Umstrittene Methode Rath-Trainer plant Rollkur für Totilas

Es ist eine umstrittene Anwendung, die Rollkur spaltet die Pferdewelt. Nun soll auch der Millionen-Hengst Totilas mit dieser Methode trainiert werden. Das kündigte der Vater und Trainer von Totilas-Reiter Matthias Rath an.

Wunderpferd Totilas: "Bis zu einem gewissen Maß nicht schädlich"
dapd

Wunderpferd Totilas: "Bis zu einem gewissen Maß nicht schädlich"

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Hamburg - Es ist ein heikles Vorhaben: Klaus Rath, Vater und Trainer von Dressurreiter Matthias Rath, hat gegenüber SPIEGEL ONLINE angekündigt, dass der designierte neue Coach Sjef Janssen auch bei Wunderpferd Totilas seine gängigen Methoden anwenden wird. Dazu gehört unter anderem die umstrittene Rollkur.

"Wir sind gegen alles, was mit dem Tierschutz nicht vereinbar ist. Aber es gibt viele Untersuchungen, die zu dem Schluss gekommen sind: Bis zu einem gewissen Maße ist die Rollkur nicht schädlich", sagte Klaus Rath: "Auch in Deutschland muss man lernen, andere, erfolgreiche Systeme wie das der Niederlande anzuerkennen und zu würdigen. Und zu dem System von Sjef Janssen gehört im Übrigen weit mehr als diese Methode." Rath verwies unter anderem auf die athletischen Übungen für Pferd und Reiter.

Janssen gilt als Erfinder der Rollkur. Dabei wird das Pferd vom Reiter durch Zügeleinwirkung dazu gebracht, den Hals unnatürlich einzurollen und somit zu überdehnen. Das Pferd kann aufgrund der erzwungenen Haltung des Kopfes nur eingeschränkt sehen. Die Internationale Reiterliche Vereinigung hat diese Methode, ohne "aggressive Kraft" angewendet, genehmigt.

Doch die Methode steht in der Kritik. Klaus Balkenhol, Olympiasieger, früherer Trainer Raths und ehemaliger US-Coach, verkündete: "Wir bedauern zutiefst, dass Matthias Alexander Rath diesen umstrittenen Weg beschreiten will." Und weiter: "Die von Sjef Janssen vertretene Methode ist nach unserer Erkenntnis nicht mit den Grundsätzen einer pferdegerechten Ausbildung vereinbar."

Mit einer Petition hatte die Deutsche Reiterliche Vereinigung im Jahr 2010 die generelle Abschaffung der Rollkur gefordert. Auch Klaus Rath hatte diese Petition unterstützt. Er sagt heute: "Es gehört im Leben dazu, dass man seine Meinung auch mal revidiert. Wir haben uns mit dem Thema intensiv beschäftigt und uns wohlüberlegt für diesen Weg entschieden. Wenn mit unseren Pferden etwas gemacht werden soll, das nicht unseren Grundsätzen entspricht, werden wir automatisch einschreiten."

Janssen wird nach den Olympischen Spielen in London seine Aufgabe als niederländischer Nationalcoach abgeben und sich fortan um die Pferde von Matthias Rath kümmern. Dazu gehört auch Weltrekord-Hengst Totilas, mit dem er schon arbeitete, als noch Edward Gal auf ihm geritten ist.

Das Duo hatte vor seiner Trennung Ende 2010, als das Pferd für rund zehn Millionen Euro an Paul Schockemöhle verkauft wurde, etliche internationale Titel gewonnen und Weltrekorde in den drei schwierigsten Dressurprüfungen aufgestellt.



