Verdächtiger Toursieger: Doping-Experte erhebt schwere Vorwürfe gegen Contador

"Der größte Schwindel der Sportgeschichte", "Manipulation", "Betrug": Dopingforscher Franke behauptet, Tour-Sieger Alberto Contador habe mit Insulin und Asthmamitteln gedopt - spanische Ermittler und der Weltverband UCI hätten alles vertuscht.

Hamburg - Franke bezeichnete den Triumph des Spaniers Contador als "größten Schwindel der Sportgeschichte". Er sei im Besitz eines Protokolls von der Hausdurchsuchung beim Madrider Arzt Eufemiano Fuentes, das sich als "voll protokolliertes Doping-Dokument" erweise, sagte der Molekularbiologe im ZDF.

Dopingforscher Werner Franke: Größter Schwindel der Sportgeschichte"
DPA

Dopingforscher Werner Franke: Größter Schwindel der Sportgeschichte"

Danach habe Contador Insulinpräparate genommen: HMG Lepori zum Erhöhen der körpereigenen Testosteronsynthese sowie das Asthmamittel Trigon. "Ich habe die Dinge vor mir, ich kann sie direkt entziffern, welche Mittel genommen worden sind." Und weiter: "Dieser Herr Contador ist mehrfach geführt in den Listen, auch in den eigenen Entdeckungslisten der Guardia Civil."

Franke greift den Weltverband UCI und die spanischen Ermittler an: Es habe "in der jüngsten Zeit einen Vertrag gewissermaßen gegeben von der internationalen Radsport-Union UCI und den spanischen Justizbehörden, die das alles vertuscht haben und einfach gelogen haben". Spanien habe sich hier "das größte Ding aller Zeiten geleistet", so Franke.

Es sei ihm gelungen, sich in den Besitz der Unterlagen zu bringen. "Diese Befunde sind halt in meiner Aktentasche gelandet, das passiert manchmal, und ich hab sie dann gleich dem Bundeskriminalamt weitergegeben." Diese "auch weltweit korrupte Situation in verschiedenen Bereichen" werde in höchsten Kreisen "zumindest in Spanien akut gedeckt".

Contador hat jegliche Doping-Vorwürfe abgestritten. Es sei alles bloß "ein Irrtum" gewesen, sagte der Radprofi.

Auch Jörg Jaksche belastet Contador in der "Süddeutschen Zeitung" indirekt. "Ich habe natürlich niemals direkt gesehen, wie Contador gedopt wurde (...) Wenn du allerdings nicht gerade verweiblicht gewesen bist, gab es damals wohl keinen anderen Grund als Doping, um zum Gynäkologen Fuentes zu gehen", so Jaksche. Der deutsche Radprofi spricht auch von seiner gemeinsamen Zeit mit Contador im Rennstall Liberty Seguros. In den Fuentes-Akten sei erwähnt, dass die U23-Mannschaft, für die Contador damals fuhr, ebenfalls schon Wachstumshormone und Testosteron erhalten habe. Jaksche hatte zuvor im SPIEGEL seine Doping-Vergangenheit gebeichtet.

"Die Polizei hat sauber gearbeitet, aber offenbar werden Namen gefiltert und herausgenommen. Von den 250 Blutbeuteln sind doch 150 noch nicht identifiziert, warum?", fragt Jaksche weiter. Spanien sei das Problem zu groß geworden, "weil es sich nicht nur auf Radsport beschränkt".

Über Contador sagte Jaksche in einem Interview mit dem Radiosender Bayern 3: "Ich war auch zehn Jahre in der Situation, dass ich lügen musste. Ich würde ihn auch gar nichts fragen, weil ich seine Antwort wahrscheinlich gar nicht akzeptieren könnte."

Contador wird verdächtigt, Kunde des vermeintlichen Dopingarztes Fuentes gewesen zu sein, auch wenn sein Name von der Liste mutmaßlicher Kunden wieder verschwunden ist. Von 2003 bis 2006 fuhr Contador in den Teams des Spaniers Manolo Saiz. Der einst mächtige Rennstall-Boss steht seit Mai 2006 im Mittelpunkt der "Operación Puerto".

fpf/sid

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Forum - Die Farce-Rundfahrt - ist die Tour de France jetzt tot?
insgesamt 215 Beiträge
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    Seite 1    
1.
Berg 28.07.2007
Zitat von sysopGroßes Tour-Fiasko: Dopingfälle in Serie, Teams ziehen sich zurück, der Sieger ist umstritten. Ist die Tour noch zu retten?
Es ist doch eigentlich ganz einfach: gedopte Fahrer werden ausgeschlossen. Die restlichen fahren um den Sieg. Ergebnis: immer wieder andere neue Sieger. - Die Medien werden nicht mehr Sieger-Astrologie betreiben müssen, die sog. Wasserträger werden vollwertige Sportler, das Startum wird reduziert, die Sponsoren brauchen nicht so viel zu zahlen, die bezahlten Tross-Mitglieder müssen sich andere Arbeit suchen, alles eine Nummer kleiner, die Geschwindigkeiten am Berge etwas langsamer.
2.
Umberto 28.07.2007
Zitat von sysopGroßes Tour-Fiasko: Dopingfälle in Serie, Teams ziehen sich zurück, der Sieger ist umstritten. Ist die Tour noch zu retten?
Ich bin sicher, dass auch in den nächsten Jahren regelmäßig im Juli eine Tour de France stattfinden wird.
3.
eisenschwein 28.07.2007
Zitat von UmbertoIch bin sicher, dass auch in den nächsten Jahren regelmäßig im Juli eine Tour de France stattfinden wird.
Stimmt, nur dass ich mich im nächsten Jahr noch weniger dafür interessieren werde.
4. Le tour wird leben
Seifert 28.07.2007
Zitat von UmbertoIch bin sicher, dass auch in den nächsten Jahren regelmäßig im Juli eine Tour de France stattfinden wird.
"Le tour" wird auferstehen. Der Veranstalter und diese lauwarme UCI werden 'ne Weile über Kreuz liegen.Vielleicht sind die bei der UCI agierenden "Anti-Doping-Fachleute" irgendwann mal in der Lage,ernsthaft Doping im Radsport entgegenzutreten.Was McQuaid & Co derzeit abziehen,ist Schmierentheater übelster Sorte.Die handeln momentan so,als wenn der Besitz eines Messers unter Strafe steht,Mord wird hingegen toleriert. Angesichts der französischen Antidopinggesetze(dei durchaus noch verschärft werden könnten)hat dort der Radsport langristig noch 'ne Chance.
5.
wkmgh 28.07.2007
Zitat von sysopGroßes Tour-Fiasko: Dopingfälle in Serie, Teams ziehen sich zurück, der Sieger ist umstritten. Ist die Tour noch zu retten?
Ja. Die TdF ist eines der größten Sportereignisse Frankreichs - man wird nicht darauf verzichten wollen. Glaubt man den jüngsten Außerungen der Tourleitung, so soll ja in Zukunft alles besser werden. Wenn man tatsächlich durchführt, was man ankündigte, so besteht eine Chance. *Aber eben nur dann*. Schließt man von der Vergangenheit auf die Zukunft: dann hat die TdF keine Chance. In der Vergangenheit galt (nicht nur bei der Tdf): Verleugnen, vertuschen, alles in Abrede stellen, und immer leere Versprechungen abgeben. Damit wird man nicht mehr weit kommen. Ich denke allerdings, daß es nicht nur von den Veranstaltern der TdF abhängt, vielmehr müssen auch die diversen Radsportverbände radikal umdenken.
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