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08. September 2018, 23:42 Uhr

US Open

Serena Williams verliert Finale nach Punkt- und Spielabzug

Was für ein Drama in New York: Serena Williams hat sich im Finale der US Open mit dem Schiedsrichter angelegt. Davon profitierte die junge Japanerin Naomi Osaka, die ihren ersten Grand-Slam gewann.

"Ich betrüge nicht. Lieber verliere ich." Mit diesen Worten begann im Endspiel der US Open ein verbales Duell zwischen Serena Williams und Stuhlschiedsrichter Carlos Ramos, an dessen Ende die 23-fache Grand-Slam-Siegerin in Tränen ausbrach und eine bittere Niederlage hinnehmen musste. Die haushohe Favoritin Williams verlor das Finale gegen die 20-jährige Japanerin Naomi Osaka 2:6, 4:6.

Was war passiert? Das Drama begann, als Williams im zweiten Satz eine 3:1-Führung aus der Hand gegeben hatte. Nach einem gewonnenen Ballwechsel reckte ihr Trainer Patrick Mouratoglou den Daumen nach oben. Vermutlich, um Williams zu motivieren. Schiedsrichter Ramos wertete die Geste als unerlaubtes Coaching und verwarnte Williams. Damit begann eine Phase, die es so in der US-Open-Geschichte wohl noch nicht gegeben hat.

Williams, die nach einer Mutterschaftspause in diesem Jahr ihr Comeback auf der Tour gegeben hatte, sagte dem Schiedsrichter immer wieder, dass sie keine Betrügerin sei. "Ich habe eine Tochter. Ich betrüge nicht." Die 36-Jährige konnte und wollte sich nicht beruhigen. Sie bezeichnete Ramos zunächst als Lügner. Als der Unparteiische sie erneut verwarnte und mit einem Punktabzug bestrafte, legte sie nach: "Du bist nicht nur ein Lügner, sondern auch noch ein Dieb."

Postpartale Stimmungsschwankungen

Ramos reagierte erneut, wohlgemerkt gemäß den Regeln, und zog Williams beim Stand von 3:4 im zweiten Satz ein ganzes Aufschlagspiel ab. Damit stand es plötzlich 3:5 und die Favoritin servierte gegen den Matchverlust. Williams wurde von ihren Emotionen übermannt und hatte Tränen in den Augen.

Vor Beginn der US Open hatte sie sich öffentlich dazu bekannt, dass sie seit der Geburt ihrer Tochter Alexis Olympia im September 2017 an postpartalen Stimmungsschwankungen leidet. Dies könnte zu dem Ausbruch beigetragen haben. Als es während des Matches nicht gut lief, hatte die 36-Jährige auch einen Schläger zertrümmert, eine Aktion, die man von ihr sonst nicht kennt.

Nach dem Spielabzug rief Williams die Supervisor auf den Platz und erklärte wieder und wieder, dass sie keine Betrügerin sei. An der Entscheidung änderte das nichts. Die US-Amerikanerin brachte ihr folgendes Aufschlagspiel zwar durch, musste sich dann aber der stark spielenden Osaka geschlagen geben, die das Match souverän nach Hause brachte.

Osaka schreibt japanische Sportgeschichte

Es war nicht nur der erste Grand-Slam-Titel für die 20-Jährige, sondern auch der erste japanische Erfolg bei einem der vier Major-Turniere. Das Publikum quittierte die strittigen Schiedsrichterentscheidungen mit Buhrufen. Als das Match beendet war, zeigte sich Williams - wie schon nach ihrer Finalniederlage gegen Angelique Kerber in Wimbledon - als gute Verliererin. Bei der anschließenden Siegerehrung bat die US-Amerikanerin die Zuschauer darum, fair zu bleiben und Osaka zu feiern. "Naomi hat toll gespielt und verdient gewonnen", sagte Williams. "Wir müssen ihr Respekt erweisen, weil sie Respekt verdient hat."

Das stimmt.

Was man bei dem Ärger um Williams nämlich nicht übersehen sollte: Osaka hatte wie schon während der gesamten US Open auch im Finale sensationell gespielt und schon den ersten Satz dominiert, in dem es noch keine Diskussionen um den Schiedsrichter gab. "Es war immer mein Traum, irgendwann mal in einem Grand-Slam-Finale zu stehen. Eins zu gewinnen, und dann auch noch gegen Serena, ist unglaublich", sagte Osaka. "Es tut mir leid, dass es so zu Ende gegangen ist, aber ich bin trotzdem überglücklich."

Die gute Nachricht: Am Ende bekam Osaka nicht nur die Siegertrophäe, sondern auch den verdienten Applaus von den Tribünen.

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