Umstrittene Würdigung Ostdeutsches Rad-Idol fehlt in der Ruhmeshalle

Die Deutsche Sporthilfe tut sich schwer mit der Bewertung des DDR-Sports. So wird zwar die ostdeutsche Sprinterin Renate Stecher trotz Kritik von Dopingopferm  in die Hall of Fame des Sports aufgenommen. Dafür verzichtet man aber auf den Radsportler Täve Schur.

DDR-Radstar Schur: Kein Platz in der Ruhmeshalle
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DDR-Radstar Schur: Kein Platz in der Ruhmeshalle


Hamburg - Die von der Stiftung Deutsche Sporthilfe gegründete "Hall of Fame" des deutschen Sports sorgt für Ärger. Nach der Kritik des Dopingopfer-Hilfevereins (DOH) strich die 28-köpfige Jury bei der Neuaufnahme von 21 Mitgliedern die geplante Berufung des ehemaligen Radstars Gustav-Adolf "Täve" Schur. Sie nahm aber die Sprint-Olympiasiegerin Renate Stecher in den Kreis der Auserwählten auf. Der DOH hatte die beabsichtigte Aufnahme der beiden DDR-Stars als "Irrweg" bezeichnet und bei der "Hall of Fame" die "völlige Geschichtslosigkeit" beklagt.

Mit den 21 neuen Mitgliedern, die von 1945 bis zu den Olympischen Spielen von 1972 in München im Sport Herausragendes geleistet haben, ist die Ruhmeshalle auf 66 Sport-Persönlichkeiten erweitert worden. Neu aufgenommen wurden die Eiskunstlauf-Legenden Marika Kilius/Hans-Jürgen Bäumler, Turnerin Karin Büttner-Janz, Eisschnelllauf-Olympiasieger Erhard Keller, Willi Kuhweide (Segeln), Eberhard Schöler (Tischtennis) oder Georg Thoma (Nordische Kombination).

Einen Ehrenplatz erhielt auch der frühere Torwart Bernd Trautmann, der als erster Deutscher zum Fußball-Star in England wurde. Außerdem sind neun außergewöhnliche Leichtathleten - Heide Ecker-Rosendahl, Ulrike Meyfarth-Nasse, Lieselotte Westermann-Krieg, Heinz Fütterer, Armin Hary, Willi Holdorf, Martin Lauer, Klaus Wolfermann und Renate Stecher - in die "Hall of Fame" gewählt worden.

Stecher-Aufnahme steht in der Kritik

Die Aufnahme der dreifachen Olympiasiegerin Stecher - sie lief als erste Frau über 100 Meter unter 11,0 Sekunden - wird von den DDR-Doping-Geschädigten kritisiert. Trotz Doping-Missbrauchs habe Stecher "ihre vergiftete Vergangenheit" kategorisch verleugnet, lautete der Vorwurf des DOH schon vor der offiziellen Bekanntgabe ihrer Aufnahme. Ebenso hatte der DOH die geplante Wahl Schurs abgelehnt, weil er als "hochdekorierter Sportheld" auch eine "zentrale Propagandafigur des kriminellen DDR-Sports" gewesen sei.

"In der Sache ist es inkonsequent, Schur nicht und Stecher doch aufzunehmen. Positiv gesehen: Die Sporthilfe war unseren Argumenten zwar nicht unzugänglich. Der Selbstfindungsprozess in dieser Sache muss aber noch stattfinden", sagte DOH-Sprecherin Ines Geipel. Zugleich kündigte sie eine alternative "Hall of Fame" an. "Die Idee ist da", sagte die frühere DDR-Sprinterin.

"Die Historie der Teilung Deutschlands, seiner unterschiedlichen Systeme und der Wiedervereinigung stand bei der Entscheidung der Jury dem ausgesprochen herausfordernden Anspruch gegenüber, nicht mit unterschiedlichem Maß zu messen", sagte Michael Ilgner, Vorsitzender des Vorstands der Sporthilfe zur Diskussionen über die Kandidaten.