insgesamt 17 Beiträge
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Dr. Fuzzi 10.02.2012
1. Och Joh!
Aus rein wirtschaftlicher Sicht ist es nachvollziehbar, das sich Klaus Rath heute von seiner im Jahr 2010 unterstützten Petition zur generellen Abschaffung der Rollkur distanziert. Es ist leider so, das im Grunde alle heute relevanten Pferde mit Spitzenplazierungen, nach dieser Methode "trainiert" werden. Der "sportliche" und finanzielle Erfolg dank Tierquälerei, sollte vom Publikum nicht weiter honoriert, sondern vielmehr absolut geächtet werden.
thorwet 10.02.2012
2. Tierquälerei
Zitat von sysopdapdEs ist eine umstrittene Anwendung, die Rollkur spaltet die Pferdewelt. Nun soll auch der Millionen-Hengst Totilas mit dieser Methode trainiert werden. Das kündigte der Vater und Trainer von Totilas-Reiter Matthias Rath an. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,814628,00.html
Selbst dem reiterlichen Laien muß die gestelzte Ausdrucksweise des Herrn Rath:"Bis zu einem gewissen Maße ist die Rollkur nicht schädlich", bzw. die Wortwahl der FN: "Die Internationale Reiterliche Vereinigung hat diese Methode, ohne "aggressive Kraft" angewendet, genehmigt." auffallen. Was auch ein Hr. Balkenhol öffentlich nur als "umstrittenen Weg" bezeichnen kann, ist in der Szene ein ganz heißes Thema, wie früher das sogenannte Barren. Auf der Ebene der Beteiligten wird mit Rücksicht auf andere "Interessen" als dem Wohl des Tieres um einen Wortlaut gerungen, wohl auch, um ein breiteres Publikum nicht zu verschrecken, der an der eigentlichen Sache vorbei geht: Selbst wenn nur ein Verdacht der Schädigung des Pferdes durch Rollkur/Hyperflexion bestünde, würde ein verantwortungsvoller Pferdemensch kein Risiko eingehen und die Finger von solchen "Trainingsmethoden" lassen. Nun gibt es aber Experten, die sprechen eindeutig von Tierquälerei! Diese Gegner der Rollkur argumentieren zum Wohle des Pferdes. Die Befürworter zweifeln spitzfindig an, daß es zwangsläufig zu einer Schädigung kommen muß. Z.B. anhand der Publikationen von Herrn Dr. Heuschmann, kann sich jeder mit den anatomischen Gegebenheiten im Allgemeinen und dem Thema Rollkur im Speziellen beschäftigen. Man muß schon sehr verbohrt sein, um diese "Trainingsmethode" danach noch zu verteidigen!
Gertrud Stamm-Holz 10.02.2012
3. aber natürlich
Zitat von sysopdapdEs ist eine umstrittene Anwendung, die Rollkur spaltet die Pferdewelt. Nun soll auch der Millionen-Hengst Totilas mit dieser Methode trainiert werden. Das kündigte der Vater und Trainer von Totilas-Reiter Matthias Rath an. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,814628,00.html
Aber natürlich kann so ein bisschen Quälerei dem Tier nicht schaden. Ich hätte gerne die Reiter so schikaniert gesehen. Das ganze Thema ist nur ekelhaft.
barlog 10.02.2012
4.
Zitat von sysopdapdEs ist eine umstrittene Anwendung, die Rollkur spaltet die Pferdewelt. Nun soll auch der Millionen-Hengst Totilas mit dieser Methode trainiert werden. Das kündigte der Vater und Trainer von Totilas-Reiter Matthias Rath an. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,814628,00.html
Schade, daß ein Pferdelaie wie ich aus diesem Artikel nicht erfährt, wozu dieses Überdehnen der Pferdehalswirbelsäule "gut" sein soll. Besonders würde mich die Meinung dieses Herrn (http://www.der-xxlostfriese.de/) hierzu interessieren.
thorwet 11.02.2012
5. Tierquälerei
Zitat von sysopdapdEs ist eine umstrittene Anwendung, die Rollkur spaltet die Pferdewelt. Nun soll auch der Millionen-Hengst Totilas mit dieser Methode trainiert werden. Das kündigte der Vater und Trainer von Totilas-Reiter Matthias Rath an. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,814628,00.html
Selbst dem reiterlichen Laien muß die gestelzte Ausdrucksweise des Herrn Rath:"Bis zu einem gewissen Maße ist die Rollkur nicht schädlich", bzw. die Wortwahl der FN: "Die Internationale Reiterliche Vereinigung hat diese Methode, ohne "aggressive Kraft" angewendet, genehmigt." auffallen. Was auch ein Hr. Balkenhol öffentlich nur als "umstrittenen Weg" bezeichnen kann, ist in der Szene ein ganz heißes Thema, wie früher das sogenannte Barren. Auf der Ebene der Beteiligten wird mit Rücksicht auf andere "Interessen" als dem Wohl des Tieres um einen Wortlaut gerungen, wohl auch, um ein breiteres Publikum nicht zu verschrecken, der an der eigentlichen Sache vorbei geht: Selbst wenn nur ein Verdacht der Schädigung des Pferdes durch Rollkur/Hyperflexion bestünde, würde ein verantwortungsvoller Pferdemensch kein Risiko eingehen und die Finger von solchen "Trainingsmethoden" lassen. Nun gibt es aber Experten, die sprechen eindeutig von Tierquälerei! Diese Gegner der Rollkur argumentieren zum Wohle des Pferdes. Die Befürworter zweifeln spitzfindig an, daß es zwangsläufig zu einer Schädigung kommen muß. Z.B. anhand der Publikationen von Herrn Dr. Heuschmann, kann sich jeder mit den anatomischen Gegebenheiten im Allgemeinen und dem Thema Rollkur im Speziellen beschäftigen. Man muß schon sehr verbohrt sein, um diese "Trainingsmethode" danach noch zu verteidigen!
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