Handball-Star Gensheimer Sohn Mannheims

Handballstar Uwe Gensheimer verließ Mannheim nach fast 30 Jahren in Richtung Paris, dort will er nun die Champions League gewinnen. In der Heimat drücken sie die Daumen - besonders sein früherer Jugendleiter.

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Er wird verehrt, die Leute schätzen seinen Ehrgeiz, und bei Heimspielen tragen noch heute viele sein Trikot mit der Rückennummer drei, die im Klub nie wieder vergeben werden soll. Jeder weiß: So einen Spieler wird die Stadt wohl nie wieder hervorbringen.

Technik, Torgefahr, Kreativität, "das alles macht Uwe zu einem Ausnahmeprofi", sagt sein ehemaliger Jugendleiter Rudolf Erny dem SPIEGEL. "Wenn ein Treffer ins lange Eck die sicherste Lösung ist, überrascht er das Publikum lieber mit einem Dreher ins kurze."

Uwe, das ist Uwe Gensheimer. Erny kennt ihn noch aus Kindeszeiten beim TV 1892 Friedrichsfeld, einem Stadtteilklub in Mannheim, er ist ein Bekannter der Familie Gensheimer und sah den kleinen Uwe schon mit vier Jahren am Ball. Ein schlaksiger Kerl sei er gewesen. "Uwe wollte immer Spaß haben, war sehr interessiert, aber dass hier ein späterer Weltstar übte, ahnte ich nicht", sagt Erny.

Das ist fast 25 Jahre her, aus dem Schlaks ist ein Kraftpaket geworden. "Uwe ist unheimlich austrainiert und trotzdem schnell - das macht ihn so erfolgreich", sagt Erny. Der 65-jährige Jugendleiter verfolgte die Karriere von Uwe Gensheimer all die Jahre und sah als Dauerkartenbesitzer der Rhein-Neckar Löwen, wie aus Gensheimer einer der besten deutschen Handballer wurde. Mit den Löwen gewann der Top-Star 2013 den EHF-Pokal, 2016 die Deutsche Meisterschaft, er wurde mehrfach Handballer des Jahres, war Kapitän des Teams, Publikumsliebling. Gensheimer war immer da - in Mannheim, seiner Geburtsstadt. Jetzt sind die Löwen zum zweiten Mal Deutscher Meister geworden, ohne Gensheimer. Denn der strebt nach größeren Titeln.

Eigentlich hätte der inzwischen 30-Jährige seine Stadt nie verlassen müssen. Weitere Titel wären ihm sicher gewesen und vielleicht hätte er in ein paar Jahren einen emotionalen Abschied wie zuletzt Fußballlegende Francesco Totti beim AS Rom gefeiert. Oder wie Uwe Seeler in den Siebzigerjahren beim Hamburger SV. Klar, ein paar Nummern kleiner. Doch Erny musste seinen früheren Nachwuchsspieler in die weite Welt entlassen.

Gensheimer tauschte das vertraute Umfeld gegen die Aussicht auf das, was der deutschen Nationalmannschaft ohne ihn, ihren verletzten Kapitän, mit dem EM-Titel 2016 gelang. Die Aussicht auf einen wichtigen, internationalen Titel, den Gewinn der Champions League. Dafür verließ er die Bundesliga.

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Uwe Gensheimer: Mannheimer Junge

Ihren Ruf als Versammlung der Weltelite hat die deutsche Liga in den vergangenen Jahren aus mehreren Gründen verloren: die finanzielle Unterlegenheit und der straffe Terminkalender mit kräftezehrenden Spielen im Drei-Tages-Rhythmus sind mitverantwortlich. Viele Top-Stars verließen die Liga, so auch Gensheimer. Dass das anstehende Final Four der Champions League (3. und 4. Juni) erstmals in seinem achtjährigen Bestehen ohne einen deutschen Klub stattfindet, hatte sich angedeutet.

