Umstrittene Tätigkeit Handball-Manager Hanning muss Job bei Wettfirma aufgeben

Ärger in der Handball-Bundesliga: HBL-Vizepräsident Bob Hanning ist aufgrund seiner Geschäftsbeziehung zu einem privaten Sportwettenanbieter in die Kritik geraten. Nach Informationen des SPIEGEL hat ein Mitglied des Liga-Aufsichtsrats bereits seinen Rücktritt erklärt.

Füchse-Manager Hanning: Vom Liga-Aufsichtsrat gerüffelt
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Füchse-Manager Hanning: Vom Liga-Aufsichtsrat gerüffelt


Hamburg - Bob Hanning, der Manager des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin, muss seine Geschäftsbeziehungen zu dem privaten Sportwettenanbieter Digibet künftig ruhen lassen. Dies beschloss der Aufsichtsrat der Handball-Bundesliga (HBL) vorige Woche in Köln. Hanning, der auch Vizepräsident der HBL ist, tritt als Werbepartner für die Wettfirma auf und gibt nach eigenen Angaben für das Unternehmen "Expertentipps in verschiedenen Sportarten ab, allerdings nie zu Spielen der Füchse".

Nach Informationen des SPIEGEL soll Hanning gegenüber Dritten freimütig eingeräumt haben, dass er mit seinem Insiderwissen Quoten für Spiele im deutschen Profihandball, die Digibet festlegt, vor Veröffentlichung auf ihre Plausibilität hin überprüfe und bewerte. Diese Darstellung bestreitet Hanning. Auf seiner privaten Homepage existierte bis vorigen Freitag ein Link zu Digibet. Dort organisierte der Handballmanager ein Tippspiel mit Verweis auf den Wettanbieter. Um Manipulation vorzubeugen, hat die HBL angeordnet, dass deutsche Proficlubs Spielern in ihren Arbeitsverträgen ein Wettverbot erteilen.

Der Vorgang führte bereits zu personellen Konsequenzen: HBL-Aufsichtsratsmitglied Hans-Peter Krämer trat am Freitag wegen Hannings Geschäftsbeziehung von seinem Amt zurück, wie er SPIEGEL ONLINE auf Anfrage bestätigte.

Krämer hatte Hanning zuvor über die Liga-Geschäftsstelle aufgefordert, entweder sofort als Ligafunktionär zurückzutreten oder eine Eidesstattliche Erklärung beizubringen, aus der klar hervorgehe, nie Sportwetten bewertet zu haben. Hanning lehnte dies ab. Aus Liga-Kreisen verlautete, Hanning habe stattdessen erklärt, sich im Rahmen einer Präsidiumssitzung am Sonntag in Berlin zu äußern. Hanning selbst wollte auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE am Freitag noch keine Stellung dazu nehmen.

In einer Phase, in der der deutsche Sport um eine Liberalisierung dieses Marktes ringe, könne er die Nähe Hannings zu Sportwetten nicht hinnehmen, begründete Krämer seinen Rücktritt auf Anfrage. "Und ich möchte unter keinen Umständen den Deutschen Olympischen Sportbund in Verlegenheit bringen." Krämer fungiert im Dachverband des deutschen Sports als "Vizepräsident Finanzen und Wirtschaft".

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