US Open Serena Williams verliert Finale nach Punkt- und Spielabzug

Was für ein Drama in New York: Serena Williams hat sich im Finale der US Open mit dem Schiedsrichter angelegt. Davon profitierte die junge Japanerin Naomi Osaka, die ihren ersten Grand-Slam gewann.

JASON SZENES/EPA-EFE/REX/Shutterstock

"Ich betrüge nicht. Lieber verliere ich." Mit diesen Worten begann im Endspiel der US Open ein verbales Duell zwischen Serena Williams und Stuhlschiedsrichter Carlos Ramos, an dessen Ende die 23-fache Grand-Slam-Siegerin in Tränen ausbrach und eine bittere Niederlage hinnehmen musste. Die haushohe Favoritin Williams verlor das Finale gegen die 20-jährige Japanerin Naomi Osaka 2:6, 4:6.

Was war passiert? Das Drama begann, als Williams im zweiten Satz eine 3:1-Führung aus der Hand gegeben hatte. Nach einem gewonnenen Ballwechsel reckte ihr Trainer Patrick Mouratoglou den Daumen nach oben. Vermutlich, um Williams zu motivieren. Schiedsrichter Ramos wertete die Geste als unerlaubtes Coaching und verwarnte Williams. Damit begann eine Phase, die es so in der US-Open-Geschichte wohl noch nicht gegeben hat.

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US Open: Wie Serena Williams die Kontrolle und das Match verlor

Williams, die nach einer Mutterschaftspause in diesem Jahr ihr Comeback auf der Tour gegeben hatte, sagte dem Schiedsrichter immer wieder, dass sie keine Betrügerin sei. "Ich habe eine Tochter. Ich betrüge nicht." Die 36-Jährige konnte und wollte sich nicht beruhigen. Sie bezeichnete Ramos zunächst als Lügner. Als der Unparteiische sie erneut verwarnte und mit einem Punktabzug bestrafte, legte sie nach: "Du bist nicht nur ein Lügner, sondern auch noch ein Dieb."

Postpartale Stimmungsschwankungen

Ramos reagierte erneut, wohlgemerkt gemäß den Regeln, und zog Williams beim Stand von 3:4 im zweiten Satz ein ganzes Aufschlagspiel ab. Damit stand es plötzlich 3:5 und die Favoritin servierte gegen den Matchverlust. Williams wurde von ihren Emotionen übermannt und hatte Tränen in den Augen.

Vor Beginn der US Open hatte sie sich öffentlich dazu bekannt, dass sie seit der Geburt ihrer Tochter Alexis Olympia im September 2017 an postpartalen Stimmungsschwankungen leidet. Dies könnte zu dem Ausbruch beigetragen haben. Als es während des Matches nicht gut lief, hatte die 36-Jährige auch einen Schläger zertrümmert, eine Aktion, die man von ihr sonst nicht kennt.

Nach dem Spielabzug rief Williams die Supervisor auf den Platz und erklärte wieder und wieder, dass sie keine Betrügerin sei. An der Entscheidung änderte das nichts. Die US-Amerikanerin brachte ihr folgendes Aufschlagspiel zwar durch, musste sich dann aber der stark spielenden Osaka geschlagen geben, die das Match souverän nach Hause brachte.

Osaka schreibt japanische Sportgeschichte

Es war nicht nur der erste Grand-Slam-Titel für die 20-Jährige, sondern auch der erste japanische Erfolg bei einem der vier Major-Turniere. Das Publikum quittierte die strittigen Schiedsrichterentscheidungen mit Buhrufen. Als das Match beendet war, zeigte sich Williams - wie schon nach ihrer Finalniederlage gegen Angelique Kerber in Wimbledon - als gute Verliererin. Bei der anschließenden Siegerehrung bat die US-Amerikanerin die Zuschauer darum, fair zu bleiben und Osaka zu feiern. "Naomi hat toll gespielt und verdient gewonnen", sagte Williams. "Wir müssen ihr Respekt erweisen, weil sie Respekt verdient hat."

Das stimmt.

