Medizinische Daten von US-Sportlern "Das ist nichts, wofür man sich schämen muss"

Hacker haben die Athletendatenbank der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada geknackt und publik gemacht, welche Medikamente US-Sportler wie Simone Biles nehmen. Die reagiert empört - und rechtfertigt ihre Mittel.

Simone Biles
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Simone Biles


Russische Hacker haben bei einem Angriff auf die Athletendatenbank der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada Zugriff auf medizinische Daten mehrerer amerikanischer Athleten erhalten. Die Gruppe, die unter dem Namen "Fancy Bears" bekannt ist, veröffentlichte Informationen über die Medikamenteneinnahme der Sportler im Internet. Betroffen sind unter anderem die Turnerin Simone Biles, Tennisspielerin Venus Williams und die Basketballerin Elena Delle Donne.

So machte die Hacker-Gruppe mehrere medizinische Ausnahmegenehmigungen für Mittel der Athleten publik. Diese hätten es ihnen ermöglicht, eigentlich verbotene Substanzen einzunehmen. Bei den Spielen in Rio habe das US-Team "gut, aber nicht fair gespielt", hieß es auf der Webseite der Hacker. Medaillen würden mit "schmutzigen Methoden" gewonnen.

Die viermalige Olympiasiegerin Biles reagierte empört. Sie schrieb bei Twitter, dass sie "immer die Regeln befolgt habe". Sie habe eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und nehme dafür Medikamente. Dies sei "nichts, wofür man sich schämen muss", teilte die 19-Jährige mit.

Auch Williams und Delle Donne wiesen Vorwürfe zurück. "Ich bin enttäuscht, dass meine privaten medizinischen Daten von Hackern ohne meine Erlaubnis veröffentlicht wurden", sagte Williams in einer Erklärung.

Die Wada hat das Datenleck bestätigt. "Die Wada verurteilt die laufenden Cyberattacken, die die Organisation und das weltweite Anti-Doping-System untergraben sollen", sagte Generaldirektor Olivier Niggli in einem Statement.

rae/dpa/sid



insgesamt 151 Beiträge
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sincere 14.09.2016
1. Und jetzt?
Wie oft wurde schon was aufgedeckt und es gab keine Konsequenzen? Profisport ist voll mit sowas.
RalfHenrichs 14.09.2016
2. Vergleich
Russische SportlerInnen, von denen nur negative Dopingproben vorliegen, werden von Olympia ausgeschlossen, weil sie Russen sind und dort staatlich gedopt wird (was sicherlich stimmt). Amerikanische SportlerInnen, von denen positive Dopingproben vorliegen (wie Biles), dürfen ihre Goldmedaillen erhalten, weil sie nach(!) ihrer positiven Dopingprobe erklärt haben, dass sie diese Mittel benötigen. Das ist nur noch lächerlich.
snoxx 14.09.2016
3.
Wir können also Festhalten dass Simone Biles ihre Goldmedallien unter Anwendung leistungssteigernder Medikamente gewonnen hat. Es mag medizinische Gründe zur Einnahme geben aber das ändert letztlich nichts daran dass Sie einen Vorteil hatte. Fair gegenüber Sportlern die nichts nehmen ist das jedenfalls nicht. In meinen Augen sehe ich hier aber dringend Handlungsbedarf seitens der WADA. Also entweder Ausnahmen nur nach öffentlich dokumentierter Genehmigung eines internationalen Ärzteteams oder aber gar keine Ausnahmen mehr. Bei Beibehaltung der Ausnahmen muss es aber natürlich Mechanismen geben die Nachteile für andere Sportler ausgleichen.
bibberbutzke 14.09.2016
4. Überascht ...
irgendwie nicht. So ist das halt mit den Leaks und den Hackern. Passen tut das niemand so recht. Aber, es dient zur Aufklärung und ich als Normalo finde es gut (wahrscheinlich meiner eigenen Bestätigung wegen)
Hartholz 14.09.2016
5. Es ist Doping!
Eine Legalisierung von leistungssteigernden Substanzen sollte für Sportler, die an Wettkämpfen teilnehmen, nicht möglich sein. Wenn Sportler aus medizinischen Gründen (z.B. Schmerzbekämpfung) zwingend Medikamente einnehmen müssen, die zugleich ihre Leistung steigern, verbietet sich die Wettkampfteilnahme! Alles andere ist Doping, und die WADA beteiligt sich offenbar daran.
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