Volleyball-Champions-League Erkaufter Glanz

Die Volleyball-Champions-League beginnt, drei deutsche Clubs sind dabei. Doch wo in anderen Sportarten in diesem Wettbewerb Millionen verdient werden, müssen die Vereine in dieser Sportart draufzahlen. Wer mit den Großen mitspielen will, geht ein finanzielles Risikogeschäft ein.

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Spieler der BR Volleys: Champions League als finanzieller Aufwand
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Spieler der BR Volleys: Champions League als finanzieller Aufwand


Als Robert Harting die Meisterschale in die Berliner Max-Schmeling-Halle trug, tobten die 6500 Zuschauer. Der Olympiasieger im Diskuswurf eröffnete in der vergangenen Woche die neue Saison der Volleyball-Bundesliga, Harting war der Star-Gast. Eine Lasershow folgte, danach das Duell der Dauerrivalen Berlin und Friedrichshafen. Eine große Show zum Auftakt.

Die Volleyball-Top-Vereine in Deutschland bemühen sich, ihre Sportart auf eine große Bühne zu heben. Doch die wirklich wichtigen Spiele laufen in einem anderen Wettbewerb: in der Champions League, die am Mittwoch beginnt. Zum ersten Mal seit Einführung des Wettbewerbs wird Deutschland mit drei Mannschaften vertreten sein. Berlin, Friedrichshafen und Unterhaching werden sich unter anderem mit den Top-Teams aus Italien und Russland messen.

Doch der sportliche Glanz hat einen Haken: "Champions League zu spielen ist wichtig und auch gut für das Image. Aber es bedeutet einen finanziellen Aufwand für den Verein", sagt Josef Köck, Manager von Generali Haching, SPIEGEL ONLINE. Er weiß, wovon er spricht: Sein Verein war in den vergangenen zwei Jahren in der Königsklasse vertreten. Es ist ein finanzielles Risikogeschäft, das die deutschen Vereine für die Teilnahme in Kauf nehmen müssen.

Finanzielle Ausgaben im sechsstelligen Bereich

Der Europäische Volleyballverband CEV listet in den "finanziellen Regularien" alle erforderlichen Ausgaben genau auf. So mussten die drei deutschen Clubs bereits wenige Tage nach Ende der Ligasaison Ende April die ersten 25.000 Euro für die Teilnahme an der Gruppenphase auf das CEV-Konto überweisen. Zu diesem Zeitpunkt kann normalerweise noch von keiner seriösen finanziellen Kalkulation für die neue Saison gesprochen werden. Für das Erreichen der K.o.-Runden verlangt der CEV weitere Gebühren.

Doch es sind nicht nur die Antrittsgelder, die die Vereine belasten. Der Heimverein muss Gebühren für das CEV-Personal inklusive der Schiedsrichter, Lizenzen und medizinischen Versicherung für die Spieler sowie Reiskosten zahlen. "120.000 bis 130.000 Euro", sagte Kaweh Niroomand, Manager der BR Volleys, koste den Verein die Auftritte in diesem Wettbewerb.

Clubs zahlen mehr ein, als sie durch Preisgelder verdienen

Im Gegensatz zum Fußball, wo die Vereine mit der Champions League zweistellige Millionenbeträge verdienen, ist der Wettbewerb im Volleyball finanziell nicht lukrativ. "Es ist keine Geschichte, mit der man schwarze Zahlen schreibt. Auch nicht, wenn man Champions-League-Sieger wird", sagt Stefan Mau, der als Manager des VfB Friedrichshafen die Bilanzen aus dem Jahr des eigenen Champions-League-Triumphes 2007 kennt.

Zwar verteilt der CEV nach jedem Spiel Preisgelder an die Vereine, am Ende erhält der Champions-Legaue-Gewinner mindestens 50.000 Euro. Unterm Strich müssen alle Clubs, selbst die erfolgreichen, aber mehr einzahlen, als sie durch Preisgelder verdienen.

Weitere Zahlungen können folgen, wenn Regeln nicht befolgt werden. Ein Beispiel: Im Schnitt müssen 1.000 Zuschauer in der Gruppenphase ein Heimspiel in der Königsklasse besuchen. Gelingt dies nicht, zahlt der Verein 3.000 Euro Strafe an den CEV. Die offiziell angegeben Zuschauerzahlen von Unterhaching aus der vergangenen Saison (1.050, 1.150, 1.017) lassen erahnen, dass der Verein alles unternommen hat, um diese Strafe nicht zu zahlen.

