Legendäre Surf-Gang Westsiders: "Wir waren alle high, verdammt high"
2. Teil: Wie die Westsiders in den Drogensumpf gerieten
Die Westside hatte schon immer anspruchsvollere Wellen als die Gegend im Osten der Stadt. Spots wie Steamer Lane, der sich über mehrere hundert Meter abreiten lässt und wo die Wellen im Winter bis zu fünf Meter hoch werden. Hier entwickelte die junge Generation der Westsiders ihren Stil: kreative, waghalsige Manöver. Sprünge mit dem Surfboard, die das heutige Wellenreiten dominieren, wurden vor zwanzig Jahren in Santa Cruz erfunden. Der Fokus der Surfmedien verschob sich von Süd- nach Nordkalifornien und Bilder von Flea, Barney, Peter Mel, und Sean "Skindog" Collins beherrschten die Magazine.
Doch erst die Entdeckung von Mavericks ließ die Westsiders zu wahren Superstars werden. "Ich bekam von meinen Sponsoren zu der Zeit, als wir die ersten Mavericks-Sessions hatten, 300 Dollar im Monat", so Flea. "Davon konnte ich meine Miete zahlen und musste nebenher noch auf dem Bau arbeiten. Das war ein gutes Leben, aber ab 1993 begannen ganz andere Schecks hereinzusegeln. Die Medien liebten uns. Und mit jeder gigantischen Winter-Dünung stiegen die Einnahmen durch Cover-Boni, Videos und Preisgelder."
Ende der Neunziger kamen jährlich sechsstellige Summen zusammen. Flea kaufte sich ein Haus, nur wenige Blocks von dem Strand entfernt, an dem er aufgewachsen war. Vor seiner Tür stand ein schwarzer Pick-up mit einem Jet-Ski auf der Ladefläche. Wenn er in seinem 65er Drop Top Chevrolet Impala durch die Straßen fuhr, stand die Nachbarschaft Spalier. Flea war der König von Santa Cruz.
Rockstars auf Surfbrettern
Anfang des neuen Jahrtausends war Virostko für seinen Rockstar-Lifestyle genauso bekannt, wie für seine Leistungen auf dem Wasser. Die Partys, die er nach seinen Siegen schmiss, waren legendär. Die Journalistin Judy Carson, die 2002 im Auftrag des "Vanity Fair"-Magazins nach Santa Cruz reiste, um eine Reportage über die Westsiders zu schreiben, war dabei. Sie wollte miterleben, was passiert, wenn sich die Jungs auf ein paar Bier treffen - und verließ nach wenigen Stunden schockiert die Stadt. Ihr Artikel titulierte Flea bald darauf als "Tommy Lee of Surfing".
Doch die Verschleißerscheinungen des Profi-Lebens begannen Virostko langsam zuzusetzen. "Auf den Sponsorenterminen und bei den Touren ist kaum jemand nüchtern. Wenn man zu betrunken war, zog man eine Line Koks und wenn es morgens richtig verrückt werden sollte, schmissen wir Pillen hinterher. Da ging es noch um Spaß - doch dann erreichte Meth die Stadt", sagt Virostko.
Methamphetamin ist eine fürchterliche Droge. Ein einziger Zug an der Glaspfeife und man ist bis zu zwölf Stunden lang high. Das Zeug bietet grenzenlose Euphorie und das Gefühl, unverwundbar zu sein. Wie nach einem Mavericks-Ritt. Der Absturz, der auf den Rausch folgt, ist mindestens genauso brutal. "Anthony Ruffo war der Erste, der damit anfing", sagt Barney. Ruffo, heute 48, gewann 1985 den prestigeträchtigen Santa Cruz Coldwater Classic, Kaliforniens bedeutendsten Wettbewerb. Er ist eine Legende.
