Kyrgios-Gegner kritisiert Schiedsrichter "Sie verkaufen uns für dumm"

Nick Kyrgios' Gespräch mit dem Hauptschiedsrichter im Spiel gegen Pierre-Hugues Herbert sorgt für Ärger. Der Unterlegene fordert nun eine Bestrafung des Referees - und bekommt prominente Unterstützung.

RAY STUBBLEBINE/EPA-EFE/REX/Shutterstock

"Ich will dir helfen. Ich weiß, das bist du nicht." Mit diesen Worten versuchte der Schiedsrichter Mohamed Lahyani, auf Nick Kyrgios in dessen Zweitrundenpartie gegen Pierre-Hugues Herbert einzuwirken. Und tatsächlich: Seine Worte schienen zu helfen. Beim Stand von 4:6, 0:3 drehte der Australier plötzlich auf und gewann am Ende deutlich 4:6, 7:6, 6:3, 6:0. (Lesen Sie hier mehr zu dem Vorfall)

Nicht nur im Netz wird die Szene diskutiert. Der Amerikanische Tennisverband (USTA) hat sich in einem Statement zum Vorfall geäußert und teilte mit, dass sich Lahyani nur nach Kyrgios' Gesundheit erkundigen wollte und aufgrund der Lautstärke auf dem Platz vom Stuhl gestiegen sei. Das wiederum ärgerte Herbert maßlos. "Die wollen uns wohl für dumm verkaufen", schrieb er bei Twitter.

Herbert kritisierte Lahyanis Verhalten und zeigte zugleich Verständnis. "Er hat einen Fehler gemacht. Dafür sollte er bestraft werden. Aber er ist auch nur ein Mensch, so wie ich. Auch ich mache Fehler", sagte der 27-Jährige. Dennoch warte er immer noch auf eine plausible Erklärung.

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Schiedsrichter-Einmischung bei US Open: Immer wieder Kyrgios

"Wenn wir Spieler Fehler begehen, werden wir dafür bestraft"

Für Herbert hatte der Referee eine Grenze überschritten. Welche Rolle das für den Ausgang des Matches hatte, wollte er nicht bewerten. "Alles, was ich weiß, ist, dass Nick von diesem Zeitpunkt an ein anderer Spieler war."

Prominente Unterstützung bekam Herbert von Roger Federer. Der Rekord-Grand-Slam-Sieger, der in der dritten Runde der US Open Kyrgios' Gegner sein wird, sagte: "Ein Schiedsrichter sollte seinen Stuhl nicht verlassen. Ich weiß nicht, was er gesagt hat, es ist mir auch egal. Er war zu lange unten, es war ein Gespräch, das kann deine ganze Denkweise ändern."

Herbert beendete sein Statement mit dem Satz: "Wenn wir Spieler Fehler begehen, werden wir dafür bestraft." Geht es nach Herbert, wird nun auch Layhani für sein Verhalten bestraft.

bam/sid



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nesmo 31.08.2018
1. In jedem Fall fehlte Transparenz
Ein Schiedsrichter, der von seinem Stuhl klettert und mit einem schlecht spielenden Spieler ein Privatgespräch, führt, von dessen Inhalt keiner etwas mitbekommt, handelt unfair. Wenn nicht erkennbar ist, dass es sich allein um ein Gespräch über eine Verletzung handelt, ist es unfair. Der Schiedsrichter ist auch nicht befugt einem verletzten Spieler gut zuzureden, jedenfalls nicht über ein auch vom Mitspieler akzeptiertes Maß hinaus. Dazu muss der Mitspieler an dem Gespräch teilnehmen. Ein Schiedsrichter muss erkennbar neutral sein.
jandalriada 31.08.2018
2. Mentale Stärke
Beim Tennis läuft sehr viel über mentale Stärke, Selbstzweifel über Returns und Aufschläge können Spiele verändern. Schon bei den U12ern ist Coaching durch Eltern und Außenstehende untersagt. Für mich war das unerlaubtes Coaching und kein unbefangenes schiedsrichtern
schwarzweißinfarbe 31.08.2018
3. Zitat
Ich zitiere mal aus einer anderen Diskussion zu dem Thema. Finde die Erklärung sehr gut. „Tennis ist ein sehr konservativer Sport. Teil der Regeln ist es "ehrenvoll und mit vollem Einsatz"zu spielen. Ein Spieler, der nicht sein Bestes gibt, kann verwarnt, mit Punkabzug bestraft und sogar disqualifiziert werden. Sein Preisgeld kann einbehalten werden. Meistens sagen die Schiedsrichter aber nix, solange die fehlende Motivation nicht zu offensichtlich ist. Kyrgios ist sehr talentiert, hat aber immer wieder Spiele abgeschenkt, wenn es nicht lief und Mohamed Lahyani ist wohl der am meisten respektierte Schiedsrichter und hat auch in der Vergangenheit schon Spieler dazu angehalten, mehr Einsatz zu zeigen und zu kämpfen (Bernard Tomic). Es geht ja auch darum, dass den Zuschauern etwas für ihr Geld geboten wird.“
MyMoon 31.08.2018
4. Spiel gerettet
Man muss auch den Schiedsrichter verstehen. Der australische Spieler lief unmotiviert um den Platz und hat keine Anstalten gemacht ein Spiel abzuliefern das es wert war. Auch war der Spieler in der Vergangenheit bekannt dafür Spiele einfach mal herzugeben (in China). Nach dem ersten Satz sind schon die Hälfte der Zuschauer enttäuscht gegangen. Und bevor das Spiel vor leerer Kulisse weitergeht hat sich der Schiedsrichter versichert das der Spieler auch körperlich in der Lage ist das Spiel anständig zu Ende zu bringen. Er hat den Spieler nur aufgefordert fair das zu geben was die Zuschauer die teure Karten gekauft haben, sehen wollen. Sonst passiert das was beim Boxen vor 1 Woche abgelaufen ist. Der Boxer läuft aus dem Ring nachdem er dem Gegner in die Augen gesehen hat und sieht das er Chancenlos ist. Das ist kein Sport sondern Betrug.
touri 31.08.2018
5.
Zitat von jandalriadaBeim Tennis läuft sehr viel über mentale Stärke, Selbstzweifel über Returns und Aufschläge können Spiele verändern. Schon bei den U12ern ist Coaching durch Eltern und Außenstehende untersagt. Für mich war das unerlaubtes Coaching und kein unbefangenes schiedsrichtern
Nicht nur beim Tennis, das gilt für alle Sportarten. Ich habe z.B. mal ein Tischtennismatch in einem Pokalspiel gegen jemanden gewonnen der 2 Ligen über mir gespielt hat, weil er die Nerven verloren hat nach ein paar guten Aktionen von mir und schlechten von ihm, sowas wird schnell zum Selbstläufer und ist Teil des Wettkampfs. Insofern halte ich das Verhalten des Schiedsrichters für extrem unsportlich, weil es sich wahrscheinlich Spielentscheident ausgewirkt hat.
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