Missbrauchsvorwürfe Ehemalige Turmspringerinnen klagen gegen Verband

Ein Trainer der US-Wasserspringer soll zwei Sportlerinnen im Teenager-Alter regelmäßig zum Sex gezwungen haben. Die ehemaligen Athletinnen klagen den Verband an. Ihr Anwalt sieht Parallelen zu den Vorfällen im US-Turnen.

Wasserspringer
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Zwei ehemalige Turmspringerinnen haben Klage gegen den Verband der US-Wasserspringer eingereicht, da er ihre Hinweise auf andauernden sexuellen Missbrauch durch ihren Trainer Will Bohonyi ignoriert und Untersuchungen blockiert haben soll. Beschuldigt werden neben Verband und Coach auch der Wasserspring-Klub der Ohio State University.

Laut der Anklage soll Bohonyi die Teenager im Sommer 2014 regelmäßig zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. "Ihr schuldet mir das", soll er den Mädchen laut der Zeitung "Indianapolis Star" gesagt haben.

Die Ohio State University teilte mit, sie habe nach den Vorwürfen gegen Bohonyi Ermittlungen eingeleitet und den Trainer im August 2014 gefeuert. Laut Anklage habe es ein halbes Jahr und weitere Beschwerden gebraucht, bis Maßnahmen ergriffen wurden. Alle Vorwürfe hätten dem Verband der US-Wasserspringer vorgelegen. Dieser teilte mit, die Vorfälle "sehr ernst" zu nehmen, derzeit aber "nicht weiter kommentieren" zu können.

Seit Anfang 2015 steht Bohonyi auf einer Liste von Trainern, die für die weitere Arbeit im US-Team gesperrt sind. An der Ohio State hatte er seit September 2012 bis zu seiner Entlassung als Assistenztrainer gearbeitet.

In dieser Zeit soll Bohonyi laut Anklage seine Position ausgenutzt haben, um "die Jugendlichen psychologisch unter Druck zu setzen und von ihnen sexuelle Dienstleistungen einzufordern, um sie für das US-Team der Wasserspringerinnen zu nominieren und damit den Traum der Sportlerinnen von Olympia am Leben zu halten".

"Sexuelle Aktivitäten als Gegenleistung"

Eine Sportlerin habe ihm laut Anklage Hunderte Nacktfotos geschickt, da Bohonyi sie "psychologisch dazu genötigt" habe zu glauben, sie "müsse sexuelle Aktivitäten als Gegenleistung erbringen, um weiter ein Teil des Wasserspringens zu sein". Weiter heißt es in der Anklage, die Ohio State sei seit vier Jahren in Besitz der Fotos gewesen, habe jedoch nicht gehandelt.

Die Universität behauptet, sie hätte die Polizei auf dem Campus, den Verband der Wasserspringer und das Jugendamt von Franklin County benachrichtigt. Auch die Strafverfolgungsbehörde von Montgomery County sei im Bilde gewesen, wo Teammitglieder bei einem Wettbewerb laut Anklage die sexuelle Beziehung zwischen Trainer und Springerin entdeckt hätten.

Ein Universitätssprecher sagte, die örtliche Polizei auf dem Campus habe im August 2014 Ermittlungen aufgenommen, die jedoch auf Wunsch der Klägerin geschlossen und erst im Januar 2018 wieder aufgenommen worden sein.

Nicht der erste Vorfall im US-Sport

Der Anwalt der Klägerinnen sagte in einem Interview mit "Indianapolis Star", dass sich weitere Wasserspringer gemeldet hätten. Er zieht Parallelen zu den Missbrauchsfällen im amerikanischen Turnsport.

Der US-Sport war erst im vergangenen Jahr durch den Skandal im Kunstturnen erschüttert worden. Der langjährige Team-Arzt Larry Nassar war nach Beschwerden von mehr als 300 Mädchen und Frauen zu einer lebenslangen Freihheitsstrafe verurteilt worden. Der Turnverband hatte Nassar lange gedeckt, obwohl er über einige Missbrauchsfälle im Bilde war. Die Verbandsspitze war nach Bekanntwerden der Fälle von ihren Ämtern zurückgetreten.

Missbrauchsvorwürfe wurden an der Ohio State nicht zum ersten Mal erhoben. Kurz nach dem Bekanntwerden des Falls Nassar wurden an der Universität Untersuchungen gegen den mittlerweile verstorbenen Arzt Richard Strauss eingeleitet, die nun parallel zum Fall Bohonyi laufen.

14 ehemalige Sportler hatten sich gemeldet, um Anschuldigungen gegen Strauss zu erheben, der zwei Jahrzehnte an der Ohio State tätig war, bevor er 1998 pensioniert wurde. Auch in diesem Fall wird geprüft, ob die Universität Kenntnis von den Bedenken hinsichtlich des Verhaltens des Arztes hatte.

tip/AP/sid

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