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Unterwasser-Rugby: "Danach ist man komplett erledigt"

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Blaue Flecken gehören einfach dazu: Unterwasser-Rugby ist nichts für Zartbesaitete. Der raue Kampf in der Tiefe des Beckens bringt alles mit, was Sport faszinierend macht. Allein das Zuschauen ist schwierig.

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Wenn Anja Kausch auf einer Party ist und der Gesprächsstoff auszugehen droht, muss sie nur erzählen, welchen Sport sie ausübt. Das zieht immer. Dann darf die Berlinerin erst einmal ein bisschen erklären. Anja Kausch spielt Unterwasser-Rugby - und das ist eine Disziplin, die mit Randsportart noch höflich umschrieben ist.

Was wohl auch daran liegt, dass man vom Beckenrand aus fast nichts von dem sieht, was sich dort in vier bis fünf Metern Tiefe abspielt. Wie der Name der Sportart schon sagt, findet alles wesentliche unter der Wasseroberfläche statt. Ab und an taucht jemand auf und holt Luft, dann geht es wieder ins Getümmel.

"Das ist natürlich ein bisschen schade für die Zuschauer", findet auch Wolfgang Treß, der das Team der Sporttaucher Berlin trainiert. Schließlich sei Unterwasser-Rugby eine "faszinierende Sportart". Dass dies erst so wenige Leute mitbekommen hätten, habe auch mit der Außendarstellung zu tun. Ohne Unterwasserkameras ist es ein Sport unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Die Anforderung, dreidimensional zu denken

Unterwasser-Rugby ist ein einfaches Spiel. Bei dem Sport kämpfen zwei Teams darum, einen Ball ins Ziel zu bringen. Das Spielgerät ist mit Salzwasser gefüllt und daher so schwer, dass es auch unter Wasser sinkt. Als Tore gelten zwei Metallkörbe, die am Beckenboden angebracht sind. Absolviert werden zweimal 15 Minuten - "danach ist man aber auch komplett erledigt", sagt Treß. Gespielt wird zumeist in den Sprungbecken der Hallenbäder. Nur dort ist es tief genug.

Was den Sport durchaus einzigartig macht, ist seine Anforderung, dreidimensional zu denken. Der ballführende Spieler kann von allen Seiten angegriffen werden, von rechts, von links, aber eben auch von oben und unten. "Es ist ein bisschen so wie beim Quidditch-Spiel im Harry-Potter-Roman", sucht Treß nach einer Vergleichsmöglichkeit.

Und wie beim Zauberlehrling kommen auch beim Unterwasser-Rugby die Akteure nicht ohne Blessuren davon. Blaue Flecken gehören genauso zur Grundausstattung wie Schnorchel und Schwimmflossen. "Das ist nun einmal ein Kontaktsport, man muss das schon mögen", sagt Kausch. Nicht alle tun das.

Erst auf dem Weg der Professionalisierung

"Wir hatten hier auch schon sehr gute Sporttaucher, die haben nach dem ersten Mal sofort abgewunken", so Treß: "Die konnten es einfach nicht ertragen, dauernd angefasst zu werden." Immerhin: Laut Regelwerk sind Schlagen, Würgen, Treten, sowie "übermäßiges Verdrehen von Gliedmaßen" untersagt.

Die Kappen sind vom Wasserball ausgeliehen, die Tauchermasken sind in Heimarbeit zusammengebastelt - "der Sport ist gerade erst auf dem Weg, sich zu professionalisieren", sagt Treß. Unterwasser-Rugby ist gerade einmal 40 Jahre alt, es gibt lediglich ein paar hundert Aktive in Deutschland, mangels Masse trainieren und spielen Männer und Frauen gemeinsam in gemischten Teams - aber es gibt schon ein durchstrukturiertes Ligasystem, es gibt Europa- und Weltmeisterschaften. Auf der Organisationsebene zumindest tut Unterwasser-Rugby schon einmal so, als wäre es ein großer Sport.