Auch für die TV-Übertragungen sind die Clubs verantwortlich. Für jedes Heimspiel müssen die Vereine ein Satelliten-Signal zur Verfügung stellen, das die Bilder in alle europäischen Länder übertragen kann. Da in Deutschland kein Sender für die Übertragungsrechte im Volleyball zahlt, tragen die Vereine die Produktionskosten selbst. Allein für die drei Heimspiele in der Vorrunde bedeutet das einen Gesamtaufwand von rund 30.000 Euro. Im Gegensatz zu Deutschland gehört die Vermarktung der Bildrechte in anderen Ländern zur zentralen Einnahmequelle.

Der Verband glaubt dennoch an die Attraktivität seines Wettbewerbs: "Wenn das so negativ wäre, dort zu spielen, dann frage ich mich, warum wir diese Saison so viele Bewerbungen hatten wie noch nie", sagt CEV-Direktor Thorsten Endres. Die Antwort liefert Friedrichshafen-Manager Mau: Durch die Teilnahem an der Champions League "bekommen wir Spieler, die sonst nicht bei uns spielen würden."

Übrigens: Wer viel ausgeben kann, dem erlaubt das CEV-Regelwerk gravierende sportliche Vorteile. Trägt eine Mannschaft die Finalrunde der Champions League, an der die besten vier Teams teilnehmen, in der eigenen Halle aus und übernimmt dafür alle Kosten, rutscht sie nach Überstehen der Vorrunde automatisch in diese Finalrunde. Der polnische Verein Belchatów kaufte sich so in den vergangen fünf Jahren gleich dreimal ins Finale ein. Gewinnen konnte das Team den Wettbewerb trotz des erkauften Heimbonus' aber noch nicht.

