Uschi Disl "Nur" die Silbermedaille

Trotz eines Sturzes lief Uschis Disl im Verfolgungsrennen der Biathlon-WM von Oslo vom siebten Platz noch zur Silbermedaille.


Oslo - Nach einem Sturz hat Uschi Disl zum vierten Male bei einer Biathlon-Weltmeisterschaft zwar den so lange erhofften Einzeltitel verpasst, dennoch war die 29-Jährige nach dem Verfolgungsrennen am Osloer Holmenkollen alles andere als enttäuscht. "Ich bin total glücklich. Eine Medaille - damit konnte ich nach den Ergebnissen im Vorfeld der WM nicht rechnen. Die Frage ob 'nur' Silber stellt sich nicht. Ich habe eine Medaille gewonnen. Das zählt", jubelte Disl am Sonntag nach ihrem zweiten Platz. Im Rennen der Routiniers musste sie nach der zehn Kilometer langen Verfolgung mit viermaligem Schießen nur der drei Jahre älteren Schwedin Magdalena Forsberg den Vortritt lassen, die nach dem zweiten Schießen die Führung übernommen hatte.

Forsberg, die nach 31:53,8 Minuten und nach nur zwei Schießfehlern mit deutlichem Vorsprung gewann, fiel im Ziel zuerst Neu-Biathlet und Ehemann Henrik, dann ihrem Trainer Wolfgang Pichler aus Ruhpolding in die Arme. 31,9 Sekunden hinter der Weltcup-Gesamtsiegerin der vergangenen drei Jahre gewann die Staffel-Olympiasiegerin und viermalige Staffel-Weltmeisterin Uschi Disl ihre fünfte Silbermedaille bei Olympischen Spielen und Welttitelkämpfen.

Hinter der Französin Florence Baverel, die als einzige der 60 Starterinnen alle 20 Scheiben traf, landeten Katrin Apel (Oberhof), die Vizeweltmeisterin im Sprint vom Samstag, ihre Vereinskameradin Andrea Henkel und die Sprint-Dritte Martina Zellner (Hammer) unmittelbar vor der Vortages-Titelgewinnerin Liv Grete Skjelbreid auf den Plätzen Vier bis Sechs. Bundestrainer Uwe Müßiggang: "So ein Team hatte ich noch nie. Dass alle ganz vorn mitmischen würden, war eine Hoffnung, die ich lieber nicht ausgesprochen habe."

Uschi Disl hatte es auf der vorletzten, zwei Kilometer langen Runde in den Schnee geworfen. "Das war genau in der Kurve, in der auch unser Trainer Harald Böse gestern die Böschung hinabgefallen war. Ich hätte mich in den Hintern gebissen, wenn ich wegen des Leichtsinnsfehlers die Medaille verpasst hätte", erzählte sie. Andrea Henkel aber könnte ein Sturz den Sprung aufs Treppchen vermasselt haben. Bei ihrer Aufholjagd auf Florence Baverel war die 22-jährige Thüringerin auf einer Geraden regelrecht über die eigenen Beine gestürzt. "Voll peinlich für jemand, der das ganze Jahr Ski läuft", schmunzelte sie, nachdem die erste Enttäuschung überwunden war.

Überragende Läuferinnen im Feld waren - wie beim Gewinn von Silber und Bronze im Sprint - erneut Katrin Apel und Martina Zellner. Je sechs Strafrunden waren jedoch für eine Wiederholung des Vortages-Resultats zu viel, wobei beide gemeinsam mit Liv Grete Skjelbreid beim ersten Schießen von einer straffen Windböe regelrecht verblasen wurden. Und dann rückte die Oberhoferin den von ihr selbst geprägten Spruch von den "jungen Wilden und alten Klapprigen" in der Mannschaft zurück: "Alt ja, klapprig sind wir aber noch lange nicht."



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