Doping-Affäre: US-Justizministerium stellt Strafantrag gegen Armstrong

Ex-Radprofi Armstrong: Regierung will Sponsorengelder zurück Zur Großansicht
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Ex-Radprofi Armstrong: Regierung will Sponsorengelder zurück

Die US-Regierung macht ernst: Das Justizministerium will viele Millionen Dollar von Lance Armstrong zurück. Der Ex-Radprofi soll gegen die Sponsoren-Vereinbarungen mit US Postal verstoßen haben. Armstrongs Anwälte argumentieren, die staatliche Postbehörde habe von ihrem Engagement profitiert.

Hamburg - Das US-Justizministerium hat einen Strafantrag gegen den ehemaligen Radsport-Star Lance Armstrong gestellt. Die Regierung will erreichen, dass der Dopingsünder die von der staatlichen Postbehörde US Postal bezahlten Millionen Dollar zurückgeben muss.

Das Unternehmen war Namensgeber und Hauptsponsor des Radteams, dessen Star Armstrong von 1998 bis 2004 war. In diesen Jahren hatte er sechs seiner sieben Tour-de-France-Titel (1999 bis 2004) gewonnen. Nach Angaben der Regierung hat US Postal damals rund 40 Millionen Dollar in das Team gepumpt, davon gingen 17 Millionen (rund 13 Millionen Euro) an Armstrong.

Im Antrag, der sich auch gegen den früheren US-Postal-Teamchef Johan Bruyneel richtet, heißt es, Armstrong habe sich "unrechtmäßig bereichert. Die Fahrer haben die Sponsoren-Vereinbarungen durch systematisches Doping verletzt." Armstrongs Anwalt hat indes kein Verständnis für den Schritt. "Der Strafantrag ist opportunistisch und verlogen", sagte Elliott Peters der Nachrichtenagentur AFP. "US Postal hat vom Sponsoring gewaltig profitiert und war niemals das Opfer eines Betrugs", so Peters.

Haben die Sponsoren einen Schaden von Armstrongs Geständnis?

Genau dieser Aspekt ist auch bei anderen möglichen Verfahren von entscheidender Bedeutung. Nahezu alle Sponsoren haben früher von Armstrong und dessen Erfolgen profitiert. Die Frage ist, ob im Nachhinein, da der Radprofi Doping gestanden hat, den Sponsoren ein Schaden entstanden ist und wenn ja, ob dieser schwerer wiegt als der Profit aus dem Engagement mit Armstrong. Der 41-Jährige hatte im Januar zugegeben, bei all seinen sieben Tour-de-France-Siegen gedopt gewesen zu sein.

Hat das US-Justizministerium mit seinem Vorstoß Erfolg, könnte es teuer für Armstrong werden. Das Gericht hat nach US-Recht die Möglichkeit, die Schadenssumme zu verdreifachen. Das Justizministerium hatte sich vor zwei Monaten einer Klage von Armstrongs ehemaligem Teamkollegen Floyd Landis angeschlossen. Dieser hatte Armstrong des Betrugs an Steuerzahlern und der Regierung bezichtigt.

ham/sid

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1.
Business Ethics 24.04.2013
Zitat von sysopDie US-Regierung macht ernst: Das Justizministerium will viele Millionen Dollar von Lance Armstrong zurück. Der Ex-Radprofi soll gegen die Sponsoren-Vereinbarungen mit US Postal verstoßen haben. Armstrongs Anwälte argumentieren, die staatliche Postbehörde habe von ihrem Engagement profitiert. US-Justizministerium stellt Strafanzeige gegen Armstrong - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/us-justizministerium-stellt-strafanzeige-gegen-armstrong-a-896178.html)
Na das ist ja mal eine Argumentation, die ich mir merken muss: da Sie von meinem Verbrechen, von dem Sie zwar nichts wußten, profitiert haben, haben Sie jetzt kein Recht mich wegen dieses Verbrechens anzuklagen und müssen meine Taten als legitim anerkennen. ODer so ähnlich jedenfalls. Man, ist mir schecht! Ich hoffe, dass die Klage erfolgreich ist und der Doper vor dem Herrn zu triple damages verurteilt wird!
2. heutiger Schaden ist auch Image-Verlust der Doping-Sponsoren
plagiatejäger 24.04.2013
Praktisch jede Firma, die Leistungssport fördert, weiß, daß sie eigtl. nur Doping fördert. Bei der Tour de Farce aber weiß doch jeder Sponsor zu hundert Prozent, daß alle Top100-Fahrer irgendwann auch auffliegen können. Ich boykottiere alle Doping-Firmen so weit möglich. Leistungssport hat v.a. im Fernsehen doch nix verloren, das sind alles Geisteskranke, die sich ihr Hirn und ihren Rest-Körper kaputt machen - die Gesellschaft muss diese Krüppel später auch noch mitschleppen.
3.
Hafturlaub 24.04.2013
Zitat von Business EthicsNa das ist ja mal eine Argumentation, die ich mir merken muss: da Sie von meinem Verbrechen, von dem Sie zwar nichts wußten, profitiert haben, haben Sie jetzt kein Recht mich wegen dieses Verbrechens anzuklagen und müssen meine Taten als legitim anerkennen. ODer so ähnlich jedenfalls. Man, ist mir schecht! Ich hoffe, dass die Klage erfolgreich ist und der Doper vor dem Herrn zu triple damages verurteilt wird!
Jetzt ist Doping also schon ein Verbrechen? Lächerlich! Ich kann die Argumentation Armstrongs Verteidiger durchaus nachvollziehen.
4. Argumentation?
wildpudel 24.04.2013
Ich verstehe diese Argumentation auch nicht. Was spielt es für eine Rolle, ob und inwieweit U.S. Postal davon profitiert hat oder nicht (falls sich das überhaupt irgendwie messen lässt)? Wenn im Sponsoringvertrag festgehalten wurde, dass im Team keine unlauteren Mittel benutzt werden dürfen (was vermutlich eine Standardklausel ist), dann handelt es sich schlicht um Vertragsbruch.
5. .
Christ 32 24.04.2013
es wird einzig darauf ankommen ob es im Vertrag eine Klausel gibt die Doping verbietet. prinzipiell haben beide Recht die Sponsoren haben durch das Doping und die damit verbundenen Siege in erheblichem Maße profitiert und ebenso ist Ihnen durch das Geständnis ein Imageschaden entstanden der ggf. zu ersetzen ist. ich halte im Zusammemhang mit Doping Betrugsvorwürfe für unsinnig
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Sieger Land Titel Zeitraum
Lance Armstrong USA 7* 1999-2005
Miguel Indurain Spanien 5 1991-1995
Bernard Hinault Frankreich 5 1978-1985
Eddy Merckx Belgien 5 1969-1974
Jacques Anquetil Frankreich 5 1957-1964
Greg LeMond USA 3 1986-1990
Louison Bobet Frankreich 3 1953-1955
Philippe Thys Belgien 3 1913-1920
*alle Titel wegen Dopings aberkannt