Klitschkos Sieg gegen Charr "Komm, kämpf!"

Manuel Charr hatte sich Großes vorgenommen für seinen Kampf gegen Vitali Klitschko. Doch daraus wurde nichts, eine Verletzung stoppte den Herausforderer. Für den ukrainischen Titelverteidiger rückt nun das Karriereende näher. Vieles deutet auf ein letztes Highlight hin.

AFP

Von


Reihenweise landete Vitali Klitschko schwere Körpertreffer, der Gegner - in die Seile gedrängt - versuchte sich zu schützen. Vergebens. Im Publikum jubelte Klitschkos Ehefrau Natalia ihrem Gatten zu. Dann setzten die Geigen ein. Es war ein Musikvideo, das Box-Highlights aus Klitschkos Karriere zeigte und das den Gesangsauftritt der Klitschko-Gattin Natalia untermalte. Der WBC-Kampf ihres Gatten kurz darauf sollte nur unwesentlich länger dauern.

Manuel Charr, der deutsch-libanesische Herausforderer aus Köln, ging in der zweiten Runde erstmals zu Boden. In der vierten Runde brach der Ringrichter das ungleiche Duell wegen eines stark blutenden Cuts über dem rechten Auge ab.

"Leider ist der Kampf abgebrochen worden. Manuel ist ein mutiger Junge mit großem Herz", sagte der 41-Jährige Klitschko. Der unterlegene 27-Jährige ärgerte sich über die Entscheidung der Offiziellen. "Ich bin ein Boxer, der sechs Runden einsteckt. Aber die zweite Hälfte des Kampfes wäre mein Fight gewesen", so Charr. Unmittelbar nach dem Abbruch war er blutüberströmt durch den Ring gelaufen und hatte in Richtung Klitschko "Komm, kämpf!" gerufen.

Auf die Enttäuschung Charrs folgte ein offizieller Protest. Die Untersuchung des Cuts sei in der falschen Ringecke, jener der Klitschkos, vorgenommen worden, zudem zweifelte Charrs Cut-Man die Entscheidung des Ringarztes an. Die Wunde hätte durchaus geschlossen werden können. Er wolle sich bei allen Zuschauern in Deutschland für die Unterstützung bedanken und sich entschuldigen, dass der Kampf nun schon so schnell vorbeigegangen sei, sagte Charr.

Der "Koloss aus Köln" war sichtlich darum bemüht, beim deutschen Publikum zu punkten. Doch schon vor der ersten Runde hatte ihm ein Konkurrent die Show gestohlen. David Haye bekam in der Übertragung von RTL in etwa ebenso viel Platz eingeräumt wie der Kampf selbst. Immer wieder wurde nach London geschaltet, wo der 31-jährige Brite nicht müde wurde, sich als nächsten Gegner Vitalis anzubieten.

"Ich hätte mir schon gewünscht, dass mein Mann aufhört zu boxen"

"Meine Hoffnung ist, dass Klitschko endlich gegen jemanden boxt, den die Leute auch sehen wollen - und das bin ich! Ich brauche einen Klitschko-Sieg auf meiner Liste", sagte Haye, der im Juli 2011 gegen Wladimir Klitschko nach Punkten verloren hatte.

Schon lange fordert Haye einen Kampf gegen Vitali Klitschko, zuletzt nach seinem Comeback gegen Dereck Chisora. Klitschko hatte früher zwar mehrfach betont, gegen Haye boxen zu wollen. Konkret wurden diese Pläne bislang aber noch nicht, weil sich die Parteien beim Geld nicht einigen konnten.

Die Dramaturgie der Nacht von Moskau deutet darauf hin, dass der Kampf nun doch zustande kommt. Es soll ein letztes Highlight werden in der Karriere Vitali Klitschkos, womöglich in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Dass zumindest noch ein Kampf folgt, gilt als sicher. Klitschko wird seine so erfolgreiche Karriere nicht mit einem Kampf gegen einen Nobody beenden.

Das vor Beginn des Fights gezeigte Musikvideo wirkte bereits wie ein "Best of" des 41-Jährigen, seine Ehefrau sagte: "Ich hätte mir schon ein paar Mal gewünscht, dass er aufhört. Aber das entscheidet allein mein Mann."

Fest steht bereits, welche Karriere Klitschko nach dem Boxen anstrebt - er will in die Politik. In einem Monat finden in der Ukraine die Parlamentswahlen statt, Vitali Klitschko tritt als Vorsitzender der Partei UDAR antritt. In den Umfragen erreicht sie 12 bis 15 Prozent der Stimmen, genug für den Parlamentseinzug.



© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.