Die Surfsessions wurden kürzer, die Nächte länger
Im Februar 2012 wurde er zu einem Jahr Freiheitsstrafe wegen organisierten Drogenhandels verurteilt. Ruffo hatte gemeinsam mit der mexikanischen Gang The Nortenos Meth in der Surfszene verkauft. Auch Ur-Westsider Vince Collier und Big-Wave-Weltmeister Peter Mel verfielen der Droge. 2007 ertrank der Local Peter Davi in der Monterey Bay. Bei der Autopsie fand man große Mengen Meth in seinem Blut.
Flea begann im Frühjahr 2007 Methamphetamin zu rauchen. Im Laufe des Jahres wurden seine Surfsessions immer kürzer, die Nächte immer länger. Die meisten Sponsoren hatten ihn bereits fallengelassen. Mit der Abbezahlung seines Hauses war er im Rückstand, es drohte die Zwangsversteigerung.
"Mein Leben entglitt mir immer mehr. Aber ich war nicht der Einzige - Meth mischte die Surfszene auf. Auch auf Hawaii sind viele Profis süchtig geworden, doch die Surf-Industrie tut noch immer alles, damit die Wahrheit nicht ans Licht kommt", sagt Flea: "Schau dir nur an, wie es mit Andy lief." Der dreifache Weltmeister Andy Irons war 2010 im Alter von 32 Jahren während der Weltmeisterschaftstour an Herzversagen gestorben. In seinem Körper fand man Kokain, Methadon und Meth.
Eine Entzugsklinik speziell für die Wellenreiter von Santa Cruz
Flea hingegen zog die Notbremse. Im August 2008 fuhr er vor dem Beacon House in Monterrey vor, einer Drogen-Entzugsklinik. Die einstige Ikone des Big-Wave-Surfens legte die 40 Kilometer von Santa Cruz gen Süden im Vollrausch zurück. Der routinemäßig durchgeführte Drogentest bei seiner Einweisung zeigte einen Blutalkoholwert von 2,9 Promille. Freunde hatten ihn tagelang bedrängt, sich helfen zu lassen. "Damals war ich stinksauer über die Ratschläge", sagt Virostko. "Doch heute bin ich ihnen unendlich dankbar."
Mittlerweile ist Flea seit vier Jahren clean. Seine Erfahrungen will er weitergeben, in der Hoffnung, mit seiner Lebensgeschichte anderen süchtigen Surfern Mut zu machen. Unter dem Namen "Fleahab" betreibt er eine Entzugsklinik speziell für die Wellenreiter von Santa Cruz. "Durch das Wellenreiten haben wir etwas, das vielen anderen Süchtigen fehlt: eine positive Tätigkeit in der Natur. Also bringen wir unsere Patienten dazu, dieses Geschenk wieder wertzuschätzen." An Fleas Seite treten unter anderem Barney und Anthony Ruffo auf.
Die Westsiders sind wieder vereint - jetzt im Kampf gegen den Lifestyle, der einst ihr Markenzeichen war.
- 1. Teil: "Wir waren alle high, verdammt high"
- 2. Teil: Wie die Westsiders in den Drogensumpf gerieten
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- Samstag, 29.12.2012 – 10:33 Uhr
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| Surfweltmeister seit 1990 | ||
| Jahr | Name | Land |
| 1990 | Tom Curren | USA |
| 1991 | Damien Hardman | AUS |
| 1992 | Kelly Slater | USA |
| 1993 | Derek Ho | USA |
| 1994 | Kelly Slater | USA |
| 1995 | Kelly Slater | USA |
| 1996 | Kelly Slater | USA |
| 1997 | Kelly Slater | USA |
| 1998 | Kelly Slater | USA |
| 1999 | Mark Occhilupo | AUS |
| 2000 | Sunny Garcia | USA |
| 2001 | C.J. Hobgood | USA |
| 2002 | Andy Irons | USA |
| 2003 | Andy Irons | USA |
| 2004 | Andy Irons | USA |
| 2005 | Kelly Slater | USA |
| 2006 | Kelly Slater | USA |
| 2007 | Mick Fanning | AUS |
| 2008 | Kelly Slater | USA |
| 2009 | Mick Fanning | AUS |
| 2010 | Kelly Slater | USA |
| 2011 | Kelly Slater | USA |
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