Von Lukas Rilke
Hamburg - Der Mastersplatz in Augusta ist berühmt für perfekte Grüns und samtene Fairways, im National Golf Club steht kein Grashalm an der falschen Stelle. Auf dem Kurs sind perfekt getimte Putts und gerade Drives gefragt.
Beides zeigte Bubba Watson beim ersten Major des Jahres zuhauf. Doch der Schlag, der dem 33-Jährigen US-Amerikaner den Sieg bringen sollte, lag nicht auf dem Fairway, auch nicht auf dem Grün. Er kam aus dem Wald.
Im Stechen gegen den Südafrikaner Louis Oosthuizen verzog Watson seinen Abschlag an dem 453 Meter langen zehnten Loch, einem Par 4, und landete ihn im Unterholz auf einem Bett aus Kiefernnadeln.
Oosthuizen blieb mit seinem zweiten Schlag zu kurz, und Watson zeigte große Golfkunst. Er fand eine kleine Lücke im Blätterwerk und legte seinen Ball aus rund 140 Metern dicht an die Fahne und rettete das Par. Oosthuizen brauchte einen Schlag mehr, Watson feierte seinen ersten Major-Titel und durfte ins grüne Sieger-Jackett schlüpfen. "Selbst in meinen Träumen habe ich nicht mit einem Sieg beim Masters gerechnet", sagte Watson, der nach seinem Sieg minutenlang weinend Gratulationen von seiner Familie und Kollegen entgegen nahm.
"Das war ein unglaublicher Schlag von Bubba", zollte Oosthuizen dem Sieger seinen Respekt. "Ich selbst habe gut gespielt - aber er war besser. Er hat den Sieg wirklich verdient", so der 29-Jährige. Den Einzug ins Stechen verpasst hatte Phil Mickelson, der mit einem Triple-Bogey am vierten Loch seine Siegchancen vertan hatte. Der dreimalige Masters-Sieger wurde am Ende Dritter, gemeinsam mit Lee Westwood, Matt Kuchar und Peter Hanson.
Woods weit abgeschlagen
Der mit großen Hoffnungen ins Turnier gegangene Tiger Woods landete mit fünf Schlägen über Par auf einem schwachen 40. Platz, ebenso wie das 22-jährige Supertalent Rory McIlroy aus Nordirland. Noch einen Schlag mehr benötigte Martin Kaymer. Der Deutsche freute sich jedoch über den ersten gemeisterten Cut bei dem Turnier: "Es hat mir Riesenspaß gemacht. Ich habe viel gelernt und mental einen großen Schritt nach vorn getan. Auch wenn das Resultat nicht gerade berauschend war."
Vor zwei Jahren hatte Kaymer Watson bei der PGA Championship im Stechen bezwungen. Bei den US Open 2007 landete der Mann aus Bagdad, Florida, auf Platz fünf. Ansonsten konnte der Weltranglisten-16. bei den großen vier Turnieren des Jahres sein Können bislang nicht über alle vier Wettkampftage abrufen.
Damit, dass er sich das Spiel als Kind selbst beibrachte, hat dies jedoch nichts zu tun. Watson gilt wegen seines Talents schon lange bei jedem Major-Turnier zum erweiterten Favoritenkreis. Auf der US-Profitour hat niemand einen weiteren Abschlag als der Linkshänder mit dem pinken Driver, rund 288 Meter lässt Watson den Ball im Durchschnitt fliegen (Tour-Durchschnitt: rund 260 Meter). Aber er kann es auch mit Gefühl: Die Statistik für die meisten getroffenen Grüns mit dem dafür vorgesehenen Schlag führt Watson ebenfalls an. Doch so wie im Stechen am Sonntag meistert selbst Bubba Watson den Annäherungsschlag nicht alle Tage.
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