Umstrittene DDR-Stars Dopingopfer kritisieren Hall of Fame

Die Kandidatenliste für die Hall of Fame des deutschen Sports sorgt für Ärger. Der Verein der Dopingopfer kritisiert die Aufnahme von DDR-Stars in die Ruhmeshalle. Damit beweise die Deutsche Sporthilfe "Geschichtslosigkeit".

DDR-Dopingmittel Oral-Turinabol: "Vergiftete Vergangenheit verleugnet"
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DDR-Dopingmittel Oral-Turinabol: "Vergiftete Vergangenheit verleugnet"


Hamburg - Der Dopingopfer-Hilfeverein (DOH) hat die designierte Aufnahme der ehemaligen DDR-Stars Renate Stecher und Täve Schur in die von der Stiftung Deutsche Sporthilfe geschaffene Hall of Fame scharf kritisiert. Die Entscheidung sei in beiden Fällen "ein Irrweg", weil die Gefahr bestehe, dass die Ruhmeshalle "einmal mehr durch völlige Geschichtslosigkeit implodiert", schrieb die Gruppe von DDR-Dopinggeschädigten in einem offenen Brief an die Stiftung Deutsche Sporthilfe. Am 20. Mai sollen die neuen Kandidaten für die Hall of Fame des deutschen Sports vorgestellt werden.

Trotz Doping-Missbrauchs würde die dreimalige Sprint-Olympiasiegerin Renate Stecher, geborene Meißner, "ihre vergiftete Vergangenheit" kategorisch verleugnen, heißt es in dem Schreiben. Der ehemalige Radfahrer Täve Schur sei als "hochdekorierter Sportheld" auch eine "zentrale Propagandafigur des kriminellen DDR-Sports" gewesen. Als ehemaliger Abgeordneter in der Volkskammer der DDR und sportpolitischer Sprecher der SED-Nachfolgepartei PDS habe er bei der Aufarbeitung "der schweren Hypotheken des DDR-Sports gegen die Aufklärung des Körperlaboratoriums DDR wie gegen eine Entschädigung der Opfer des DDR-Sports votiert", behauptet der DOH.

"Wir stellen uns mit der Hall of Fame des deutschen Sports bewusst den Brüchen und Widersprüchen des deutschen Sports, wir können sie damit aber nicht beheben", sagte Michael Ilgner, der Vorstands-Vorsitzende der Stiftung Deutsche Sporthilfe, "solange uns keine Fakten und Beweise vorliegen, dürfen und wollen wir aber auch nicht einer kontroversen Diskussion über einzelne Athleten aus dem Weg gehen, indem wir sie von vornherein außen vor lassen. Wenn uns neue Fakten vorliegen, werden wir diese bewerten und gegebenenfalls reagieren." Die 2006 geschaffene Hall of Fame hat gegenwärtig 45 Mitglieder.

Vorschlagsrecht für die Hall of Fame haben neben der Sporthilfe der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS). Eine 28-köpfige Jury, davon 14 Sporthilfe-Repräsentanten vornehmlich aus Wirtschaft und Medien, nimmt die Nominierung vor.

aha/dpa



insgesamt 34 Beiträge
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unifersahlscheni 27.04.2011
1. ...
...wundert mich irgendwie auch, dass gedopte "Sportler" auf so einer Liste vertreten sind. Für mich eine Liste ohne Wert.
iron mace 27.04.2011
2. Unverständlich
Anstelle von Geldern für Jugend und Kinderförderung, wird wieder einmal unnötig Geld in alberne Projekte gesteckt, damit sich Funktionäre wichtig machen können. Aber übern den Mitgliederschwund jammern ...
M67 27.04.2011
3. der eigene Balken
ich würde mich nicht so künstlich aufregen. Das in der DDR gedopt wurde, ist zu verurteilen. Warum wird eigentlich nicht die BRD diesbezüglich verurteilt, die in dieser Hinsicht noch viel mehr zu verbergen hat. Berichte darüber gibt es zuhauf, Namen sind bekannt. Für mich ist das eine widerliche Heuchelei. Aber mit dem eigenen Balken im Auge kann man so schlecht sehen, dass sieht man übrigens auch im Rechtsradikalismus. Der Dreck vor der Tür der BRD muss aufgearbeitet werden!!!
zzipfel 27.04.2011
4. Hall of Fame = Hall of Chemie?
DDR-Spitzensport: alles "Plaste und Elaste aus Schkopau" ;-) Sollten die Mittel, anstelle olle verschrumpelte militaristische DDR-SED-Augen-Links-Partei-Sportfunktionäre auch noch zu ehren, für die Doping-Opfer ausgeben. Wieviel Jugendliche haben die zu 3 Jahren Militärdienst gepresst? Üblere Sachen nicht ausgeschlossen.
allereber 27.04.2011
5. Nicht nur !!!
Zitat von zzipfelDDR-Spitzensport: alles "Plaste und Elaste aus Schkopau" ;-) Sollten die Mittel, anstelle olle verschrumpelte militaristische DDR-SED-Augen-Links-Partei-Sportfunktionäre auch noch zu ehren, für die Doping-Opfer ausgeben. Wieviel Jugendliche haben die zu 3 Jahren Militärdienst gepresst? Üblere Sachen nicht ausgeschlossen.
Die meißten Stasis sind in der CDU Nicht bei den Linken. Sogar in den Kirchen tummelten sich manche Lumpen. Dort gab es Westgeld für die Stasi,die eigendlich für Kirchgebäude gedacht war.
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