Seit vergangenem Sommer wirft Gensheimer Tore für Paris Saint-Germain, Frankreichs Serienmeister, bei dem sich mithilfe finanzieller Unterstützung aus Katar zahlreiche Stars tummeln: Torwart-Routinier Thierry Omeyer oder der mehrfache Welthandballer Nikola Karabatic gehören zu den bekanntesten Namen. Viele von ihnen spielten früher in der Bundesliga, dort erlangten sie Spitzenklasse und lernten die Sprache so gut, dass der deutsch-kroatische Paris-Trainer Zvonimir Serdarusic Trainingseinheiten und Taktikbesprechungen mit seiner Weltauswahl auf Deutsch abhält.

Viel Geld, größere Kader, mehr Pausen - deshalb sind ausländische Klubs im Vorteil

Wenn Jugendleiter Erny sagt, sein früherer Schützling suche immer "die sportliche Herausforderung, das Maximum", dann klingt das sehr schwärmerisch, aber ganz Unrecht hat er nicht. Die Halle von Paris ist zwar selten voll, aber die französische Liga mit Teams wie Nantes oder Montpellier reizvoller als die Alleinherrschaft in Spanien vom FC Barcelona, wo Gensheimer auch im Gespräch war. Er hätte überall spielen können.

Die Löwen-Fans sollen ihm den Wechsel nach Paris nicht übel genommen haben. Vielleicht auch, weil im Handball anders als im Fußball die Profis selten Millionen-Gehälter kassieren. In Paris kommt Gensheimer zumindest in ähnliche Regionen. Laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" verdient er dort 500.000 Euro jährlich - etwa 10.000 Euro brutto monatlich mehr als bei den Löwen. Viele freuen sich für den Klubhelden, es ist eine Auszeichnung für den Verein, dass es einer aus den eigenen Reihen so weit gebracht hat.

Bei PSG - und auch bei den anderen drei Champions-League-Finalisten Barcelona, dem mazedonischen Top-Klub HC Skopje und Veszprém aus Ungarn - können sie dank Investoren oder Querfinanzierung (in Barcelona durch die Fußballsparte) nicht nur in die Spitze investieren, sondern in die Breite des Kaders. Die wichtigen Spieler können so auch mal pausieren und sind im entscheidenden Moment ausgeruhter. Ein großer Vorteil bei dieser teils brutalen Sportart. In Mannheim, Kiel oder Flensburg können sie von diesem Luxus nur träumen.

Final Four in Köln - das ist der Spielplan

Halbfinale: Samstag, 3. Juni
Veszprém - Paris Saint-Germain, 15.15 Uhr
HC Skopje - FC Barcelona, 18 Uhr
Endspiele: Sonntag, 4. Juni
Spiel um Platz 3, 15.15 Uhr
Finale, 18 Uhr (alle Spiele im TV bei Sky)

Und von einem Spieler wie Gensheimer, jetzt hat er eine neue Chance auf einen großen internationalen Titel. Sie ist gut wie nie, Experten und Buchmacher sehen Gensheimer und seine Mannschaft vor dem Halbfinale gegen Veszprém in Köln (Samstag, 15.15 Uhr, TV: Sky) und in einem möglichen Finale in der Favoritenrolle. Wenn Mannheims Sohn am Ende mit Paris triumphiert, würde das nicht nur in Frankreich viele freuen, sondern auch in seiner Heimat. Und besonders natürlich Rudolf Erny.

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insgesamt 2 Beiträge
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kommentator911 03.06.2017
1. "einer der besten deutschen Handballer"?
Wohl eher der beste Handballer der Welt.
Tdf 03.06.2017
2. #1 typisches Fan gebrabbel
Uwe Gensheimer ist einer der. Esten Linksaußen und deutschen Handballer. Nicht mehr und nicht weniger, aber zu behaupten er sei der beste der Welt ist absurd.
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