TV-Dopingbeichte: Armstrongs krumme Tour

Von Peter Ahrens

Armstrong beim TV-Interview mit Oprah Winfrey: "Der Radsport heute ist sauber" Zur Großansicht
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Armstrong beim TV-Interview mit Oprah Winfrey: "Der Radsport heute ist sauber"

Drei Stunden TV-Interview, ein Dopinggeständnis, keinen einzigen Namen: Die groß angekündigte Beichte von Lance Armstrong entpuppt sich als heiße Luft. Der Texaner gibt sich reuig, der Täter inszeniert sich sogar als Opfer. Und Moderatorin Oprah Winfrey spielt dabei sehr gut mit.

Irgendwann wurde es doch noch spannend zwischen Oprah Winfrey und Lance Armstrong. "Gab es irgendjemanden, der die ganze Wahrheit über Ihr Doping wusste?", fragte die Talkshow-Queen den ehemaligen Superstar des Radsports. Kurzes Zögern, dann die Antwort: "Ja." Wer wird das wohl sein? Armstrongs langjähriger Rennstallboss Johan Bruyneel? Sein alter Team-Kumpel George Hincapie vielleicht? Oder doch einer der Chef-Funktionäre des Radsport-Weltverbands UCI? Wir wissen es nicht. Denn Winfrey fragte nicht, was wohl jeder gefragt hätte, sondern sagte: "Ich möchte noch einmal zu Ihrer Ex-Frau Kristin zurückkommen."

Eine typische Szene aus dieser mit beispiellosem Getrommel angekündigten TV-Beichte des siebenfachen Tour-de-France-Siegers. Die Erwartungen an den Fernsehauftritt waren riesig, die Ergebnisse hingegen kümmerlich. Armstrong hat zugegeben, sämtliche Tour-Erfolge mit Hilfe von verbotenen, leistungssteigernden Mitteln errungen zu haben. Das ist das Ergebnis des Geständnisses. Aber das hatte die US-amerikanische Anti-Doping-Agentur Usada Armstrong schon vor einem halben Jahr nachgewiesen.

Ansonsten ist die Öffentlichkeit nach diesem Gespräch, das im US-Fernsehen in zwei Teilen von insgesamt drei Stunden gesendet wurde, so schlau wie zuvor. Nach wie vor bleibt im Dunkeln, was die UCI von Armstrongs Praktiken gewusst hat. Kein Wort dazu, welche anderen Spitzenfahrer ebenfalls zu den von Armstrong bevorzugten Dopingmitteln gegriffen haben. Selbst die vor der Ausstrahlung lancierte Meldung, Armstrong werde ankündigen, gegen "mächtige Männer im Radsport auszusagen", entpuppte sich als purer PR-Trick der Winfrey-Redaktion. Im Interview selbst sagte Armstrong kein Wort davon, er klagte niemanden an.

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Die Karriere von Lance Armstrong: Absturz eines Helden
Stattdessen ganz viel Gefühl, Tränchen inklusive. Wie geht es Armstrongs Familie? Wie hat es sein Sohn erfahren, wie seine Mutter? Winfrey verkniff sich zum Glück nachzufragen, wie Armstrong es seinen Haustieren beigebracht hat, dass er ein Dopingsünder ist.

Dafür immer wieder die Frage: Wird er wieder aufstehen? Als ob Armstrong einen Schicksalsschlag erlitten habe. Gefühliges fürs amerikanische Publikum mit einem Täter, der sich reuig genug gab, um zeitweilig als Opfer dazustehen. Schließlich hat er an einem Tag 75 Millionen Dollar verloren, als sämtliche Sponsoren, die ihm zuvor jahrelang die Treue gehalten hatten, es nach Armstrongs Überführung nicht eilig genug hatten, sich von ihm abzuwenden.

Armstrong durfte unwidersprochen die Chuzpe besitzen, seine lebenslange Sport-Sperre als "Todesstrafe" zu bezeichnen. Er konnte ausführen, dass er nach seiner Krebserkrankung "ein besserer Mensch geworden" sei. Das war die Zeit, in der er triumphal in den Leistungssport zurückkehrte. Die Zeit, in der er sein Dopingprogramm systematisierte. Er, der bessere Mensch.

