Wakeboarder Dominik Gührs "Das fühlt sich hammermäßig an"

Am Sonntag treffen sich in Pinneberg bei Hamburg die besten Wakeboarder zum Finale der Weltserie. Einer der Favoriten ist der Münchner Dominik Gührs. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht er über das Lebensgefühl der Wakeboarder und warum es gerade in Deutschland so viele von ihnen gibt.

Wakeboarder Gührs: Mitfavorit beim Finale der Weltserie
DDB/Wakeboarder-Europe.com

Wakeboarder Gührs: Mitfavorit beim Finale der Weltserie


SPIEGEL ONLINE: Wie würden Sie jemandem, der von Ihrem Sport noch nie etwas gehört hat, Wakeboarden erklären?

Gührs: Wakeboarden ist wie Snowboarden auf dem Wasser. Ich stehe auf einem Brett und lasse mich von einem Boot oder einer Liftanlage ziehen. Dabei springe ich über Hindernisse und zeige im Sprung so viele und so gute Tricks wie möglich. Wie beim Snowboarden kommt es auf eine gute Körperbeherrschung an.

SPIEGEL ONLINE: Abheben, durch die Luft wirbeln, ins Wasser stürzen - sind Ihnen die gängigen Sportarten zu langweilig?

Gührs: Ich habe auch mal Fußball gespielt. Aber das hat mir irgendwann keinen Spaß mehr gemacht. Ich bin mit meinen Eltern früher Ski gefahren und später Snowboard, Skateboard sowieso schon immer. Aber dass ich zum Wakeboarden gekommen bin, war ein Zufall.

SPIEGEL ONLINE: Inwiefern?

Gührs: Ich wollte mir damals eigentlich ein Skateboard kaufen. Aber der Verkäufer in dem Sportgeschäft hat mir ein Wakeboard in die Hand gedrückt und gesagt 'Hier, das musst du unbedingt ausprobieren, wird dir gefallen.' Er hatte Recht.

SPIEGEL ONLINE: Versuchen Sie mal, das Gefühl im Moment des Sprungs zu beschreiben.

Gührs: Ich kann nur sagen: Das fühlt sich hammermäßig an. Vor allem die letzten Momente vor einem Sprung, wenn du mit 30 Stundenkilometern über den Kicker - eine Art Sprungschanze - gezogen wirst, sind phänomenal. In die Luft fliegen, sich drehen oder eine Schraube machen und dann zurück ins Wasser, das ist einfach ein Riesenspaß. Aber gleichzeitig muss man sich beim Sprung total konzentrieren, damit die Tricks klappen - und damit man die Landung nicht vermasselt.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Tricks beherrschen Sie?

Gührs: Wenn man alle kleinen Varianten mitzählt, sind das bestimmt 70, 80. Aber in einem Rennen kann man normalerweise nur sechs bis acht pro Durchgang zeigen.

SPIEGEL ONLINE: Trotz all der Tricks: Ist Wakeboarden eigentlich ein Sport für jedermann?

Gührs: Auf jeden Fall. An meiner Trainingsanlage sehe ich immer wieder, wie schnell Anfänger das lernen. Ich würde sagen, dass ein Tag Übung ausreicht, um die erste Runde mit ein paar kleinen Sprüngen zu machen. Das einzige, was man vorher schon können sollte, ist Schwimmen.

SPIEGEL ONLINE: Aber Wakeboarden sieht nicht gerade ungefährlich aus.

Gührs: Nein, ist es auch nicht. Manche Fahrer haben sich schon böse am Knie verletzt, bis hin zu Kreuzbandrissen. Das ist auch meine größte Angst. Viele haben Probleme mit der Schulter, weil auf der Leine ordentlich Zug ist. Und die Sprünge gehen auf den Rücken.

SPIEGEL ONLINE: Wie steht es denn mit Verletzungen bei Ihnen?

Gührs: Das Schlimmste, was ich bisher hatte, war ein Schädelbasisbruch. Ein anderer Wakeboarder ist mir versehentlich über den Kopf gefahren als ich im Wasser war, und an dem Tag hatte ich dummerweise keinen Helm auf. Ansonsten wären da noch ein überdehntes Kreuzband, Haarrisse im Knochen und ab und zu ein gebrochener Finger.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind amtierender Europameister. Wie wichtig ist Ihnen der Erfolg?

Gührs: Sehr wichtig. Zum einen kann ich mich so mit anderen vergleichen und das eigene Leistungsvermögen besser einschätzen. Aber Erfolge helfen auch enorm dabei, Sponsoren zu finden.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie Probleme, das Wakeboarden zu finanzieren?

Gührs: Ich komme klar. Ich habe zurzeit vier Sponsoren, die mir vor allem die Reisekosten bezahlen. Die Preisgelder sind nicht üppig aber auch nicht so schlecht. Beim Turnier in Pinneberg zum Beispiel gibt es für den Sieger 6000 Dollar. Trotzdem müssen meine Eltern immer noch was zuschießen.

SPIEGEL ONLINE: Funsportarten führen gewöhnlich ein Nischendasein. Wünschen Sie sich mehr Aufmerksamkeit für das Wakeboarden oder sind Sie mit der Situation zufrieden?

Gührs: Ein größeres Interesse wäre toll. Mehr Aufmerksamkeit bringt mehr Sponsoren und damit mehr Möglichkeiten. Ich denke, dass da noch einiges passieren wird. Wakeboarden ist stark im Kommen, außerdem stehen in Deutschland die meisten Liftanlagen weltweit.

SPIEGEL ONLINE: Warum gerade bei uns?

Gührs: Weil es in Deutschland zu wenige große Seen gibt, auf denen man sich von Motorbooten ziehen lassen könnte. In den USA ist das anders, und außerdem ist der Sprit günstiger als bei uns. Deshalb gibt es dort insgesamt nur vier Lifte. Die meisten Anlagen in Deutschland wurden aber nicht für das Wakeboarden, sondern für Wasserski gebaut und sind entsprechend älter.

SPIEGEL ONLINE: Was machen Sie eigentlich im Winter? Snowboard fahren?

Gührs: Klar. Es sei denn, es gibt Turniere in den USA oder anderen warmen Orten. Dann steige ich auch im Winter aufs Wakeboard.

Das Interview führte Hendrik Baumann

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