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Weltreiterspiele in den USA

"Nur Transporte zu Kriegszeiten kommen dem nahe"

Die Weltreiterspiele starten am Dienstag in den USA. Was sich das deutsche Team erhofft, welche Aufreger es gibt - und wie mehr als 800 Pferde rund um die Welt fliegen: der Überblick.

ERIK S LESSER/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Dienstag, 11.09.2018   17:20 Uhr

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Worum geht es?

Die Weltreiterspiele finden in Tryon, im US-Bundesstaat North Carolina, statt. Alle vier Jahre gibt es zweiwöchige Wettkämpfe. In folgenden Disziplinen werden insgesamt 29 Medaillen verteilt: die olympischen Sportarten Springen, Dressur und Vielseitigkeit sowie Voltigieren, Vierspännerfahren, Westernreiten, Distanzreiten und in der Para-Dressur für Menschen mit Behinderung.

Wie sieht das deutsche Team aus?

51 Pferde und 47 Aktive umfasst die deutsche Mannschaft, hinzu kommen Pfleger, Besitzer, Trainer, Hufschmiede und Tierärzte. Größter Star ist Dressur-Reiterin Isabell Werth. Die sechsmalige Olympiasiegerin ist dreimal in der Top Ten der Weltrangliste vertreten. Mit ihrem Pferd "Weihegold" ist sie Nummer eins, mit "Emilio" auf Rang zwei und mit "Don Johnson" Achte. "Für uns geht es zunächst um die Teamwertung. Dort ist Gold unser Traum", sagt Werth.

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Ein anderer deutscher Star fehlt: Dreifach-Olympiasieger Michael Jung ist aufgrund einer Verletzung seines Pferds Rocanain nicht dabei. "Für unser Team ist das natürlich ein ganz herber Verlust", sagt Bundestrainer Hans Melzer.

Welche Ziele haben die Deutschen?

Sie wollen in allen drei olympischen Teamwettbewerben um Medaillen reiten. Chef de Mission Dennis Peiler gab als Minimalziel die Qualifikation für Tokio 2020 in den olympischen und paralympischen Disziplinen an - sowie einen Platz unter den besten drei Nationen im Medaillenspiegel. Bei der WM 2014 erreichte die deutsche Equipe mit fünf Gold-, sieben Silber- und drei Bronzemedaillen Rang drei im Nationenvergleich.

AFP

Isabell Werth

Wo kann ich die WM verfolgen?

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Eurosport zeigt alle Entscheidungen der olympischen Disziplinen live. Das ZDF überträgt die Dressur-Kür im Fernsehen sowie das abschließende Springen in der Vielseitigkeit im Livestream. In der zweiten Woche gibt es auf ARD One die Mannschafts- und Einzelentscheidung im Springreiten zu sehen. Das Internetportal ClipMyHorse.tv zeigt die WM komplett live. Aufgrund der Zeitverschiebung von sechs Stunden fallen viele Entscheidungen zu deutscher Zeit am späten Abend oder in der Nacht.

Wie kommen die Pferde überhaupt nach Tryon?

Die meisten mit dem Flugzeug. Insgesamt werden 550 Pferde auf dem Luftweg in die USA gebracht, 270 Tiere kommen über den Landweg. Von Lüttich, Dubai sowie elf südamerikanischen Städten reisen die Pferde in umgebauten Boeing 777 mit individuell angepassten Boxen und Klimaanlagen. Hinzu kommen 123.500 Tonnen Equipment und 51 Tonnen Futter und Wasser. "Nur Transporte zu Kriegszeiten kommen dem nahe", sagte Präsident Ingmar De Vos vom Weltverband FEI.

FEI/ Dirk Caremans/ Tori Repole

Pferde in der umgebauten Boeing 777

Pferdesport... Pferdesport... Gab es da nicht einen Skandal?

Richtig. Ein SPIEGEL-Bericht über Alkoholexzesse und sexuelle Nötigung in Zusammenhang mit jungen Sportlern aus dem Nationalkader der Springreiter hat den deutschen Reitsport erschüttert. Demnach sollen diese auf Turnieren Mädchen mit Alkohol gefügig gemacht und sexuell missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat mittlerweile Ermittlungen gegen einen 20 Jahre alten Springreiter eingeleitet. "Natürlich wird hier vor Ort im Team darüber gesprochen", sagte Chef de Mission Peiler.

Was für Aufregerthemen gibt es noch?

Die Disziplin Distanzreiten sorgt immer wieder für Ärger. 160 Kilometer in etwa sieben Stunden legen Pferde und Reiter zurück, häufig kommt es zu Knochenbrüchen, Pferde kollabieren oder sterben. Jüngst haben sich sechs deutsche FEI-Tierärzte in einem offenen Brief an den Weltverband gewandt. Die WM-Strecke in Tryon sei "präpariert und nicht mehr in ihrem ursprünglichen Zustand, sie ist gerade und flach", dadurch könne schneller geritten werden. Eine höhere Geschwindigkeit erhöhe jedoch "das Risiko, dass Pferde überbeansprucht werden, drastisch", hieß es.

Erst Mitte August kollabierte ein Pferd beim Rennen im britischen Euston Park und starb. Das traditionelle Event wurde von einem Unternehmen des Scheichs Mohammed Bin Raschid Al Maktum aus Dubai gesponsert - wie auch der Distanzwettbewerb bei den Weltreiterspielen. "Aus diesem Grund sind wir sehr besorgt um das Wohl der Pferde und hegen ernste Zweifel daran, dass ihre Sicherheit während der Ritte in Tryon an erster Stelle stehen wird", schreibt der Verein Deutscher Distanzreiter und -fahrer.

Die Disziplin ist vor allem im arabischen Raum beliebt. Der mächtige Emir von Dubai ist selbst Distanzreiter, im Umgang mit seinen Pferden soll er immer wieder verbotene Medikationen verwendet haben. Viele Tierschutzskandale bis hin zur Quälerei gingen in den vergangenen Jahren auf das Konto von Reitern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE).

bka/sid/dpa

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