Der in den sechziger Jahren in Mülheim an der Ruhr von ein paar DLRG-Schwimmern erfunden wurde. Dort wurde 1980 auch die erste WM ausgetragen. Mittlerweile wird Unterwasser-Rugby auch anderswo erfolgreich gespielt. Der aktuelle Weltmeister kommt aus Norwegen. In Kolumbien gilt es als Trendsportart. Selbst Treß weiß nicht, wieso gerade dort.

Er kann es aber bestens nachvollziehen, warum der Sport seine Anhänger auch in anderen Ländern findet: "Ich hab es eigentlich nur einmal ausprobieren wollen. Seitdem macht mir nichts anderes mehr Spaß."

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1. Schön...
RugbyLeaguer 28.03.2012
Zitat von sysopDPABlaue Flecken gehören einfach dazu: Unterwasser-Rugby ist nichts für Zartbesaitete. Der rauhe Kampf in der Tiefe des Beckens bringt alles mit, was Sport faszinierend macht. Allein das Zuschauen ist schwierig. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,823005,00.html
wäre es wenn die Medien dem "normalen" Rugby bzw Rugby League mehr Aufmerksamkeit schenken würden...
2. Zuschauerproblem
DonCarlos 28.03.2012
Zitat von sysopDPABlaue Flecken gehören einfach dazu: Unterwasser-Rugby ist nichts für Zartbesaitete. Der rauhe Kampf in der Tiefe des Beckens bringt alles mit, was Sport faszinierend macht. Allein das Zuschauen ist schwierig. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,823005,00.html
Einmal habe ich 15 Minuten zugesehen. Hinterher bin ich mangels Bewegung schlotternd aus dem Sprungbecken gestiegen. Es dürfte wohl die einzige Sportart sein, wo es Zuschauer im Spielfeld gibt.
3. Uwr
jules123 28.03.2012
Zitat von sysopDPABlaue Flecken gehören einfach dazu: Unterwasser-Rugby ist nichts für Zartbesaitete. Der rauhe Kampf in der Tiefe des Beckens bringt alles mit, was Sport faszinierend macht. Allein das Zuschauen ist schwierig. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,823005,00.html
Schön auch mal was über seltenere Sportarten zu lesen. Es gibt übrigens auch eine reine Damenliga (aktuell aber nur mit 6 Teams), es spielen also nicht immer Männer mit Frauen zusammen. Bei Spielen der normalen Liga dürfen Frauen aber immer bei den Männeren mitspielen. Auch die Altersstruktur ist in vielen Teams sehr bunt. Und es macht süchtig.
4. Einfach geiler Sport!
WasserRalli 28.03.2012
Zitat von sysopDPABlaue Flecken gehören einfach dazu: Unterwasser-Rugby ist nichts für Zartbesaitete. Der rauhe Kampf in der Tiefe des Beckens bringt alles mit, was Sport faszinierend macht. Allein das Zuschauen ist schwierig. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,823005,00.html
Unterwasserrugby ist jetzt schon seit 34 Jahren mein Hauptsport. Ich habe fast 15 Jahre in der Bundesliga mitgespielt und ein einigen DM'en teilgenommen. Mittlerweile spielen fast 1500 Spieler/innen in den verschiedenen deutschen Ligen. Es ist ein schnelles Spiel, variantenreich, Kraft raubend and Ausdauer fo(e)rdernd - und sehr fair (!). Aller Körperlichkeit zum Trotz gibt es über blaue Flecken und Kratzer hinaus fast keine Verletzungen. Für mich gibt es keinen schöneren Sport. Allerdings müssen die Masken nicht selbst gebastelt werden: gute Tauchmasken gibt es überall zu kaufen, lediglich die Bänderung wird von einigen Spielern ausgetauscht, damit die Maske im Getümmel nicht so schnell vom Kopf rutscht.
5. UWR 4 ever
hansejung 28.03.2012
Ja dem kann ich mich nur anschließen! Unterwasserrugby ist absolut mein Sport. Ich kann mir nichts besseres vorstellen. Freue mich schon im Mai wieder gegen die Sporttaucher spielen zu dürfen!!!
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