Von Sebastian Krause
Hamburg - Universum is back: So steht es zumindest auf einem großen Transparent gegenüber dem Eingang mit all den prominenten Boxern. Als der Hamburger Boxstall sein neues Sportcenter der Öffentlichkeit präsentiert, wird aber ersichtlich, dass man sich nicht nur zurückmelden will, sondern auch ein neues Image pflegen möchte.
Von den großen Zeiten mit viel Glanz und Gloria hat man sich verabschiedet: Es gibt keinen Dariusz Michalczewski mehr, keine Regina Halmich, die Klitschko-Brüder sind abgewandert, Felix Sturm ebenso. Künftig soll alles eine Nummer kleiner sein, kein Tamtam mehr, weniger Show, stattdessen konzentriert man sich in Zukunft mehr auf das Kerngeschäft - den Sport. "Universum lebt weiter - und zwar mit all seinen Boxern", sagte Chef-Trainer Michael Timm. Der Boxstall hat harte Zeiten hinter sich, nachdem sich erst die besten Boxer und dann das Fernsehen mit seinen lukrativen Verträgen verabschiedet haben. Es drohte sogar das komplette Aus.
Solche Negativschlagzeilen wollte man am Tag der Offenen Tür in dem neuen Gym im Hamburger Stadtteil Lohbrügge vergessen machen: Stattdessen gab es Boxeinlagen fürs Publikum. Die anwesenden Boxer, unter anderem Ina Menzer, Denis Boizow oder Rachim Tschakchijew, führten mit ihren Trainern Timm und Artur Grigorian vor, was die Vielseitigkeit des Boxens ausmacht. PR-Arbeit der bescheidenen Sorte.
Ina Menzer gilt als neues Aushängeschild
Boizow demonstrierte Schlagkraft am Sandsack, und Menzer übte artig Seilchenspringen. Für jeden Gast bestand die Möglichkeit, sich selbst an den Geräten oder im Ring auszuprobieren. Am Anfang überwog da allerdings noch die Zurückhaltung. Nach viel Überredungsarbeit und einer gefühlten Ewigkeit traute sich dann doch der Erste an den Sandsack. Besonders die jüngeren Box-Fans ließen sich später denn doch die Chance nicht entgehen, einmal mit Menzer im Ring zu stehen.
Diese lockere Trainingseinheit kam der 31-Jährigen ganz gelegen, denn sie gilt bei Universum als eine der größten Anwärterin auf einen WM-Kampf in naher Zukunft. "Ina wird definitiv wieder um die WM boxen", kündigte der neue Universum-Geschäftsführer Waldemar Kluch, Nachfolger des langjährigen Universum-Paten Klaus-Peter Kohl, an. Mit der neuen Halle, die Kluch und seinen Partnern gehört, sollen Training und Wettkampf an einem Ort verbunden werden. Deshalb sind bereits Kampfabende für Januar und März anvisiert und danach sollen laut Kluch alle sechs bis acht Wochen Kämpfe stattfinden.
Zum Ende des Tages gab es noch ein paar Runden richtiges Boxen von den Amateuren zu sehen. Für Kluch sollen Talente das neue Fundament von Universum bilden. "Mit der neuen Amateurschule wollen wir verstärkt im Amateurboxen tätig werden und dann die Jungen gezielt auf das Profiboxen vorbereiten", sagt Kluch.
Doch alleine damit wird sich der namhafte Boxstall nicht über Wasser halten können. Es fehlt noch an vielem: ein großer TV-Sender, prominent besetzte Kämpfe und Titel. So wird sich in naher Zukunft zeigen, ob Universum mit der neuen Halle wieder für positive Schlagzeilen sorgen kann oder bald doch der letzte Gong ertönt.
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