Starcoach Stelian Moculescu Der Heynckes des Volleyballs

Er hatte sich schon zur Ruhe gesetzt. Dann kam Volleyball-Legende Stelian Moculescu für drei Monate zurück und holte den Titel mit dem Erzrivalen seines alten Klubs. Jetzt kann er aber wirklich aufhören - oder?

Stelian Moculescu (Mitte) mit Familie
imago/Eibner

Stelian Moculescu (Mitte) mit Familie


Am 1. Mai 2016 wurde Stelian Moculescu in Berlin mit stehenden Ovationen in den Ruhestand geleitet. Der erfolgreichste Volleyball-Trainer Deutschlands hatte gerade mit dem VfB Friedrichshafen das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 0:3 gegen die BR Volleys verloren. Es war ein bewegender Abschied, und ein unvollendeter, denn es passte so gar nicht zu dem Mann, der den deutschen Volleyball geprägt hat wie kein anderer, ohne Titel abzutreten.

Am Mittwoch hat Moculescu seine Geschichte neu geschrieben: In seiner alten Halle am Bodensee gewann der 68-Jährige mit den BR Volleys 3:0 (25:20, 25:17, 25:22) gegen Friedrichshafen. Damit setzte er den Schlusspunkt hinter eine Finalserie, die Berlin erst im fünften Spiel 3:2 für sich entscheiden konnte. Und nebenbei ging Moculescu noch mal in den Ruhestand. Diesmal richtig.

Im Februar erst hatte BR-Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand den gebürtigen Rumänen, der in 40 Jahren als Trainer über 40 Titel gewann, zu einem Comeback überredet. Die Berliner trennten sich nach einer bis dahin enttäuschenden Saison von Luke Reynolds und brauchten einen Mann, der sofort helfen konnte. "Ich kann nicht zaubern", sagte Moculescu, als er das verunsicherte Team vor 86 Tagen übernahm - offensichtlich kann er es doch.

Jakob Günthör (Friedrichshafen) schlägt den Ball ins Netz, Berlins Graham Vigrass versucht, zu blocken.
DPA

Jakob Günthör (Friedrichshafen) schlägt den Ball ins Netz, Berlins Graham Vigrass versucht, zu blocken.

Mit Bier bespritzt, lagen er und Niroomand sich nach dem Titelgewinn in den Armen. Das wäre früher undenkbar gewesen. Jahrzehntelang hatten die beiden Alphatiere des deutschen Volleyballs sich keines Blickes gewürdigt. Ehrgeizig und eitel leisteten sie herausragende Arbeit, allerdings 800 Kilometer voneinander entfernt: Von 1997 bis 2016 gehörte Moculescu zu Friedrichshafen. Mit dem Automobilzulieferer ZF und einer Stiftung der Stadt schafft der Klub bis heute ein professionelles Umfeld, in dem die Spieler sich voll auf den Sport konzentrieren können. "Sie hatten die besten Mittel und mit Moculescu über lange Zeit einen Trainer, der erfahrene Spieler führen und gleichzeitig junge Spieler ausbilden kann", sagt Liga-Geschäftsführer Klaus-Peter Jung.

Bis 2011 dominierte der VfB die Bundesliga. "Ich denke aber, die BR Volleys haben Friedrichshafen inzwischen überholt", sagt Jung. Fünf der vergangenen sechs Finalserien entschieden die Berliner für sich. Triebfeder des Erfolgs ist Geschäftsmann Niroomand. Aus dem SC Charlottenburg entwickelte er mit sieben hauptamtlichen Mitarbeitern und dem Unternehmen Berlin Recycling die Marke BR Volleys.

Umzug in den Prenzlauer Berg

2008 wagte Niroomand den Umzug in eine Multifunktionsarena im hippen Prenzlauer Berg und machte dort aus jedem Volleyballspiel ein Spektakel, das zur diesjährigen Finalserie im Schnitt 7500 Zuschauer anlockte. Das sind Zahlen, von denen der VfB träumt. Der Klub kämpft seit Jahren um Zuschauer, diverse Marketingaktionen gingen bereits daneben. Zum Endspiel um die Deutsche Meisterschaft war die Arena mit ihren knapp 4000 Plätzen aber seit langer Zeit mal wieder ausverkauft.

Seit 21 Jahren machen Friedrichshafen und Berlin die nationale Meisterschaft unter sich aus. Inzwischen haben Klubs wie United Volleys Rhein Main oder Düren den Abstand verkürzt, mit den Alpenvolleys Haching ist ein neuer Konkurrent hinzugekommen. Die Finalpaarung aber ist so vorhersehbar, dass der Spartensender Sport 1 sich bei der Übertragung in dieser Saison lieber auf die Frauen fokussierte. "Ich verstehe das vor dem Hintergrund, dass Volleyball der einzige Sport ist, bei dem die Frauen mit den Männern auf Augenhöhe sind", sagte Niroomand. Dass aber nicht einmal die dramatische Finalserie seines Teams im TV zu sehen war, konnte er nicht nachvollziehen: "Diese Serie war sensationell für den deutschen Volleyball."

Spannung liegt stets in dem ungewissen Ausgang. So war der VfB in der gesamten Hauptrunde ungeschlagen, gewann wettbewerbsübergreifend 37 Spiele in Serie, darunter fünf gegen den ewigen Rivalen aus Berlin. Am Ende hievten aber doch die BR Volleys die Meisterschale in die Höhe. Auch international haben beide Klubs sich einen Namen gemacht. 2017 qualifizierten die BR Volleys sich erstmals sportlich für das Finalturnier der Champions League. Friedrichshafen landete in dieser Saison unter den sechs besten Teams der Königsklasse.

Die weitere Entwicklung der beiden Klubs und deren Vorherrschaft in der Liga kann Stelian Moculescu ab sofort entspannt aus seinem Haus in Langenargen am Bodensee beobachten. Dorthin will er nach der Episode in Berlin mit seiner Frau zurückkehren. Oder doch nicht? "Ich denke, zu 99,9 Prozent werde ich nicht mehr Trainer sein", sagte Moculescu nach dem aktuellen Titel. Klingt so der Ruhestand?



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sepp161 10.05.2018
1. VfB RVB
Ich war gestern beim Spiel, Berlin hat verdient gewonnen, keine Frage, das sage ich als VfB-Anhänger. Die Finalserie war sensationell, eine großartige Werbung für diesen Sport. Ich denke, ohne Moculescu wäre das anders ausgegangen. In Friedrichshafen sind die Zuschauer seit vielen Jahren verwöhnt und wirklich spannende Spiele gab es dieses Mal nur zum Ende der Saison. Der VfB war bis dahin einfach zu überlegen. Aber: der ständige Vergleich der Zuschauerzahlen FN / Berlin übersieht, dass Friedrichshafen 60.000 Einwohner hat und Berlin eine Millionenstadt ist. Auch in Berlin ist bei einem normalen Ligaspiel die Bude nur halbvoll. Sei es drum: ich freue mich auf die nächste Saison. Der Liga täte es aber gut, wenn es außer Friedrichshafen und Berlin noch ein oder zwei Vereine gäbe, die um die Meisterschaft mitspielen könnten. Die genannten United Volleys, Düren oder Alpenvolleys sind von diesem Niveau leider noch ziemlich weit entfernt.
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