suggeriert.
5. Falsch
n.holgerson 06.10.2011
Zitat von DTADW"Trotz Doping-Vergangenheit Pechstein könnte bei Olympia starten" Welche Doping-Vergangenheit? Sie meinen die vom Gericht mit mit fadenscheiniger Begründung abgelehnten, entlastenden ......
Pechstein ist eine eindeutig überführte Doperin. Das Urteil wurde bestätigt. Das einzig eindeutige in diesem Verfahren ist, dass Frau Pechstein mehrfach die Unwahrheit gesagt hat und ihre Experten mehrfach eindeutig widerlegt wurden. Und die Sache mit dem Gutachten ist doch ein Witz. Wie war das noch? Als die Beweisaufnahme geschlossen wurde und sie wieder einmal merkte, oh ich werde überführt, findet sie ein "Gutachten"... Wie gesagt, wie man einer Frau die jetzt so oft gelogen hat, noch irgendwas glauben kann, ist mir ein Rätseln... Aber ich glaube so was wie sie nennt man "fanatischer Fan". Ihr heiß geliebtes Idol, dass sich nachdem ihr die Unwahrheit nachgewiesen wird, ein neues Märchen ausdenkt kann ja nur von bösen dunklen Hintermännern verfolgt werden. Sie "lügt" mehrfach.... Na und? Ist ihnen egal!
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Die IOC-Präsidenten im Überblick
Amtszeit Präsident
ab 2013 Thomas Bach (Deutschland)
2001 - 2013 Jacques Rogge (Belgien)
1980 - 2001 Juan Antonio Samaranch (Spanien)
1972 - 1980 Michael Killanin (Irland)
1952 - 1972 Avery Brundage (USA)
1942 - 1952 Sigfrid Edström (Schweden)
1925 - 1942 Henri de Baillet-Latour (Belgien)
1896 - 1925 Pierre de Coubertin (Frankreich)
1894 - 1896 Demetrius Bikilas (Griechenland)

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Der neue Wada-Code
Härtere Strafen
Für schwerwiegende Erstverstöße wie systematisches Doping oder Verhinderung der Aufdeckung von Vergehen wurde die Sperre von zwei auf vier Jahre angehoben. Drei Verstöße gegen die Meldepflicht ("Missed Tests") binnen 18 Monaten führen zu einer Sperre von ein bis zwei Jahren. Nach einer positiven A-Probe wird eine provisorische Suspendierung des Athleten ausgesprochen. Die B-Probe muss spätestens sieben Tage später analysiert sein.
Flexibilität
In Einzelfällen können besondere Umstände berücksichtigt werden und flexiblere Strafen verhängt werden. Eine Strafminderung kann z.B. gewährt werden, wenn ein Athlet beweisen kann, dass eine verbotene Substanz ohne Verschulden in seinen Körper gelangt ist. Außer Sperren können zusätzlich Geldbußen verhängt werden.
Kronzeugenregelung
Die Kronzeugenregelung ist erweitert worden. Wenn ein Athlet die Aufdeckung von Dopingverstößen Dritter substantiell mit Detailinformationen unterstützt, kann die Sperre um bis zu 75 Prozent reduziert werden. Eine Verkürzung bis um die Hälfte wird eingeräumt, wenn ein Athlet Doping gesteht, bevor er positiv kontrolliert wurde.
Gültigkeit
Der neue Welt-Anti-Doping-Code, beschlossen auf der Welt-Anti-Doping-Konferenz in Madrid Mitte November 2007, ist seit dem 1. Januar 2009 gültig. Die "Deklaration von Madrid" verpflichtet alle Organisationen des Sports, ihre Statuten dem neuen Code anzugleichen. Gleichzeitig werden alle Regierungen aufgerufen, die Unesco-Konvention gegen Doping zu unterzeichnen und damit den Code als universell verbindlich anzuerkennen.

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