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
schensu 23.10.2012
1. Ich freue mich!
Zitat von sysopDPADie Volleyball-Champions-League beginnt, drei deutsche Clubs sind dabei. Doch wo in anderen Sportarten in diesem Wettbewerb Millionen verdient werden, müssen die Vereine in dieser Sportart draufzahlen. Wer mit den Großen mitspielen will, geht ein finanzielles Risikogeschäft ein. http://www.spiegel.de/sport/sonst/volleyball-champions-league-cev-verlangt-viel-geld-fuer-teilnahme-a-862392.html
Was für eine Überraschung: Volleyball bei Spon. Vielen Dank für diesen Artikel, der die Probleme dieser schönsten aller Ballsportarten in unserem fußballerstickten Land aufzeigt. Weltweit, besonders in Europa, erlebt die Kunst des Schmetterns ungeahnten Zuspruch. In D ist nicht mal das Erreichen des Triples für den VfB F´hafen eine besondere Erwähnung wert. Andere träumen seit Jahren davon und jeder muss ein ums andere Mal an den geplatzten Träumen teilhaben, weil es die Medien ja so wollen. Die Strukturen in D, die dazu führen, dass von einer gerechten Verteilung von öffentlichen Geldern nicht die Rede sein kann, führt dazu, dass Spieler der 2. VBBL nicht nur nicht Geld für ihren Einsatz bekommen, sondern gelegentlich sogar die Fahrtkosten bei Auswärtsspielen selbst tragen müssen. Ein Unding. Das Thema Armstrong und Radsport ist derzeit in aller Munde. Alle sind Schuld, außer die Medien, die jehrelang wider besseren Wissens ihre Übertragungsgelder u.a. in die Tour de Apotheke feuerten. Wer trifft solche Entscheidungen? Olympia ist gerade rum und wir haben GOLD bei den Beachern geholt. Was für eine Sensation! Kann sich noch jemand daran erinnern, wie sich unsere Fußballer nach dem Ausscheiden in der Quali äußerten? Was für Patrioten, was für "Sportler". Also ihr Medien, die immer eure Qualitätsansprüche monstranzähnlich vor euch hertragt, berichtet mehr vom Volleyball. Nicht irgendwas abschreiben, was euch irgendein Mediendienst vorgekaut serviert, sondern selbst hingehen, mit den Fans und Spielern reden. Und endlich diesen alles erstickenden Wildwuchs in der Berichterstattung zum Fußball dafür begrenzen. Ich brauche wirklich nicht auch noch die türkische SüperLiga... Dann vielleicht, gelingt es uns zu unseren großen Volleyballnachbarn Polen, Italien, Frankreich, Russland... aufzuschließen.
goethestrasse 23.10.2012
2. Geld statt Tradion und Talent
Volleyball wird wie Basketball auch eine Retortensportart in Deutschland bleiben. Ohne grosszügige Sponsoren werden Vereine und Vereinsnamen entstehen und schnell wieder verschwinden ohne Nachhaltigkeit. Die Vereine, die es seriös betreiben landen nie in der 1. Liga und beim Basketball, wenn überhaupt in der ProB.
un-Diplomat 23.10.2012
3. Die ganze Volleyball-Sache ...
Zitat von sysopDPADie Volleyball-Champions-League beginnt, drei deutsche Clubs sind dabei. Doch wo in anderen Sportarten in diesem Wettbewerb Millionen verdient werden, müssen die Vereine in dieser Sportart draufzahlen. Wer mit den Großen mitspielen will, geht ein finanzielles Risikogeschäft ein. http://www.spiegel.de/sport/sonst/volleyball-champions-league-cev-verlangt-viel-geld-fuer-teilnahme-a-862392.html
... gibt schon lange keinen vernünftigen Sinn. Ich habe zwei Europapokale gewonnen (einen als Spieler, den anderen als Trainer) und sehe heute keinen Grund mehr, meine Region zu verlassen, um an höherklassigem Volleyball teilzunehmen. Die kleinen Mannschaften mit Ehrgeiz sind durchaus akzeptabel. Die Bundesligavereine stehen sämtlich ohne Rücklagen da. Jede neue Saison gleicht einer Erfindung, das nötige Geld zusammen zu kratzen. Wenn der Häfler-Manager Mau erklärt, ohne CL bekäme er manchen Spieler nicht, muss man doch darüber nachdenken, es so zu machen wie die meisten Vereine - bezahlbaren Mannschaftskader, teilnehmen am nationalen Wettbewerb und sehen, dass man in seiner Liga drin bleibt. In der 1. BL mit dem Playoff-Modus degradiert man dazu noch alle Vorrundenspiele und wundert sich über so wenige Zuschauer im Vergleich zu Handball, Basketball oder Eishockey. Bis auf einige wenige Ausnahmen sind bei den Herren die Nationalspieler im Ausland unter Vertrag. Die Einführung der 3. Liga ist ein Witz, wenn aus den 2. Ligen die besten Mannschaften nicht aufsteigen wollen (weil das Geld fehlt) und selbst die 1. BL nicht vollständig besetzt ist und dazu jährlich noch mindestens ein Verein Pleite geht. So wird das nichts werden mit DVL. Erfreulich, dass die Nationalmannschaften derzeit ein besseres Bild abgeben.
future-trunks 23.10.2012
4.
die frage ist, was will man machen. das gleiche problem haben ja auch andere randsportarten. wasserball ist da so ein paradebeispiel oder auch baseball. wenn die leute nicht zu den spielen gehen, kann man sie auch nicht zwingen. klar, etwas mehr mediale aufmerksamkeit wäre sicher wnschenswert, aber selbst bei sowas wie frauenfussball bringt die permanente tv-zeit für die letzte WM bspw. ja irgendwie trotzdem niemanden dazu da ins stadion zu gehen.
drnice1983 23.10.2012
5.
Zitat von future-trunksdie frage ist, was will man machen. das gleiche problem haben ja auch andere randsportarten. wasserball ist da so ein paradebeispiel oder auch baseball. wenn die leute nicht zu den spielen gehen, kann man sie auch nicht zwingen. klar, etwas mehr mediale aufmerksamkeit wäre sicher wnschenswert, aber selbst bei sowas wie frauenfussball bringt die permanente tv-zeit für die letzte WM bspw. ja irgendwie trotzdem niemanden dazu da ins stadion zu gehen.
Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Wenn zu einem CL Spiel, gerade ein mal (anscheinend wohlwollend gezälte) 1.000 Zuschauer kommen, warum sollte dann eine solche Sportart Millionen an öffentlichen Geldern bekommen? Wenn sich ganz offensichtlich doch "fast keiner" dafür interessiert?
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