Doping-Skandal Klagewelle gegen Armstrong rollt an

Das Dopinggeständnis Lance Armstrongs zieht erste Konsequenzen nach sich. Erst verkündete die Versicherungsgesellschaft SCA Promotions, den Ex-Radstar auf eine zweistellige Millionensumme zu verklagen, nun möchte auch die Team-Vereinigung den Texaner wegen Imagebeschädigung vor Gericht bringen.

Ex-Radstar Armstrong: Verklagt auf zwölf Millionen Dollar
REUTERS/ Harpo Studios

Ex-Radstar Armstrong: Verklagt auf zwölf Millionen Dollar


Hamburg - Lance Armstrong muss sich nach seiner Dopingbeichte mit den ersten großen Millionenklagen auseinandersetzen. Am Donnerstag gab erst die Versicherungsgesellschaft SCA Promotions bekannt, den Ex-Radstar beim Amtsgericht in Dallas auf eine Rückzahlung von zwölf Millionen US-Dollar (knapp neun Millionen Euro) verklagt zu haben. Jetzt verkündete auch die Vereinigung für einen glaubwürdigen Radsport, MPCC, Armstrong wegen Rufschädigung und Betrugs vor Gericht bringen zu wollen.

Juristische Experten prüften derzeit eine Klage, teilte die MPCC mit. Armstrong habe das Image des gesamten Radsports und der Tour de France geschädigt. Der 2007 gegründeten MPCC gehören 38 Teams, darunter auch NetApp-Endura aus Deutschland, an.

Bislang gab die Vereinigung noch keine Klagesumme an - im Gegensatz zu SCA Promotions. Die Versicherungsfirma möchte alle gezahlten Prämien für die Tour-Siege des Amerikaners von 2002 bis 2005 sowie anschließende Anwaltskosten zurückbekommen. Armstrong hatte sich 2005 gerichtlich gegen SCA durchgesetzt, nachdem sich das Unternehmen wegen aufkommender Dopinggerüchte zunächst geweigert hatte, die Prämien auszuzahlen. Bei der Anhörung log der Sportler unter Eid, diese Straftat ist allerdings mittlerweile verjährt.

Armstrong will womöglich doch mit Usada kooperieren

Zudem drohen Armstrong nun womöglich doch strafrechtliche Konsequenzen. Laut eines Berichts des Fernsehsenders ABC News prüfen Bundesagenten derzeit mögliche Strafanzeigen wegen Behinderung der Justiz, Zeugenbeeinflussung und -einschüchterung.

In der Zeit von 1999 bis 2005 hatte Lance Armstrong siebenmal in Folge die Tour de France gewonnen - und war bei jedem seiner Triumphe gedopt gewesen. Nachdem die US-Anti-Dopingagentur Usada Armstrong Manipulationen nachgewiesen hatte, waren dem Texaner seine sieben Toursiege aberkannt worden. Sein Preisgeld wolle er dennoch nicht zurückzahlen, sagte der 41-Jährige kürzlich.

Dafür kann Armstrong sich jetzt offenbar doch vorstellen mit der Usada zu kooperieren und Details seines Dopingsystems offenzulegen. Das sagte zumindest Usada-Chef Travis Tygart: "Wir stehen in Kontakt mit Herrn Armstrong und seinen Vertretern." Tygart geht davon aus, dass Armstrong "mithelfen will, im Radsport aufzuräumen".

Die Usada reagierte prompt und verlängerte eine am Mittwoch abgelaufene Frist um zwei Wochen. Laut Tygart habe Armstrong selbst um den Aufschub gebeten. Offenbar erhofft der Texaner sich dadurch nun doch eine Reduzierung seiner lebenslangen Sperre.

psk/dpa

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Goldes 08.02.2013
1. na klar!
Das ist wohl der wahre Grund, warum Lance Armstrong nicht schon länger alles zugegeben hat. Spricht man mit Sportlern privat, weiß man, daß praktisch alle Leistungssportler dopen. Und wenn ich als Privatmann das weiß, dann weiß es der Spiegel auch, denke ich. Daß der Spiegel (und all die anderen Medien) darüber aber nicht berichten, hat wahrscheinlich ebenfalls mit Schadenersatzklagen zu tun.
Stelzi 08.02.2013
2. Sehr schön!
Das freut mich sehr. Hoffentlich verklagen ihn noch andere geprellte Sponsoren. Armstrong hat doch nicht etwa geglaubt, er könne mal schnell (für Geld, versteht sich) beichten, zwei drei Buchverträge abschliessen und in 5-10 Jahren ist Gras über die Sache gewachsen?
dr.u. 08.02.2013
3. Seid gnädig
Zitat von sysopREUTERS/ Harpo StudiosDas Doping-Geständnis Lance Armstrongs zieht erste Konsequenzen nach sich. Die Versicherungsgesellschaft SCA Promotions hat den Ex-Radstar auf eine zweistellige Millionensumme verklagt, er soll die Prämien für seine sieben aberkannten Tour-de-France-Siege zurückzahlen. http://www.spiegel.de/sport/sonst/versicherung-verklagt-lance-armstrong-auf-zwoelf-millionen-dollar-a-882136.html
Macht aus der lebenslangen Sperre eine 15-20 jährige Sperre. Dann ist Armstrong 57-62 Jahre alt. Da reißt er dann ohne Doping im internationalen Profi-Radsport eh nichts mehr...
gifmemore 08.02.2013
4. Schadenersatz
nunja 12 Mio inkl. Zinsen oder ohne? Letztlich auch egal... daran sieht man was für ein Irrwitz im Sport herrscht ... Armstrong hat ein Vermögen von über 50 Mio. Das wenigste davon sind Preisgelder - denn beim Radsport gibts ja nicht soviel Kohle zu erradeln. Selbst wenn ihn alle Sponsoren verklagen - wird er weiterhin ein vermögender Mann bleiben. Die Versicherung wird die 12 Mio. eh nicht bekommen... wahrscheinlich einigt man sich auf eine niedrigere Summ.
schrecklassnach 08.02.2013
5. Business as usual...
...sponsorn bis es auffaellt und dann den Suendenbock verklagen - nur weil er erfolgreicher gedopt hat als all die anderen sogenannten Spitzensportler? Irgendwo hoert die menschliche Leistungsfaehigkeit halt auf, und alles was darueber geht ist nicht mehr "echt". Natuerlich gibt es Ausnahmen, aber die kann man an einer Hand abzaehlen. Wenn man also in eine offensichtliche Tour de Pharma investiert hat, dann sollte man jetzt nicht heulen.
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