Erster Hoeneß-Auftritt nach Haft Der Machtmensch ist zurück

Uli Hoeneß hat nach seiner Gefängnisstrafe erstmals an einer öffentlichen Gesprächsrunde teilgenommen. Das Thema war sein zweitliebster Sport. Der Auftritt zeigte, dass der Ex-Bayern-Präsident fast wieder der Alte ist.

Telekom Basketball

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Die Sendung lief knapp 20 Minuten, da übernahm Uli Hoeneß die Kontrolle: Der Ex-Präsident des FC Bayern ergriff das Wort, echauffierte sich, wenn es Widerspruch gab und dominierte die Gesprächsrunde.

Es war der erste TV-Auftritt des 64-Jährigen nach seiner Haftentlassung Ende Februar. Und er war bewusst gewählt. Hoeneß kehrte nicht etwa spektakulär auf die große Fußballbühne zurück und sprach über seine Bayern, Josep Guardiola oder die Champions League. Nein, der große Macher des FC Bayern, der nach seinem Steuerbetrug in Millionenhöhe so tief gefallen ist, wählte die Nische und sprach bei der Telekom über die Zukunft des deutschen Basketballs. Einer Sportart, die trotz NBA-Star Dirk Nowitzki ein Schattendasein fristet.

Gleich zu Beginn machte Hoeneß klar, dass ihm zugesichert worden sei, nur über Basketball zu sprechen. Keine Fragen also zu seiner persönlichen Zukunft. Kehrt er als Präsident zu den Bayern zurück? Oder in einer anderen Funktion? Was sagt er zum bevorstehenden Abschied von Guardiola? All diese Themen wurden in der 90-minütigen Sendung ausgespart.

Stattdessen durfte Hoeneß vor den anwesenden Liga- und Verbandschefs dozieren, wie der Basketball aus der Nische kommt - und zumindest hinter dem Fußball die zweitbeliebteste Sportart in Deutschland wird. "Ich sehe da sehr gute Chancen", sagte Hoeneß und nannte konkrete Vorschläge. So müsse das Pokal-Final-Four der Basketballer, sprich Halbfinale und Finale, an einem Wochenende ausgetragen werden, an dem im Fußball nichts los sei. "Wenn ARD oder ZDF das live übertragen, könnte man Basketball richtig pushen", so Hoeneß.

"Geht nicht, gibt's nicht"

Den Einspruch von Liga-Chef Alexander Reil, das sei wegen des internationalen Spielekalenders nicht so einfach, wischte Hoeneß einfach beiseite: "Geht nicht, gibt's nicht." Man müsse das eben durchsetzen.

Auch wenn die Sendung vermutlich nur von ein paar Tausend Menschen gesehen wurde, war sie durchaus aufschlussreich. Denn es zeigte sich: Hoeneß ist nach seiner Haftstrafe schon fast wieder der Alte. Sein Machtanspruch, sein Wille mitzumischen, ist ungebrochen. Das wurde zum Beispiel offenkundig, als Hoeneß sagte: "Wenn ich mich entscheide, mich im November als (Bayern- - d. Red.)Präsident zur Wahl zu stellen, werde ich selbstverständlich Basketball wieder so pushen wie es für den deutschen Basketball nicht das Schlechteste wäre."

Mit dieser Haltung hat Hoeneß den FC Bayern zu einem der erfolgreichsten Klubs der Welt gemacht. Doch kann er nach seinem tiefen Fall vor zwei Jahren wirklich wieder auf die große Bühne zurückkehren? Vermutlich weiß er es wirklich selbst noch nicht und will abwarten, wie er öffentlich ankommt.

Der erste Probelauf bei den Basketballern könnte daher mit darüber entscheiden, wie Hoeneß' Zukunft aussieht. Am Sonntag folgt der nächste Schritt: Dann hält der 64-Jährige in Mönchengladbach eine Laudatio für den Ex-Bayern-Trainer Jupp Heynckes.

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Uli Hoeneß: Der Mann, der den FC Bayern schuf



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Rechtschreibprüfer_der 10.03.2016
1.
Erst eine kleine Nebenbaustelle eröffnen, damit die Gesellschaft wieder sich an ihn gewöhnt und dann wieder die alten Posten bekleiden. Clever.
leo19 10.03.2016
2. Ist gut so und war zu erwarten!
Er hat sich gut erholt und neue Energie getankt. Jetzt ist er stärker denn je! Der Fehler ist ausgebadet und jetzt greift er wieder ein. Wenn wir nur solche Menschen als Politiker hätten. Aber da siehts mau aus.
fam.weber11 10.03.2016
3. Beschriebene Blätter
Die Chefetage des FC Bayern München. Die Panzerknackerbande des deutschen Fußballs: Hoeness, Rummenigge, Beckenbauer: Sehr gut polizeibekannt.
Palisander 10.03.2016
4. Ich sag das jetzt mal so ungeschminkt...
aber von mir aus hätte dieser Mensch gerne weg bleiben können. Warum die Medien ihm jetzt auch noch ein Forum bieten ist mir schleierhaft. Gelernt hat der nichts.
axel1958 10.03.2016
5. Herr Hoeneß.....
herzlich willkommen ....die Langsweile ist vorbei....ein norddeutscher Bayerfan.....
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