Vierschanzentournee "Martin Schmitt - wer sonst?"

Bereits vor dem ersten Springen am 29. Dezember in Oberstdorf steht für Athleten und Experten der Gesamtsieger der 49. Vierschanzentournee fest.


Auch in der Gunst der Fans liegt Martin Schmitt ganz vorne
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Auch in der Gunst der Fans liegt Martin Schmitt ganz vorne

Oberstdorf - Martin Schmitt jedoch schultert die Favoritenbürde nur widerwillig. "Ich will versuchen, locker zu bleiben und einfach nur gut zu springen", stapelt der Weltcupsieger vom SC Furtwangen vor dem Auftaktspringen am 29. Dezember in Oberstdorf tief. Damit steht er jedoch nach der neuerlichen Führung im Gesamtweltcup so ziemlich alleine da.

"Martin Schmitt ist der große Favorit. Wer sonst", sagt selbst Österreichs Star-Springer Andreas Widhölzl. "Martin muss sich der Favoritenrolle stellen", fordert Bundestrainer Reinhard Heß. Dem auf den Schild Gehobenen sind markige Sprüche, die die Konkurrenz der 95 gemeldeten Springer aus 20 Nationen beeindrucken sollen, nicht zu entlocken. "Natürlich fehlt mir der Tournee-Sieg in meiner Sammlung", sagt der 22-Jährige und fügt hinzu: "Aber wenn ich jetzt sage, ich will gewinnen, dann fehlt mir wie im letzten Jahr auch die Lockerheit." Denn 1999 verpatzte Schmitt nach dem Auftaktsieg in Oberstdorf als Elfter (schlechteste Saisonplatzierung) beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen seine Chancen auf den Gesamtsieg.


Flucht ins Wohnmobil


Die damalige Nervosität resultierte auch aus den zum Teil chaotischen Zuständen in der Tournee-Organisation. Die deutschen Skispringer hatten kaum eine ruhige Minute und mussten sich überschwänglichen Zuneigung der Zuschauer fast schon erwehren. Diesmal soll zwar nicht alles, aber vieles anders werden. In einem Wohnmobil finden die Springer Ruhe, die Hotels wurden gewechselt, bis tief in die Nacht kreischende Fans sollen damit der Vergangenheit angehören.

"Wir wollen uns nicht abschotten, sondern uns nur zurückziehen, einfach wir selbst bleiben", warb Schmitt um Verständnis. "Wir müssen einfach einige Maßnahmen ergreifen. Wenn Martin mental müde ist, ist er nur einer von vielen", erklärte Co-Trainer Wolfgang Steiert.


Zahlen sprechen für "Air" Schmitt


Ganz wach ist Schmitt dann, wenn es gilt, auch andere Top-Springer in die Favoritenrolle zu reden. Andreas Widhölzl, die Finnen um Janne Ahonen und Matti Hautamaeki, dazu Kazuyoshi Funaki (Japan) und auch Sven Hannawald aus Hinterzarten hat der Weltcupsieger der beiden vergangenen Jahre auf der Rechnung. Trotz einer verschleppten Virusinfektion und mehrwöchiger Sommerpause kam "Hanni" im Gegensatz zu den Vorjahren überraschend gut in die neue Saison.

Doch trotz der großen Konkurrenz spricht einiges dafür, dass "Air" Schmitt bei der 49. Auflage der Tournee den 16. Sieg eines Deutschen erringen kann. Materialprobleme im Sommer und noch zu Beginn der Saison brachten ihn nicht aus dem Konzept. Auch die Statistik spricht für den "Überflieger" Schmitt: Zwei Erfolge in bislang drei Weltcup-Konkurrenzen, Doppelweltmeister, zweimal in Folge Weltcupsieger mit insgesamt 23 Weltcup-Erfolgen.



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