Missbrauchsskandal im US-Turnen Auch Verbandschefin Perry muss gehen

Der US-Turnverband kommt nach dem Missbrauchsskandal nicht zur Ruhe: Nun hat Kerry Perry ihren Vorsitz als Präsidentin abgegeben - nach nur neun Monaten. Sie hatte mit einer Personalentscheidung für Proteste gesorgt.

Kerry Perry
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Kerry Perry


Der wegen sexuellen Missbrauchs in der Krise stehende US-Turnverband muss sich an seiner Spitze erneut neu aufstellen. Die erst im Januar gewählte Präsidentin Kerry Perry trat mit sofortiger Wirkung von ihrem Amt zurück. Schon ihr Vorgänger Steve Penny hatte nach der Missbrauchsaffäre um den langjährigen Mannschaftsarzt Larry Nassar den Vorsitz abgegeben.

Perry hatte unter den Athletinnen Proteste ausgelöst, nachdem USA Gymnastics Trainerin Mary Lee Tracy als neue Entwicklungskoordinatorin eingestellt hatte. Tracy hatte den wegen sexuellen Missbrauchs von mindestens 250 Turnerinnen zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilten Nassar noch nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen ihn als "großartig" bezeichnet.

Daraufhin begann auch das Nationale Olympische Komitee der USA (USOC) Druck auf den Turnverband auszuüben. "Es ist Zeit, über Veränderungen an der Führungsspitze nachzudenken. In dieser schwierigen Situation bieten wir unsere Unterstützung an", sagte USOC-Chefin Sarah Hirshland. Nun zog Perry - eine ehemalige Kommunikationsbeauftragte - selbst die personelle Konsequenz. Sie war einst mit dem Ziel angetreten, "jeden Tag den Athleten Sicherheit" zu garantieren.

Verband sieht sich dennoch auf einem guten Weg

Ungeachtet des erneuten Wechsels an der Spitze sieht sich der US-Verband allerdings auf einem guten Weg, wie Sprecherin Karen Golz erläuterte: "USA Gymnastics hat nach schrecklichen Vorkommnissen bei seiner Stabilisierung gute Fortschritte gemacht." Wann ein Nachfolger für Perry gewählt werden soll, ist derzeit noch völlig offen, auch Kandidaturen sind aktuell nicht bekannt.

Nassar soll in seiner Zeit als Sportarzt über zwei Jahrzehnte hinweg mindestens 265 Schutzbefohlene unter dem Deckmantel der medizinischen Behandlung missbraucht haben. Im Mai hatte die die US-amerikanische Kunstturnerin Sabrina Vega zudem Klage gegen die Startrainer Bela und Martha Karolyi eingereicht. Der Vorwurf: Die langjährigen Teamchefs hätten sie nicht vor Nassar geschützt.

jan/sid

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