Handball-Nationalmannschaft Endlich erfolgreich

Unter dem neuen Bundestrainer Dagur Sigurdsson gewinnt die deutsche Handball-Nationalmannschaft wieder wichtige Spiele. Der Isländer traf vor der Partie gegen Österreich genau die richtige Entscheidung - gegen seinen Vereinstorwart.

Aus Wien berichtet Michael Wilkening

Handball-Bundestrainer Sigurdsson: Vier Spiele, drei Siege, ein Remis
DPA

Handball-Bundestrainer Sigurdsson: Vier Spiele, drei Siege, ein Remis


Dagur Sigurdsson hat eine Eigenschaft, die ihn für den Posten des deutschen Handball-Nationaltrainers besonders qualifiziert: Der Isländer ist besonders gelassen. Von Hektik um sich herum lässt sich der 41-Jährige nicht anstecken. Im Gegenteil: Er scheint zu immer mehr Ruhe zu finden, je größer der Trubel um ihn herum ist.

Das war Sonntagabend nicht anders, als Sigurdsson mit der Auswahl des Deutschen Handballbunds (DHB) einen 28:24-Sieg in Österreich feierte. Es war der zweite Erfolg im zweiten Spiel der EM-Qualifikation. Unter dem Nachfolger von Martin Heuberger ist die deutsche Mannschaft in vier Partien noch ungeschlagen. Es scheint, als habe der DHB mit der Verpflichtung von Sigurdsson die richtige Entscheidung getroffen.

Der 41-Jährige hat in den zurückliegenden Jahren aus den Füchsen Berlin eine Top-Mannschaft der Bundesliga gemacht und zwischen 2008 und 2010 dafür gesorgt, dass die österreichische Landesauswahl bei der Heim-Europameisterschaft im Januar 2010 Neunter wurde. Seine Aufgabe beim DHB ist allerdings größer, neunte Plätze reichen im größten Handball-Verband der Welt nicht aus.

Österreich härtester Konkurrent um Platz zwei

Die Partie in der Albert-Schultz-Eishalle in Wien war auch deshalb so wichtig gewesen, weil Österreich als härtester Konkurrenz um Platz zwei hinter dem amtierenden Weltmeister Spanien gilt. Und das deutsche Team bewies, dass es dem Druck standhalten kann. "Wir haben den Glauben gewonnen", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning nach dem Sieg.

In der jüngeren Vergangenheit hatten die Deutschen alle Partien verloren, in denen viel auf dem Spiel stand, zuletzt Anfang Juni gegen Polen in der WM-Qualifikation. Dass Deutschland dennoch beim Turnier in Katar Anfang kommenden Jahres (11. bis 27. Januar 2015) dabei sein wird, hat das Team einer fragwürdigen Wildcard des Weltverbandes zu verdanken. Daher sagte Hanning nach dem Sieg in Wien mit einem Augenzwinkern: "Die Chancen stehen gut, dass wir uns mal wieder sportlich für ein Turnier qualifizieren."

Sigurdsson bewies in Wien schon bei der Benennung der Startformation, dass Erbhöfe und Leistungen der Vergangenheit für ihn keine Bedeutung haben, wenn sie nicht mit der Gegenwart übereinstimmen. Überraschend stand Carsten Lichtlein im Tor, Silvio Heinevetter blieb nur der Platz auf der Bank. Sigurdsson, bei den Füchsen Vereinstrainer von Heinevetter, zog seinen Spielplan durch und wurde durch die Leistung des Torhüters des VfL Gummersbach bestätigt. "Das war ein Bauchgefühl", sagte der Bundestrainer später.

Lichtlein wurde in der zweiten Halbzeit zum Matchwinner, als er just in der Phase, in der die Begegnung hätte kippen können, mehrere starke Paraden zeigte. Als die Österreicher innerhalb von zwei Minuten aus einem 12:15 ein 15:15 gemacht hatten, die Halle tobte und die Gastgeber im Angriff waren, hielt Lichtlein die Deutschen im Spiel. Insgesamt 16 Paraden des Keepers waren einer der Gründe für den Sieg von Sigurdssons Team.

"Ich war schon etwas überrascht, dass ich angefangen habe", gab Lichtlein zu: "Gegen Polen haben wir den Kopf verloren, heute aber das Ding durchgezogen."



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insgesamt 2 Beiträge
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Direwolf 03.11.2014
1. Alles schön und gut
Aber 6 Tore aus dem Rückraum gegen Österreich sind einfach zu wenig
Lankoron 03.11.2014
2. Ganz ruhig...
und feiert einen Sieg über Östereich doch bitte nicht gleich wie nen WM-Titel...Erst mal sehen, was das Team sportlich gegen grosse ausrichten kann. Die "Chance" dazu hat man ja dank des Teilnahmegeschenks.
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