Contador bei der Vuelta: Weit entfernt von einstiger Klasse

Aus Barcelona berichtet Tom Mustroph

Hohe Berge, brutale Anstiege: Das Streckenprofil der Vuelta wurde in diesem Jahr auf Alberto Contador zugeschnitten. Doch der Spanier findet nach seiner Dopingsperre noch nicht zu alter Form. Zudem macht ihm ein Landsmann das Leben schwer.

Alberto Contador: Comeback des Pistoleros Fotos
REUTERS

Die Veranstalter hatten sich solche Mühe gegeben. Das Streckenprofil der 67. Vuelta a España (18. August bis 9. September) war speziell auf Alberto Contador, den Superstar und Kletterspezialisten zugeschnitten worden. Doch der 29-Jährige scheint bei der großen Spanien-Rundfahrt seinen Meister gefunden zu haben. Dessen Name: Joaquim Rodríguez.

Rodríguez ließ sich in den Bergen von Contador nicht abschütteln, zog im Bergsprint sogar mehrfach vorbei. Für Contador grenzt das an Majestätsbeleidigung. In der Gesamtwertung führt Rodríguez nach 16 von 21 Etappen vor dem großen Favoriten. "Die größten Schwierigkeiten liegen hinter uns", sagt der Spitzenreiter.

Gemeint sind damit vor allem die Berge. Um Contador für die Rundfahrt zu gewinnen, hatten die Vuelta-Organisatoren extra einen neuen Berg ans Finale der Königsetappe vom Montag gesetzt. Der Anstieg mitten im Skigebiet von Valgrande-Pajares wurde um drei Kilometer verlängert, die Steigung betrug in diesem Abschnitt brutale 22 Prozent. Zum Vergleich: Die steilsten Passagen am legendären Tour-de-France-Berg L'Alpe d'Huez haben eine Steigung von knapp 15 Prozent.

"Joaquim ist mental unheimlich stark"

Die Kalkulation war einfach: Je länger ein Anstieg ist, und je steiler er sich in die Höhe schraubt, desto besser für Contador. Und die Rechnung ging zunächst auf. Der Spanier sagte für die Vuelta zu, zum zweiten Mal nach 2008 - als er gewann. Doch bei der Festlegung des aktuellen Parcours' haben die Organisatoren noch nicht wissen können, dass dieses Rennen der erste wichtige Wettkampf für Contador nach dessen Dopingsperre sein wird.

Doch aus der geplanten Triumphfahrt wurde nichts, wie der Anstieg nach Valgrande-Pajares zeigte. Wie gewohnt beorderte Contador seine Mannschaftskameraden nach vorn. Mit hohem Tempo wurde der Großteil des Feldes zermürbt, dann riss Contador selbst aus. Von früheren Rennen ist man gewohnt, dass der Rest des Pelotons in solchen Momenten vor Ehrfurcht erstarrt.

Nicht so bei dieser Vuelta. Zwar ließ Rodríguez seinen Kontrahenten zunächst davonziehen. Doch was wie Schwäche wirkte, musste einem kurz darauf wie ein Spiel vorkommen. Mit Leichtigkeit schloss Rodriguez zu Contador auf, beide wechselten sich an der Spitze ab, dann zog Rodríguez an und gewann. Wie sehr sich der Gesamtführende seiner Stärke bewusst ist, verrät sein sportlicher Leiter bei Katusha, Valerio Piva: "Joaquim ist mental unheimlich stark. Er ist ein ruhiger Bursche. Je ruhiger er wird, desto unruhiger wird Contador. Und weil Joaquim das weiß, versucht er eben noch ruhiger zu wirken."

Contador leidet unter Substanzverlust

Rodriguez kann auch deshalb glänzen, weil Contador nicht mehr seine alte Klasse besitzt. "Die Wettkampfpause hat seiner Form nicht gut getan. Ihm fehlt das allerletzte Kraftmoment", sagte Bruder Fran zu SPIEGEL ONLINE. Zwei Jahre war Contador wegen Dopings gesperrt. Dem Wettkampfbetrieb musste er zwar nur sechs Monate fernbleiben. Aber in einer Sportart, in der eine Form über Jahre aufgebaut werden muss, reicht dies schon für einen entscheidenden Substanzverlust.

Dem ist Contadors neuer Stil geschuldet. Er kann sich nicht mehr so sehr auf sein Durchhaltevermögen verlassen, muss häufiger attackieren. Doch auch dabei kann er hohes Tempo nicht lange durchhalten. "Er ist zu einem Fahrer der explosiven, aber kurzen Attacken geworden. Doch auf diesem Gebiet ist Rodríguez Meister", sagt Katushas Teamsprecher Andrea Agostini: "Für uns läuft diese Vuelta perfekt."

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Groteske Geständnisse: Die besten Dopingerklärungen

Epo und Epo-Doping
Erythropoetin (Epo)
Die Ausdauerleistungsfähigkeit ist wesentlich vom Sauerstoffaufnahmevermögen abhängig. Erythropoetin (Epo) ist ein Eiweißhormon, das die Produktion roter Blutkörperchen (Erythrozyten) im Körper stimuliert. Je mehr Erythrozyten im Blut, desto mehr Sauerstoff kann aufgenommen und zu den Körperzellen transportiert werden - die Leistungsfähigkeit steigt.
Struktur und Wirkung
Natürliches Erythropoetin ist ein komplexes Eiweißmolekül aus 165 Aminosäuren, an das noch Zuckermoleküle angelagert sind. Es wird hauptsächlich in der Niere gebildet und bewirkt im Knochenmark die Bildung von Erythrozyten.
Künstliches Epo
Seit den achtziger Jahren kann Epo gentechnisch hergestellt werden. Seither gibt es eine große Zahl von Epo-Präparaten. Sie müssen injiziert werden, in der Regel mehrmals pro Woche. Zahlreiche Pharmakonzerne haben Epo-Präparate entwickelt, in denen das natürliche Epo-Molekül chemisch abgewandelt wurde - mit dem Ziel, die Verträglichkeit, die Wirksamkeit und die Wirkdauer zu steigern. Eines der lang wirksamen Epo-Präparate ist CERA des Konzerns Hoffmann-La Roche. Es muss nur einmal im Monat verabreicht werden.
Nebenwirkungen
Bei Überdosierung nimmt die Anzahl der roten Blutkörperchen im Blut zu hohe Werte an. Das Risiko von Blutgerinnseln steigt, Herzinfarkt, Lungenembolie oder ein Hirnschlag können die Folge sein.
Epo-Mimetika
Statt des Originalmoleküls oder den chemisch leicht abgewandelten Formen gibt es auch sogenannte Epo-Mimetika - Präparate, die sich chemisch vom Erythropoetin-Molekül unterscheiden, im Körper aber dieselbe oder eine sehr ähnliche Wirkung entfalten.
Epo-Doping und Nachweis
Seit Beginn der industriellen Produktion von Epo Ende der achtziger Jahre wird es zur Leistungssteigerung genutzt. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet seit vielen Jahren den Gebrauch von Epo. Unerlaubt zugeführtes Epo kann mit speziellen Methoden im Urin nachgewiesen werden. Allerdings wird der Nachweis aufgrund der mittlerweile riesigen Anzahl an Epo-Präparaten, die abgewandelte Epo-Moleküle oder Epo-Mimetika enthalten, immer schwieriger.