So habe er seiner Ex-Frau, die im Groben über Armstrongs Doping Bescheid gewusst habe, bei seinem Comeback im Jahr 2009 auch versprochen, "nie wieder eine verbotene Linie zu überschreiten", wie Armstrong sagte. Seit diesem Zeitpunkt sei er denn auch komplett ohne Doping Rad gefahren. Die Usada hat mittlerweile mitgeteilt, sie habe deutliche Beweise, dass diese Aussage nicht stimmt und der Texaner auch bei seinem Comeback mit Mitteln nachhalf.

Doping im Radsport zu nutzen, das sei so normal gewesen, wie Luft in die Reifen zu pumpen oder die Wasserflaschen täglich aufzufüllen, hat Armstrong in dem Interview mit Oprah Winfrey gesagt. Das ist einer der Sätze, die möglicherweise Bestand haben werden aus diesem Gespräch. Weil er alles über eine Sportart aussagt, die sich vollständig verloren hatte. "I lost my way", hat Armstrong am Ende des Interviews gesagt. Das gilt viel mehr noch für den Profi-Radsport an sich.

Am Ende gab der überführte Betrüger selbst noch seinen Segen für diese (einst) völlig verseuchte Sportart ab: "Ich gehe davon aus, dass der Radsport heute sauber ist", gab Armstrong den die Absolution erteilenden Beichtvater. Man kann sicher sein, dass die UCI sich auf diesen Satz noch häufig berufen wird. Lance Armstrong - der Kronzeuge für einen heute sauberen Radsport. Das war die amüsanteste Anekdote des gesamten Interviews.

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1. Nee
dadanchali 19.01.2013
Soap opera fürs naive US Publikum. Keine Namen, klar damit rettet er ein paar Millionen $. Die bleiben erpressbar. Ansonsten kann man nur angewidert daneben stehen und über seine Dreistigkeit staunen.
2. L.A. - Betrüger und Märchenerzähler...
Professor123 19.01.2013
Zitat von sysopDrei Stunden TV-Interview, ein Dopinggeständnis, keinen einzigen Namen: Die groß angekündigte Beichte von Lance Armstrong entpuppt sich als heiße Luft. Der Texaner gibt sich reuig, der Täter inszeniert sich sogar als Opfer. Und Moderatorin Oprah Winfrey spielt dabei sehr gut mit. TV-Dopingbeichte von Lance Armstrong endet als großer Bluff - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/tv-dopingbeichte-von-lance-armstrong-endet-als-grosser-bluff-a-878500.html)
Lance Armstrong ist ein irrer und jämmerlicher Betrüger. Und mit Oprah Winfrey hat er sich die richtige Plattform ausgesucht, um weiter seine Show abzuziehen. Ich würde zu gerne wissen, wie viele Millionen Dollar die beiden Sendungen eingebracht haben und wie viele Millionen Dollar Lance Armstrong und Oprah Winfrey nach dem Doping-Geständnis – lächerlich, was gibt es gestehen, wenn schon alles bekannt ist ??? – mehr auf ihren Konten haben... Das ganze Theater ist doch ein Witz...
3. ...
Blackysmart 19.01.2013
Zitat von sysopDie groß angekündigte Beichte von Lance Armstrong entpuppt sich als heiße Luft.
Wer hat etwas anderes erwartet? Ein Mann, der über Jahre Radsportfans und Sponsoren betrogen hat, Leute verklagte, die die Wahrheit sagten und nichts zugab, was nicht schon längst bewiesen war, für den ist dieses Interview und Geständnis ebenfalls nur ein vollkommen durchkalkuliertes Mittel zum Zweck. Ich hoffe, er bleibt ein Leben lang gesperrt und man behandelt ihn als das, was er ist: kein Opfer, sondern egomaner Betrüger.
4. .
zephyros 19.01.2013
da ärgert man sich schon, ohne zugeschaut zu haben
5. Mensch
emmpaek 19.01.2013
Warum nur darf dieser Mensch noch ins Fernsehen? Hat er uns alle nicht lange genug betrogen? Er ist ein Schleimer und bleibt ein Betrüger.
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Rekordsieger der Tour de France
Sieger Land Titel Zeitraum
Lance Armstrong USA 7* 1999-2005
Miguel Indurain Spanien 5 1991-1995
Bernard Hinault Frankreich 5 1978-1985
Eddy Merckx Belgien 5 1969-1974
Jacques Anquetil Frankreich 5 1957-1964
Greg LeMond USA 3 1986-1990
Louison Bobet Frankreich 3 1953-1955
Philippe Thys Belgien 3 1913-1920
*alle Titel wegen Dopings aberkannt