Deutsche Volleyballer Erfolgreich unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Olympia-Gold, EM-Silber und jetzt auch noch WM-Bronze: Trotz vieler Erfolge führt der deutsche Volleyball ein mediales Nischen-Dasein. Jetzt wagen Verband und Liga einen Vorstoß.

REUTERS

Von und Ronny Zimmermann


SPIEGEL ONLINE Fußball
Hamburg - Denis Kaliberda holte aus und knallte den Ball mit voller Wucht ins Feld der Franzosen. Matchball versenkt, Bronze bei der Weltmeisterschaft in Polen gewonnen - die erste Medaille für die deutschen Volleyballer seit 44 Jahren. Eine starke Vorstellung. Allein: In ihrer Heimat sah der Nationalmannschaft kaum jemand zu.

Wie auch? Medial fand der Riesenerfolg so gut wie nicht statt. ARD und ZDF zeigten kein einziges WM-Spiel. Ein kurzer Bericht in der "Sportschau" am Sonntagabend musste reichen, Länge: 3:38 Minuten. Volleyball im TV? Fehlanzeige.

"Wir müssen unsere mediale Präsenz dringend erhöhen und ausbauen", sagt Thomas Krohne. Der Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) erkennt eine große Kluft. Auf der einen Seite stehen zahlreiche Erfolge, wie etwa Olympiagold 2012 der Beachvolleyballer Julius Brink und Jonas Reckermann, EM-Silber 2013 der Frauen und zuletzt die WM-Bronzemedaille der Herren. Andererseits werden diese Leistungen in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen.

"Medial liegen wir hinter Handball, Eishockey oder Basketball", sagt Krohne. Diese Lücke will er so schnell wie möglich schließen. Sein erster Ansatzpunkt: der internationale Spielplan. Dieser müsse so modifiziert werden, dass "eine ganzjährige Bespielung mit den Nationalmannschaften möglich ist". Deutschlands beste Volleyballer stünden nur für ein paar Wochen bei den großen Turnieren im Fokus, es fehle an Kontinuität oder attraktiven Länderspielen in der Zeit dazwischen. Sponsoren hätten keine regelmäßige Plattform.

Dem Volleyball fehlt ein Nowitzki

Auch intern hat Krohne einige Schwachstellen entdeckt. Dem Volleyball mangele es an großen Persönlichkeiten, an Vorbildern oder gar vermeintlichen Helden. "Basketball hat Nowitzki, die Formel 1 hat Vettel, beim Fußball gibt es unendlich viele Beispiele - nur im Volleyball fällt den Leuten nicht gleich der große Name als Zugpferd ein", sagt der Präsident.

Solche Köpfe könnte eigentlich die Bundesliga hervorbringen. Das Problem: Die besten deutschen Spieler wechseln stets ins Ausland. Italien, Frankreich und Polen - im Volleyball kann Deutschland mit diesen Ländern nicht mithalten. Schon gar nicht wirtschaftlich. "Ich weiß von vielen Nationalspielern, dass sie gerne hier spielen würden, nur verdienen sie dann nicht einmal einen Bruchteil dessen, was sie im Ausland erhalten", sagt Krohne.

Als eine Reaktion gab sich die Bundesliga vor wenigen Wochen einen neuen Auftritt. "Wir wollen professionalisieren, weil wir im Wettbewerb mit den anderen Ballsportarten sind", sagte Liga-Geschäftsführer Klaus-Peter Jung bei der Saisoneröffnung. Die Bundesliga will eine eigene Marke werden, sucht einen Namenssponsor. Der WM-Erfolg der Männer könnte neuen Auftrieb geben.

Neuer Partner für nationale Ligen

Mit dem Internetkanal "Sportdeutschland.TV" haben die Verantwortlichen einen Bewegtbild-Partner gefunden. Das vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) unterstützte Format wird etwa einzelne Partien, Höhepunkte und Interviews zeigen. "In Deutschland leben mindestens drei Millionen Menschen, die wirklich sehr interessiert an Volleyball sind. Diese Zielgruppe wollen wir ansprechen", sagt Oliver Beyer, Geschäftsführer bei Sportdeutschland.TV. Allerdings werden die Beiträge vor allem auf der Internetseite zu sehen sein. Die große TV-Reichweite ist das noch lange nicht.

Dass ein Sprung auf die begehrten Sendeplätze möglich ist, beweisen die Volleyballerinnen. Nach der Silbermedaille bei der Europameisterschaft 2013 haben die Frauen ihren Erfolg genutzt. Wenn sie am Dienstagabend, 17 Uhr, bei der Weltmeisterschaft in Italien gegen die Dominikanische Republik aufschlagen, wird Sport 1 live übertragen. Mindestens fünf Spiele lang können die Frauen im Fernsehen auf ihren Sport aufmerksam machen. In der Spitze werden knapp eine Million Fans einschalten.

Es ist eine Entwicklung, die Hoffnung macht. Der Liga, den Spielern, und natürlich dem Verband mit seinem Präsidenten: "Wenn wir irgendwann mal ein Länderspiel zur "Tatort"-Zeit im TV haben, dann haben wir es geschafft", sagt Krohne.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 60 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Supertramp 22.09.2014
1. Dominanz der Fußball Übertragungen
Da werden dreiteilige Millionen Beträge für Fußball Übertragungsrechte von den GEZ Geldern ausgegeben und dann finden die Volleyball Übertragung nicht statt. Auch um Fußball Holigans bei den Spielen unter Kontrolle zu halten werden Gelder aus der Staatskasse Zweckentfremdet.
Stäffelesrutscher 22.09.2014
2.
»Die Bundesliga will eine eigene Marke werden, sucht einen Namenssponsor.« Damit sie dann nicht mehr Bundesliga heißt, so wie bei den Vorbildern Fußball und Handball, sondern Latschenkieferliga, Rotbullenliga, bet&lose-Liga? Und alle paar Jahre wechselt dann der Name, so wie in Österreich. Erbarmung.
zufriedener_single 22.09.2014
3. Gibt es einen langweiligeren Sport als Volleyball?
Boah, wie habe ich das damals im Schulsport gehaßt. Was langweiligeres als diesen Sport gibt es nicht!
LapOfGods 22.09.2014
4. Gleicher Gedanke
Zitat von zufriedener_singleBoah, wie habe ich das damals im Schulsport gehaßt. Was langweiligeres als diesen Sport gibt es nicht!
Ich gönne denen ja ihren Erfolg, aber ansonsten haben Sie meinen Beitrag voweggenommen.
jagutichsachmal 22.09.2014
5. Tennis...
Zitat von zufriedener_singleBoah, wie habe ich das damals im Schulsport gehaßt. Was langweiligeres als diesen Sport gibt es nicht!
Tennis und Golf sind noch einen Tick langweiliger.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.