Von Jonathan Sachse
Als Robert Harting die Meisterschale in die Berliner Max-Schmeling-Halle trug, tobten die 6500 Zuschauer. Der Olympiasieger im Diskuswurf eröffnete in der vergangenen Woche die neue Saison der Volleyball-Bundesliga, Harting war der Star-Gast. Eine Lasershow folgte, danach das Duell der Dauerrivalen Berlin und Friedrichshafen. Eine große Show zum Auftakt.
Die Volleyball-Top-Vereine in Deutschland bemühen sich, ihre Sportart auf eine große Bühne zu heben. Doch die wirklich wichtigen Spiele laufen in einem anderen Wettbewerb: in der Champions League, die am Mittwoch beginnt. Zum ersten Mal seit Einführung des Wettbewerbs wird Deutschland mit drei Mannschaften vertreten sein. Berlin, Friedrichshafen und Unterhaching werden sich unter anderem mit den Top-Teams aus Italien und Russland messen.
Doch der sportliche Glanz hat einen Haken: "Champions League zu spielen ist wichtig und auch gut für das Image. Aber es bedeutet einen finanziellen Aufwand für den Verein", sagt Josef Köck, Manager von Generali Haching, SPIEGEL ONLINE. Er weiß, wovon er spricht: Sein Verein war in den vergangenen zwei Jahren in der Königsklasse vertreten. Es ist ein finanzielles Risikogeschäft, das die deutschen Vereine für die Teilnahme in Kauf nehmen müssen.
Finanzielle Ausgaben im sechsstelligen Bereich
Der Europäische Volleyballverband CEV listet in den "finanziellen Regularien" alle erforderlichen Ausgaben genau auf. So mussten die drei deutschen Clubs bereits wenige Tage nach Ende der Ligasaison Ende April die ersten 25.000 Euro für die Teilnahme an der Gruppenphase auf das CEV-Konto überweisen. Zu diesem Zeitpunkt kann normalerweise noch von keiner seriösen finanziellen Kalkulation für die neue Saison gesprochen werden. Für das Erreichen der K.o.-Runden verlangt der CEV weitere Gebühren.
Doch es sind nicht nur die Antrittsgelder, die die Vereine belasten. Der Heimverein muss Gebühren für das CEV-Personal inklusive der Schiedsrichter, Lizenzen und medizinischen Versicherung für die Spieler sowie Reiskosten zahlen. "120.000 bis 130.000 Euro", sagte Kaweh Niroomand, Manager der BR Volleys, koste den Verein die Auftritte in diesem Wettbewerb.
Clubs zahlen mehr ein, als sie durch Preisgelder verdienen
Im Gegensatz zum Fußball, wo die Vereine mit der Champions League zweistellige Millionenbeträge verdienen, ist der Wettbewerb im Volleyball finanziell nicht lukrativ. "Es ist keine Geschichte, mit der man schwarze Zahlen schreibt. Auch nicht, wenn man Champions-League-Sieger wird", sagt Stefan Mau, der als Manager des VfB Friedrichshafen die Bilanzen aus dem Jahr des eigenen Champions-League-Triumphes 2007 kennt.
Zwar verteilt der CEV nach jedem Spiel Preisgelder an die Vereine, am Ende erhält der Champions-Legaue-Gewinner mindestens 50.000 Euro. Unterm Strich müssen alle Clubs, selbst die erfolgreichen, aber mehr einzahlen, als sie durch Preisgelder verdienen.
Weitere Zahlungen können folgen, wenn Regeln nicht befolgt werden. Ein Beispiel: Im Schnitt müssen 1.000 Zuschauer in der Gruppenphase ein Heimspiel in der Königsklasse besuchen. Gelingt dies nicht, zahlt der Verein 3.000 Euro Strafe an den CEV. Die offiziell angegeben Zuschauerzahlen von Unterhaching aus der vergangenen Saison (1.050, 1.150, 1.017) lassen erahnen, dass der Verein alles unternommen hat, um diese Strafe nicht zu zahlen.
Auch für die TV-Übertragungen sind die Clubs verantwortlich. Für jedes Heimspiel müssen die Vereine ein Satelliten-Signal zur Verfügung stellen, das die Bilder in alle europäischen Länder übertragen kann. Da in Deutschland kein Sender für die Übertragungsrechte im Volleyball zahlt, tragen die Vereine die Produktionskosten selbst. Allein für die drei Heimspiele in der Vorrunde bedeutet das einen Gesamtaufwand von rund 30.000 Euro. Im Gegensatz zu Deutschland gehört die Vermarktung der Bildrechte in anderen Ländern zur zentralen Einnahmequelle.
Der Verband glaubt dennoch an die Attraktivität seines Wettbewerbs: "Wenn das so negativ wäre, dort zu spielen, dann frage ich mich, warum wir diese Saison so viele Bewerbungen hatten wie noch nie", sagt CEV-Direktor Thorsten Endres. Die Antwort liefert Friedrichshafen-Manager Mau: Durch die Teilnahem an der Champions League "bekommen wir Spieler, die sonst nicht bei uns spielen würden."
Übrigens: Wer viel ausgeben kann, dem erlaubt das CEV-Regelwerk gravierende sportliche Vorteile. Trägt eine Mannschaft die Finalrunde der Champions League, an der die besten vier Teams teilnehmen, in der eigenen Halle aus und übernimmt dafür alle Kosten, rutscht sie nach Überstehen der Vorrunde automatisch in diese Finalrunde. Der polnische Verein Belchatów kaufte sich so in den vergangen fünf Jahren gleich dreimal ins Finale ein. Gewinnen konnte das Team den Wettbewerb trotz des erkauften Heimbonus' aber noch nicht.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Sport | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH