Ausraster im US-Open-Finale Serena Williams muss 17.000 Dollar Strafe zahlen

Der US-amerikanische Tennisverband hat Serena Williams für ihre Wutausbrüche im Endspiel der US Open mit einer Geldstrafe belegt. In Höhe von nicht mal einem Prozent ihres Preisgeldes.

Serena Williams (r.), Schiedsrichter Carlos Ramos
AFP

Serena Williams (r.), Schiedsrichter Carlos Ramos


Für ihre Schimpftiraden und Regelverstöße im Finale der US Open muss Serena Williams eine Geldstrafe in Gesamthöhe von 17.000 US-Dollar zahlen. Das hat der US-Tennisverband (USTA) bestätigt. Darin enthalten sind Einzelstrafen für Schiedsrichterbeleidigung ("verbal abuse") in Höhe von 10.000 Dollar, für das unerlaubte Coaching durch ihren Trainer Patrick Mouratoglou (4.000 Dollar) sowie das Zertrümmern ihres Schlägers auf dem Boden (3.000 Dollar).

Williams hatte sich bei ihrer Niederlage im Endspiel gegen die 20-jährige Japanerin Naomi Osaka über die Entscheidung von Stuhlschiedsrichter Carlos Ramos aufgeregt, sie wegen Coachings zu verwarnen. Immer wieder hatte sie gerufen: "Ich betrüge nicht!" Die 36-Jährige forderte Ramos wiederholt auf, die Entscheidung zurückzunehmen, bezeichnete ihn als Lügner und später als Dieb, weil er ihr zunächst einen Punkt und in Folge ihrer anhaltenden Beschimpfungen ein ganzes Spiel abgezogen hatte.

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Im Match gegen Osaka war Williams chancenlos. Sie verlor 2:6, 4:6 und gratulierte der jungen Japanerin zum verdienten Sieg. Ihre Diskussion mit dem Schiedsrichter führte sie nicht als Ausrede für die Niederlage an, bezichtigte Ramos auf der Pressekonferenz nach dem Finale aber des Sexismus.

"Wäre es ein Herren-Match gewesen, wäre das alles so nicht passiert"

"Ich habe Männer gesehen, die andere Dinge zu anderen Schiedsrichtern gesagt haben", sagte Williams. "Ich bin hier, um für Frauenrechte, Gleichberechtigung und all das zu kämpfen. Ich habe ihn als Dieb bezeichnet, weil er mir das Spiel weggenommen hat, das fühlt sich für mich sexistisch an. Einem Mann hätte er dafür nie ein Spiel weggenommen."

Unterstützung bekam Williams unter anderem von Tennislegende Billie Jean King, die während ihrer Karriere für Gleichberechtigung gekämpft hat. "Wenn eine Frau emotional ist, ist sie 'hysterisch' und wird bestraft", schrieb King bei Twitter. "Wenn ein Mann dasselbe macht, ist er 'offenherzig' und es hat keine Folgen. Vielen Dank, Serena Williams, dass du diese Doppelmoral offen ansprichst. Wir brauchen mehr Stimmen, die dasselbe tun."

Auch die zweimalige US-Open-Finalistin Viktoria Asarenka stellte sich auf die Seite von Williams. "Wäre es ein Herren-Match gewesen, wäre das alles so nicht passiert", schrieb die Weißrussin auf Twitter.

Die Profitennis-Organisation der Damen (WTA) verlangte, Frauen und Männer gleich zu behandeln, wenn sie sich auf dem Platz emotional verhalten. "Wir glauben nicht, dass dies gestern Abend getan wurde", hieß es in einer Stellungnahme von WTA-Chef Steve Simon.

Vergessen sollte man aber auch nicht, dass die Verwarnungen und Strafen des Schiedsrichters gegen Williams regelkonform waren.

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Die Geldstrafe wird Williams verschmerzen können. Der Betrag wird direkt von ihrem Preisgeld abgezogen. Als unterlegene Finalistin kassiert sie 1,85 Millionen Dollar. US-Open-Champion Osaka stehen 3,8 Millionen Dollar zu - ohne Abzüge.

mmm/AP/rtr

insgesamt 22 Beiträge
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MisterD 09.09.2018
1. Das wäre ungefähr so...
als müssten Sie als Normalverdiener zur Strafe eine Briefmarke kaufen, nachdem Sie jemanden beschimpft und beleidigt haben... Warum verhängt man solche Witzstrafen für Multimillionäre?
Bronko 09.09.2018
2. Respekt eingebüßt
Großartige Sportlerin, aber die Sexismuskarte zu ziehen finde ich absurd. Es schadet der Anti-Sexismus-Bewegung, wenn eine schlechte Verliererin sich auf Sexismus beruft, wenn sie gleich mehrfach gegen geltende Regeln verstößt und die dafür vorgesehene Strafe nicht akzeptieren kann.
gruffelo 09.09.2018
3. nachvollziehbar, aber überheblich und unsouverän
Nachvollziehbar, dass sie sich ärgert, aber eine so erfahrene Profi-Spielerin sollte wissen, dass sie mit ihren absurden Schiedsrichterbeleidigungen alles nur schlimmer macht. Und ihr Trainer sollte wissen, dass er keine Zeichen machen darf. Peinlich erst die "Mum"-Karte und dann die Sexismus (wenn zwei Frauen spielen??) Karte zu ziehen. Einfach Klappe halten und weiterspielen wäre professionell gewesen.
peterpretscher 09.09.2018
4. Sexismus ja, gegen die Herren, die....
Zitat von BronkoGroßartige Sportlerin, aber die Sexismuskarte zu ziehen finde ich absurd. Es schadet der Anti-Sexismus-Bewegung, wenn eine schlechte Verliererin sich auf Sexismus beruft, wenn sie gleich mehrfach gegen geltende Regeln verstößt und die dafür vorgesehene Strafe nicht akzeptieren kann.
.....Turnier im Durchschnitt, Best of 3 Sets, 40% länger arbeiten müssen!
albatross507 09.09.2018
5. Schlechte Verliererin
Hätte ein männlicher Spieler eine Schiedsrichterin beleidigt, wäre es garantiert übelster Sexismus. Tut es eine Frau und wird (milde) bestraft, ist es auch Sexismus, weil sie regelkonform bestraft wird. Kommen die Amerikanerinnen gar nicht mehr ohne Sexismus-Vorwurf aus?
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