US-Sportligen Die Vierklassengesellschaft

Football, Baseball, Basketball und Eishockey stehen in Deutschland im Schatten von Fußball und Formel 1. Nicht so in den USA: Dort bestimmen die "Großen Vier" den Sport. Das Magazin "SPONSORS" blickt in einer Serie auf die US-Ligen und zeigt, dass Football im TV-Geschäft die Nummer eins ist.

Kansas' Running Back Battle springt in die Endzone: "Die NFL ist die Nummer eins"
REUTERS

Kansas' Running Back Battle springt in die Endzone: "Die NFL ist die Nummer eins"

Von Lukas Stelmaszyk


Es liegt nicht einmal im US-Bundesstaat New York - und ist doch das neue Prestigeobjekt der gleichnamigen Millionenmetropole: das New Meadowlands Stadium. Für 1,6 Milliarden US-Dollar wurde in der Industriewüste von New Jersey ein neuer Sport- und Erlebnistempel gebaut. Tagsüber eher unscheinbar, entfaltet die neue Heimspielstätte der New Yorker Football-Teams Giants und Jets bei Anbruch der Dunkelheit ihre ganze Pracht. Nach Vorbild der Münchner Arena leuchtet die Außenhaut des Kolosseums bei Giants-Heimspielen blau, Partien der Jets werden in der Vereinsfarbe grün nach außen sichtbar gemacht.

Am 12. September war es jedoch nicht die Fassade allein, die Eindruck machte. An diesem Tag empfingen die Giants im ersten Saisonspiel die Carolina Panthers im neuen Stadion. Die Zuschauer im nicht ganz ausverkauften Rund blickten auf die vier jeweils 400 Quadratmeter großen Leinwände, die sich in der Arena befinden. 2200 HD-Bildschirme, 34 Videokanäle, kabelloses Internet und damit verbunden die Möglichkeit, unzählige Applikationen für mobile Endgeräte herunterzuladen, komplettieren den Erlebnisbesuch in der 82.500 Zuschauer fassenden Arena. Willkommen in der Glitzerwelt des US-Sports.

Das New Meadowlands Stadium ist Symbol für die zahlreichen Verflechtungen zwischen Unterhaltungsindustrie und Sport in den USA. Alles ist ein bisschen größer, ein bisschen kommerzieller. Das gilt besonders für die vier großen Sportligen National Basketball Association (NBA), National Football League (NFL), National Hockey League (NHL) und Major League Baseball (MLB).

Football ist Quoten-König

Fragt man den US-Sport-Experten Kai Pahl nach seiner Einschätzung zur wirtschaftlichen Stärke der vier Ligen, ist die Antwort eindeutig: "Die NFL ist ganz klar die Nummer eins, dahinter folgt die MLB, mit einem kleinen Abstand die NBA und deutlich dahinter die NHL", so der Betreiber des Blogs "Allesaussersport". Grund für den Vorsprung der NFL ist nicht zuletzt die frühe Professionalisierung, die sich seit den 1960ern sukzessive weiterentwickelt hat.

Als die Liga 1962 ihren ersten TV-Vertrag unterschrieb, war dieser 4,2 Millionen US-Dollar pro Jahr wert. 1998 waren es bereits 2,2 Milliarden, die 56 Prozent der Gesamteinnahmen ausmachten. Bei den aktuell bis 2013 laufenden Verträgen zahlen allein die vier übertragenden Free-TV-Networks (Senderverbunde) CBS, ESPN, Fox und NBC pro Saison insgesamt 3,085 Milliarden US-Dollar.

Hinzu kommt ein seit 2009 laufender Vierjahresvertrag mit DirectTV. Für die Übertragungsrechte an den Sonntagspartien (Satelliten-TV und Internet) zahlt der größte Pay-TV-Anbieter der Welt Medienberichten zufolge 700 Millionen Dollar jährlich. 320 Dollar müssen Abonnenten von DirecTV für das "NFL Sunday Ticket" jährlich hinblättern, um die Begegnungen des Spieltags live zu verfolgen. Wie viele der derzeit rund 18,5 Millionen Kunden das Angebot in Anspruch nehmen, wollte ein Sprecher des Senders auf Nachfrage nicht sagen.

Für die 32 Teams bringen diese Verträge viel Geld. Von den vier Networks erhält jeder Club 95,8 Millionen US-Dollar pro Jahr, hinzu kommen noch einmal 45,8 Millionen US-Dollar vom ligaeigenen TV-Sender NFL Network sowie ein Anteil aus dem DirecTV-Vertrag. Insgesamt bekommt jeder Club damit rund 160 Millionen Dollar pro Spielzeit.

