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09. September 2018, 09:48 Uhr

Ausraster bei US Open

Als Serena Williams die Nerven verlor

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"Lügner", "Dieb" - und nun noch ein Sexismusvorwurf: Serena Williams hat sich im Finale der US Open massiv mit dem Schiedsrichter angelegt. Ging es nur um einen Punktabzug? Was noch dahinterstecken könnte.

Spätestens wenn sich Venus Williams aus ihrer Box erhebt, um ihre Schwester lautstark anzufeuern, wissen die Zuschauer: Auf dem Platz spielen sich besondere Szenen ab. Die 38-Jährige - sonst eher bekannt für ihre Zurückhaltung - verliert nur selten die Fassung.

Doch beim Stand von 3:5 im zweiten Satz sah sie sich offenbar gezwungen, aufzuspringen. Ihr Engagement sollte an der drohenden Niederlage nichts mehr ändern. Die zwei Jahre jüngere Schwester verlor ihr 31. Grand-Slam-Finale nach einer dramatischen Partie 2:6, 4:6 gegen die Japanerin Naomi Osaka.

Zuvor drohte die Situation zu eskalieren. Serena Williams schimpfte, zertrümmerte ihren Schläger, legte sich mit dem sehr erfahrenen Stuhlschiedsrichter Carlos Ramos an. Sie nannte ihn einen "Lügner" und "Dieb". Was war geschehen?

Schiedsrichter Ramos hatte ihr wenige Momente zuvor eine Verwarnung ausgesprochen, weil sie verbotenerweise Anweisungen ihres Trainers Patrick Mouratoglou bekommen hatte. Der Franzose hat das sogenannte "Coaching" gegenüber dem TV-Sender ESPN mittlerweile zugegeben. Zunächst bekam Williams einen Punkt und wenig später sogar ein ganzes Spiel abgezogen. Im Tennis ein äußerst seltener Vorgang.

Auch auf der anschließenden Pressekonferenz konnte sich Serena Williams nicht beruhigen. Sie legte nach und warf dem Unparteiischen Sexismus vor. "Ich habe andere Männer gesehen, die andere Dinge zu anderen Schiedsrichtern gesagt haben", sagte Williams. "Ich bin hier, um für Frauenrechte, Gleichberechtigung und all das zu kämpfen. Ich habe ihn als Dieb bezeichnet, weil er mir ein Spiel weggenommen hat, das fühlt sich für mich sexistisch an. Einem Mann hätte er dafür nie ein Spiel weggenommen." Ramos hatte den Court noch vor der Siegerehrung verlassen.

Bei all den harten Worten darf eines nicht vergessen werden: Williams wollte die Vorkommnisse auf dem Platz zu keinem Zeitpunkt als Ausrede nutzen. Sie wusste, dass sie an diesem Abend im ausverkaufen Arhur-Ashe-Stadion verdient gegen Osaka verloren hatte. Ihr gegenüber verhielt sie sich fair, umarmte sie nach dem Matchball lang und innig und sprach ihr auf der Siegerehrung ein großes Lob aus. Doch vielleicht war genau das der Grund für ihren Wutausbruch.

Williams' Rückkehr an die Spitze gestaltet sich schwierig

Williams wird in zwei Wochen 37 Jahre alt. Sie weiß, dass auch ihre Karriere endlich ist. Eigentlich hat die ehemalige Weltranglistenerste seit ihrem ersten Profimatch vor über 20 Jahren längst alles erreicht: 23 Grand-Slam-Erfolge im Einzel, 14 im Doppel, hinzu kommen unglaubliche vier Goldmedaillen bei Olympischen Spielen.

Doch es heißt, sie sei besessen von dem Gedanken, den Rekord von Margaret Court zu brechen. Die Australierin gewann zu ihrer Zeit in den Sechziger- und Siebzigerjahren insgesamt 24 Major-Titel, Williams will angeblich so lange spielen, bis sie einen Grand-Slam-Titel mehr geholt hat.

Doch das gestaltet sich schwierig. Williams war es jahrelang gewohnt, ihre Spiele zu dominieren. Nicht selten zog sie ohne Satzverlust in ein Grand-Slam-Endspiel ein. Und auch nach der Geburt ihrer Tochter Olympia, die mit großen Komplikationen verbunden war, tut sie das noch. Doch die Frau, die in ihrer Laufbahn fast 90 Millionen US-Dollar eingespielt hat, ist längst nicht mehr unantastbar.

Manchen Gegnerinnen gelingt es mittlerweile, das hohe Tempo mitzugehen. Osaka war Williams nicht nur körperlich überlegen, sie war auch in der Lage, sich ein verlorenes Aufschlagspiel direkt im Anschluss zurückzuholen. Williams, die seit ihrem Comeback im März in Indian Wells "nur" 18 von 25 Partien gewonnen hat, muss härter für ihre Erfolge kämpfen als jemals zuvor.

Osakas Triumph geriet nach Williams' Ausraster etwas in den Hintergrund. Die neue Weltranglistensiebte gewann als erste Japanerin überhaupt bei einem der vier großen Turniere. Sie ähnelt in ihrem Spielstil ihrer Finalgegnerin und könnte das Frauentennis der kommenden Jahre prägen. Bei den US Open verlor sie nur einen Satz, ansonsten waren ihre Gegnerinnen chancenlos. Auch Serena Williams.

Diese wird bei den Australian Open im Januar einen neuen Anlauf nehmen, um den Rekord von Margaret Court einzustellen. Sollte die 36-Jährige ein weiteres Grand-Slam-Endspiel erreichen, wird sich der zuständige Verband zweimal überlegen müssen, ob er Carlos Ramos als Schiedsrichter auf den Stuhl setzt.

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