In einer zweijährigen Vorauswahl hatten die Spitzensportverbände und die Mitglieder des Verbandes Deutscher Sportjournalisten nahezu 200 Sportler und Persönlichkeiten für die "Hall of Fame" vorgeschlagen. Die Auswahl wurde auf 25 Vorschläge verdichtet, von denen sich 23 Kandidaten der Wahl stellten. Die Nominierten hätten sich freiwillig einer Überprüfung durch die Stasi-Unterlagenbehörde unterzogen, teilte die Sporthilfe mit. Die offizielle Aufnahme findet am 20. Mai im Rahmen der Benefiz-Gala "Goldene Sportpyramide" in Berlin statt.

aha/dpa



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Annika Hansen, 11.05.2011
1. Statt
Zitat von sysopDie Deutsche Sporthilfe tut sich schwer mit der*Bewertung des DDR-Sports. So wird zwar die ostdeutsche Sprinterin Renate Stecher trotz Kritik von Dopingopferm**in die Hall of Fame des Sports aufgenommen. Dafür verzichtet man aber auf den Radsportler Täve Schur. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,762010,00.html
sich daran aufzugeilen, untersucht endlich einmal die Naziverstrickungen der jungen Bundesrepublik! Da hat die BRD derartig viel Dreck am Stecken, dass es mehr als einen Kercher braucht!
krass23 11.05.2011
2. Wir sind ein Volk - hahaha
Ausgerechnet Täve Schur wird gestrichen. Ich gratuliere Euch zu Eurer Engstirnigkeit, zu Eurer Intoleranz, Eigenlob, Selbstüberhebung. Sport ist eine wunderbare Sache, aber auch da muss der Kalte Krieg noch nachträglich den Osten zerstören. Weiter so in ein "gemeinsames Deutschland". Freundschaft
barlog 11.05.2011
3.
Zitat von sysopDie Deutsche Sporthilfe tut sich schwer mit der*Bewertung des DDR-Sports. So wird zwar die ostdeutsche Sprinterin Renate Stecher trotz Kritik von Dopingopferm**in die Hall of Fame des Sports aufgenommen. Dafür verzichtet man aber auf den Radsportler Täve Schur. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,762010,00.html
Wenn ich einem zutraue, einer der erfolgreichsten Radsportler durch eisenharten Willen und einer Menge Nudeln geworden zu sein, dann ist das Täve ! Auch, wenn er mit seinen Ansichten heute manchmal wie ein Fossil aus längst vergangenen DDR-Zeiten wirkt - das ist ein aufrechter Typ, der als sportliches Vorbild weit besser geeignet ist als so manche ZDF-Sportjournalistin.
Gipsel 11.05.2011
4. Nicht nur Täve Schur fehlt!
Zitat von krass23Ausgerechnet Täve Schur wird gestrichen. Ich gratuliere Euch zu Eurer Engstirnigkeit, zu Eurer Intoleranz, Eigenlob, Selbstüberhebung. Sport ist eine wunderbare Sache, aber auch da muss der Kalte Krieg noch nachträglich den Osten zerstören. Weiter so in ein "gemeinsames Deutschland". Freundschaft
Nun, wenn man sich ansieht, wer da so in dieser "Hall of Fame" rumgeistert, dann ist es wirklich erstaunlich, daß man sich bei den doch überzeugenden Erfolgen in den noch eher ungedopten 50er/Anfang 60er Jahren dagegen entschieden hat. Aber vielleicht ist es ja der Bruch einer Lanze für die Leichtathletik und nächstes Jahr wird dann Marita Koch in die Hall of Fame aufgenommen? Ihre Dominanz über die 200 und vor allem 400m, dem Aufstellen von 15 Weltrekorden in olympischen Disziplinen - darunter mit den 400m den ältesten immer noch gültigen (schon über 25 Jahre!) der Leichtathletik - rechtfertigen, ja erfordern aus objektiver Sicht geradezu die Aufnahme. Denn wie lautet gleich nochmal der Leitgedanke der Hall of Fame? Ich zitiere:
kwifte 11.05.2011
5. Einem untadeliger Sportsmann und Mensch
wie Täve Schur wird diese "Ruhmeshalle" am Allerwertesten vorbei gehen. Die Westdeutschen Sieger der Geschichte haben nun einmal andere Vorstellungen von Sportsgeist und Fairness, und das lassen sie die ehemaligen Ostsportler gerne spüren.
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