Naomi Osaka
JOHN G MABANGLO/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Naomi Osaka

Was man bei dem Ärger um Williams nämlich nicht übersehen sollte: Osaka hatte wie schon während der gesamten US Open auch im Finale sensationell gespielt und schon den ersten Satz dominiert, in dem es noch keine Diskussionen um den Schiedsrichter gab. "Es war immer mein Traum, irgendwann mal in einem Grand-Slam-Finale zu stehen. Eins zu gewinnen, und dann auch noch gegen Serena, ist unglaublich", sagte Osaka. "Es tut mir leid, dass es so zu Ende gegangen ist, aber ich bin trotzdem überglücklich."

Die gute Nachricht: Am Ende bekam Osaka nicht nur die Siegertrophäe, sondern auch den verdienten Applaus von den Tribünen.

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insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
marsxpress 09.09.2018
1. Naomi Osaka ?
Gratulation an Naomi Osaka. Tolle Spielerin! Schade um das Geplänkel mit den Verwarnungen. Serena Williams ist ein toller Champion, die sich hier besser im Griff haben muss. Insgesamt geht der Sieg von Osaka nach dem tollen ersten Satz voll in Ordnung.
lee-achim 09.09.2018
2. Absolut korrekte Schiedrichtereintscheidungen
Man moege sich, sofern irgendwo verfuegbar, das Filmchen anschauen in dem der Trainer nicht ¨thumbs up¨ gibt sondern eindeutige Instruktionen fuer Serena. Daher ganz klar coaching. Das ganze Theater seitens SW war einer Spielerin wie ihr voellig unwuerdig und eine Entschuldigung ihrerseits bei der Siegerehrung waere die richtige Reaktion gewesen, um hier etwas die Luft ´rauszunehmen. Und dass SW nicht wegen der Schiedsrichterentscheidungen verloren hat, sondern einfach weil Naomi Osaka besser gespielt hat, ist ohnehin klar.
Zündkerze 09.09.2018
3. äußerst unfair
das Publikum in Flushing Meadows. Da dachte ich immer das gerade in diesem Land nur die Leistung zählt und Niederlagen mit Würde und als Ansporn angenommen werden. Das war sehr enttäuschend, das das Publikum der verdienten Gewinnerin die Siegesfeier so vermiest hat. Es ist für die Amerikaner wohl schwer zu ertragen, das gerade eine Japanerin ihre Tennis Königin auf dem eigenen Platz weggefegt hat und nun dabei ist, sie bald endgültig vom Thron zu stoßen. Eine Bemerkung zum Coaching noch: es haben schon ganz andere Spieler/innen einen Verwarnung wegen noch belangloseren Gesten aus der Tribune erhalten und dies auch ohne Murren akzeptiert. Weil es nichts bringt eine Diskussion vom Zaun zu brechen (ich habe übrigens nicht nur den Daumen hoch sehen können, sondern ganz klare Anweisungen). Für Frau Serena Williams war es nur so, Sie hat gemerkt das Sie an diesem Abend keinen Blumentopf gegen ihre Gegnerin gewinnen kann, da musste dann eine Ausrede herbeigeredet werden.
s1m0nw0chn3r 09.09.2018
4. Unverständlich
Für mich unverständlich wie Serena trotz all ihre Jahre als Profi die Entscheidung des Schiedsrichters nicht einfach akzeptiert, sondern sich so rein steigert und sich ihr ganzes Spiel kaputt macht. Die Siegerehrung mit Osaka war sehr rührend, wie sie sich beim Publikum entschuldigt, das Serena nicht gewonnen hat und bei Serena bedankt, dass sie ihre Gegnerin war.
oliver_loessl 09.09.2018
5. Daumen hoch...?
Reichlich Drama beim Finale. Aber leider hat der Autor die Situation nicht richtig gesehen und dreht dadurch die Verwarnung des Schiedsrichters in ein komplett falsches Licht. Daumen hoch ist natürlich kein Coaching und auch deshalb nicht des Verwarnens würdig. Aber die Handbewegung nach vorne mit Blickkontakt zu Serena - um ihr zu signalisieren, dass sie mehr nach Vorne gehen soll kann durchaus als Coaching gewertet werden. Wer die Situation nicht gesehen hat muss beim Lesen des Artikels denken, dass der Schiedsrichter hier komplett willkürlich gehandelt hat. Das stimmt aber leider nicht. Man kann durchaus diskutieren, ob Coaching in dieser Form überhaupt geahndet werden soll - aber momentan sind hier nunmal die Regeln klar definiert - ob man das nun für richtig hält oder nicht. Egal - sportlich hat Naomi auf jeden Fall verdient gewonnen. Well done !
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