Usain Bolt Gefeierter Verlierer

Enttäuschung statt Triumph: Das letzte WM-Rennen von Usain Bolt endete ohne WM-Titel. Trotzdem feierte ihn das Publikum, als hätte er gewonnen. Sieger Justin Gatlin wurde ausgebuht.

Getty Images

Er hatte nicht gewonnen. Und doch stand Usain Bolt am späten Samstagabend im Londoner Olympiastadion im Mittelpunkt. Sieger Justin Gatlin verbeugte sich vor ihm, die Kameras begleiteten Bolt, den Bronzemedaillengewinner, auf seiner Ehrenrunde. Der Jamaikaner wurde von den Fans immer wieder mit Sprechchören gefeiert, Gatlin wurde ausgebuht.

Bolts letztes Einzelrennen wird als das Rennen in Erinnerung bleiben, bei dem er zum ersten Mal in einem großen Finale besiegt wurde. Von Gatlin, einem zweifach überführtem Doper. Auch der zweite US-Amerikaner Christian Coleman war um eine Hundertstelsekunde schneller als Bolt und sicherte sich die Silbermedaille. Für Bolt blieb nur Rang drei - und der Abtritt als Weltmeister somit verwehrt. Mit elf WM-Titeln und acht Olympiasiegen hat er dennoch die Leichtathletik geprägt.

Zieleinlauf
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Zieleinlauf

Um es kurz zu machen: Bolt war in diesem Rennen einfach nicht schnell genug. Mit einer Zeit aus seinen besten Jahren hätte er auch in London deutlich gewonnen. Aber Bolt ist inzwischen fast 31 Jahre alt und nicht mehr in der Form alter Glanzzeiten.

Im Finale kam er erneut viel zu langsam aus dem Startblock und schaffte es anschließend nicht mehr wie schon so oft, sich mit seinen gefürchteten langen Schritten ab Meter 30 an die Spitze zu setzen. "Mein Start tötet mich", sagte Bolt. "Normalerweise wird er von Runde zu Runde besser, aber dieses Mal hat es nicht gepasst."

Nach 9,95 Sekunden stoppte die Uhr bei Bolt, Gatlin war drei Hundertstelsekunden schneller. Ausgerechnet Gatlin, könnte man jetzt schreiben, versaute Bolt also seinen Märchenabschied. Der Olympiasieger von 2004 war in seiner Karriere zweimal wegen Dopings gesperrt. Als Wiederholungstäter entging er 2006 nur einer lebenslangen Sperre, weil er als Kronzeuge gegen seinen ehemaligen Trainer aussagte. Bolt ist nie positiv getestet worden, die nationale Dopingagentur in seinem Heimatland Jamaika wird allerdings immer wieder für lasche Kontrollen kritisiert.

Als in der anschließenden Pressekonferenz das Thema Doping angesprochen wurde, reagierte Gatlin verärgert. "Wir arbeiten hart, trainieren jeden Tag", sagte er in Richtung der Reporter: "Ihr sitzt rum und tippt auf eure Computer."

Keine Ehrenrunde für den Sieger

In der ohnehin nicht dopingfreien Sprinterszene ist Gatlin der Bad Boy. Schon bei der Vorstellung wurde er von den 50.000 Zuschauern ausgebuht, als sein Name nach dem Rennen auf der Anzeigetafel als Sieger eingeblendet wurde, noch einmal deutlich lauter. Nach seinem Zieleinlauf legte er den Zeigefinger auf seine Lippen, auf eine Ehrenrunde verzichtete er.

Bolt ist auf Gatlin hingegen nicht schlecht zu sprechen. Direkt nach dem Rennen umarmten sich beide sehr innig. "Das Erste, was er getan hat, war, mir zu gratulieren und zu sagen, dass ich die Buhrufe nicht verdiene", sagte Gatlin. "Er ist eine Inspiration." Auch Bolt war voll des Lobes für seinen Rivalen. "Er ist der beste Gegner, dem ich jemals im Wettkampf begegnet bin", sagte er.

Justin Gatlin, Usain Bolt
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Justin Gatlin, Usain Bolt

Bolt wirkte nicht verbittert, dass er den gewünschten Abschied nicht erreicht hatte. "Die beiden waren heute besser als ich und haben das einfach durchgezogen", sagte er. Die Erklärung ist einfach, aber sie stimmt wahrscheinlich. "Mein Körper sagt mir, dass es Zeit ist zu gehen", sagte Bolt.

Es dauert nicht mehr lange. Auf einen WM-Start über 200 Meter verzichtet Bolt. Er wird zum Abschluss zwar noch mit der Staffel antreten, aber am Samstagabend während der Ehrenrunde lag der Abschied schon in der Luft.

ehh/Reuters/sid



insgesamt 6 Beiträge
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wi_hartmann@t-online.de 06.08.2017
1. Bolt ein Grandseigneur auf der Tartanbahn
schade, daß bei seinem letzten Lauf überführte Doper wie Gatlin einen würdigen Abschied ausschloss. Trotzdem ein großer Sportler.
jkutzner 06.08.2017
2. Bolt ist ein Entertainer
Er hat die Massen unterhalten, wirkt sympathisch. Darum geht es im Bezahlsport. Gatlin hat 2 mal betrogen, seinen Trainer verpfiffen und sich auf die Laufbahn zurückgeklagt. Sein Sieg gestern war - wenn dopingfrei - verdient, aber er verdient auch weiterhin jedes "Buh" des Publikums! Vielleicht wird er ja ein drittes Mal überführt dann hätte Bolt noch Silber gewonnen :-)
steingärtner 06.08.2017
3. Kann man so sehen
Ihr schreibt : “Aber Bolt ist inzwischen fast 31 Jahre alt und nicht mehr in der Form alter Glanzzeiten.“ Gatlin, der Sieger ist 35(?) Jahre alt ! Und in der Form seines Lebens ? Und schneller als unter nachgewiesenem Dope ? Es einfach eine Farce diese Leichtathletik. Von der selektiven Kommentierung des Dopingthemas bei ARD und ZDF ganz zu schweigen.
-su- 06.08.2017
4.
Würde der Kampf gegen Doping wirklich ernst genommen, dann würden Leute wie Gatlin nicht mehr dabei sein. So ist es aber ein selektiver Kampf und man ist nur gegen die aktiv, wo es gerade schick ist (z. B. Radsport). Aber was soll man von einen Verein wie die IAAF erwarten. Deren Ex-Chef wegen Korruption angeklagt ist und der damalige Vize (Coe) jetzt der Chef ist. Interessanter weise ging es u.a. darum, dass Athleten Geld zahlen sollten um dann nicht wegen Dopings gesperrt zu werden.
wallaceby 06.08.2017
5. Ziemlicher Unfug...
hier von "...immerhin schon 31 Jahre alt" zu schreiben. Das ist genau betrachtet eigentlich immer noch das beste alter für einen Topsprinter. Der Sieger Gatlin ist satte vier Jahre älter! Aber wer weiß schon genau, warum der Doper Gatlin soviel frischer und druckvoller auf den letzten Metern wirkte?! Vielleicht wird das ja wiederum erst in einigen Jahren aufgedeckt...
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