Baseball, Basketball und Eishockey hinken hinterher

Von solchen Beträgen können die Teams der übrigen drei Top-Ligen nur träumen: Die NBA kratzt immerhin an der Milliardengrenze. Der bis zum Ende der Saison 2015/2016 laufende Vertrag mit ESPN, ABC und TNT garantiert der Basketballliga jährliche Einnahmen von 950 Millionen Dollar - weniger als ein Drittel der Summe, die die NFL zur Verfügung hat. Und dennoch deutlich mehr als beim alten Vertrag, der 2008 endete und der Liga 770 Millionen Dollar pro Jahr eingebracht hatte.

Nummer drei ist die MLB. Die Baseballliga hat die TV-Rechte bis 2013 an ESPN, Fox und Turner (TBS, TNT) vergeben. Dafür erhält sie knapp 670 Millionen US-Dollar pro Spielzeit. Nicht nur bei den TV-Einnahmen ist die NHL Schlusslicht. Sie hat es insbesondere in den USA derzeit sehr schwer und nimmt nach Einschätzung von Experten etwa 250 Millionen US-Dollar pro Spielzeit ein. In den Vereinigten Staaten überträgt das Network NBC einige ausgewählte Partien, darunter die Finalserie um den Stanley Cup.

Direkte Zahlungen soll es dafür keine geben, sondern nur ein "Revenue Share"-Modell, bei dem die NHL an den Werbeeinnahmen beteiligt wird. Darüber hinaus gibt es einen TV-Vertrag mit dem Kabelsender Versus, der kolportierte 75 Millionen US-Dollar pro Jahr einbringt. Den größten Anteil zahlen jedoch kanadische Networks wie CBC und TSN. NHL-Chef Gary Bettman äußerte sich jüngst zuversichtlich, die Erlöse in naher Zukunft auf 500 Millionen US-Dollar erhöhen zu können. Doch selbst mit dieser Verdopplung stünde die NHL in diesem Ranking weiterhin an letzter Stelle.

Streiksaison schadet der NHL bis heute

Die NHL ist nicht unschuldig an ihrer Position: Als Liga und Spielergewerkschaft sich im Jahr 2004 nicht über die Gehaltsobergrenzen einigen konnten und im Februar 2005 schließlich zum ersten Mal in der Geschichte die gesamte Saison abgesagt werden musste, begann der Verfall der Liga. Den damals entstandenen Schaden spürt die Liga bis heute. So leben die Clubs in erster Linie von den Verträgen mit lokalen Sendern.

Diese Einnahmequelle bietet sich aber nicht nur den NHL-Clubs. Neben der zentralen Vermarktung durch die jeweilige Liga haben alle Teams der Top-Ligen die Gelegenheit, separate Abschlüsse mit einzelnen Regionalanbietern auszuhandeln, die weiteres Geld einbringen. Dies ist möglich, weil es in den USA eine viel ausgeprägtere Struktur von regionalen TV-Stationen gibt als beispielsweise in Deutschland.

Die Höhe der Lizenzsummen hängt allerdings sehr stark vom Stellenwert des jeweiligen Clubs ab. Ein vergleichsweise altes MLB-Beispiel aus dem Jahr 2001 verdeutlicht dies. Damals erzielte jedes Team aus seiner eigenen TV- und Radiovermarktung durchschnittlich weitere 19 Millionen Dollar. Die Differenz zwischen dem Club mit den niedrigsten Einnahmen und dem mit den höchsten Erlösen betrug 51,5 Millionen Dollar: Während die Montreal Expos nur knapp über 500.000 Dollar bekamen, setzte der MLB-Primus New York Yankees regional 52 Millionen Dollar um.

Liga Umsatz* Teams Spiele pro Team** Zuschauerschnitt*** Spielstätten-Auslastung
NFL 7,8 Mrd. 32 16 67.519 95,0%
MLB 6,8 Mrd. 30 162 30.314 69,4%
NBA 4,0 Mrd. 30 82 17.149 88,9%
NHL 3,0 Mrd. 30 82 17.070 92,5%

*in US-Dollar **Regular Season ***Durchschnitt

Lesen Sie im zweiten Teil der Serie, in welcher US-Sportart Eintrittskarten besonders begehrt und teuer sind - und wie Baseball-Clubs bei 162 Saisonspielen Fans in die Stadien locken.



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
wurstendbinder 09.11.2010
1. das D-wort nicht vergessen!!!
na dann hoffe ich mal, dass sie im 2ten teil der reportage auch das zwangsläufige folgeproblem der maximalen kommerzialisierung des US-liga-sports thematisieren. was man aus dem BALCO skandal oder dem mitchell-report gelernt hat, zeigt sicherlich nur die spitze des eisbergs ... http://de.wikipedia.org/wiki/BALCO-Aff%C3%A4re http://www.spiegel.de/sport/ussports/0,1518,523279,00.html
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.